Deutliche Absage an Bahn-Neubaustrecke
Über 1.000 Besucher bei "Alpha-E"-Kundgebung in Salzhausen
- Bürgermeisterrunde auf der Bühne (v. li.): Emily Weede (Seevetal), Dr. Jens Bülthuis (Bispingen), Thomas Kaiser (Toppenstedt), Jörg Kraus (Gödenstorf), Moderator Reinhard Crasemann, Horst Günter Jagau (Garlstorf) und Olaf Muus (Samtgemeinde Hanstedt)
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Mehr als 1.000 Teilnehmer, darunter zahlreiche Familien, haben am Sonntag auf der Familienkundgebung „Wir wählen Alpha-E – Gemeinsam auf dem richtigen Gleis“ der Samtgemeinde Salzhausen ein unübersehbares Signal gesetzt: Die Region wehrt sich vehement gegen die von der Deutschen Bahn geplante Neubaustrecke, fordert stattdessen den effizienten und zeitnahen Ausbau der Bestandsstrecken nach dem Alpha-E Konzept und erwartet, dass ihre Stimme in Berlin gehört wird.
Anlässlich der anstehenden Befassung des Bundestages mit der Schienenverbindung Hannover–Hamburg hatte die Samtgemeinde zu der parteipolitisch unabhängigen Kundgebung eingeladen. Unterstützt wurde die Veranstaltung von sämtlichen lokalen Bürgerinitiativen sowie zahlreichen Vertretern aus Politik und Kommunen. Es wurde deutlich, dass die Menschen eine leistungsfähige Schiene wollen – aber nicht um den Preis einer Neubaustrecke, die Gemeinden und Landschaften durchschneidet. "Mit einer zeitnahen und effektiven Umsetzung von Einzelmaßnahmen aus dem Alpha-E-Konzept können die prognostizierten Bedarfe für den Personen- und den Güterverkehr deutlich schonender mehr als gedeckt werden", so der Tenor.
Kein "Ja" zur Neubaustrecke gegen Interessen der Region
Bei seiner Begrüßung machte Samtgemeinde-Bürgermeister Jens Köster die Position der Region deutlich: Die Planungen für eine Neubaustrecke, die das Gebiet der Samtgemeinden Salzhausen und Hanstedt, der Gemeinde Seevetal sowie des Heidekreises zerteilen würde, stoßen vor Ort auf massiven Widerstand. Die geplante Strecke, die - entgegen der offiziellen Bezeichnung - nicht zwischen Hamburg und Hannover sondern lediglich zwischen Meckelfeld und Burgwedel verlaufen würde, wird zur Deckung der prognostizierten Bedarfe für den Personen- und Güterverkehr nicht benötigt. „Es darf keine Entscheidung für die Neubaustrecke durch die Heideregion gegen die Interessen der Region und gegen die erklärten Interessen der Landespolitik geben,“ betonte Köster. Auch mit Blick auf die anstehende Kommunalwahl gab er zu bedenken, dass viele Wähler kein Vertrauen mehr in die Politik hätten.
"Wir wollen Alpha-E und damit eine Lösung, die kein utopisches Wolkenkuckucksheim, sondern finanzierbar ist", unterstrich Landrat Rainer Rempe in seinem Grußwort. Er bekräftigte: „Es darf nicht versucht werden, einen Keil zwischen die betroffenen Kommunen zu treiben. Wir sind keine versprengte Minderheit, sondern wir sprechen für eine ganze Region. Wir vertreten die Landkreise Harburg, Uelzen und Celle sowie den Heidekreis – und wir haben das Land Niedersachsen an unserer Seite.“
Auch Bürgermeister aus den Mitgliedsgemeinden der Samtgemeinde Salzhausen und aus Nachbarkommunen bezogen klar Stellung gegen die Neubaustreckenplanungen. Dafür gab es großen Beifall von den Besuchern. "Nicht wir, die wir hier oben auf der Bühne stehen, sondern Ihr alle auf diesem Platz seid die Hauptpersonen, und Eure Stimme muss gehört werden", sagte der vom Teilnehmeransturm sichtlich beeindruckte Gödenstorfer Bürgermeister Jörg Kraus.
Seevetals Verwaltungschefin Emily Weede erklärte, dass ihre Gemeinde durchgängig von der Neubaustrecke betroffen wäre, die teilweise sogar durch derzeit bebaute Gebiete verlaufen würde. "1.000 Hektar an Naturflächen würden bei uns durch die Bahnstrecke versiegelt, was auch eine Gefährdung heimischer Wildarten zur Folge hätte", brachte Garlstorfs Bürgermeister Horst Günter Jagau seine Bedenken und die des NABU vor.
Als Redner kamen außerdem unter unter anderem die CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Cornell Babendererde, CDU-Landtagsabgeordneter Andre Bock, Dr. Carla Eickmann vom Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft und Verkehr sowie Dr. Peter Dörsam, Tostedter Samtgemeinde-Bürgermeister und Sprecher des Projektbeirates Alpha-E zu Wort.
Sternfahrten bringen Protest nach Salzhausen
Dass der Widerstand gegen die Neubaustrecke weit über Salzhausen hinausreicht, wurde auch durch die von den Bürgerinitiativen organisierten Sternfahrten zur Kundgebung deutlich, an denen rund 250 Radler teilnahmen. Unter anderem starteten Fahrradkorsos in Bispingen und Ramelsloh.
Im für die ganze Familie gestalteten Rahmenprogramm der Kundgebung sorgten die Lüneburger Live-Band „Das Empire Steak Building“ und der Seevetaler Solokünstler „True Badur“ für musikalische Unterhaltung. Für Kinder gab es eine betreute Hüpfburg, und an der Buttonmaschine konnten kleine und große Gäste kreativ werden. Der Förderverein der Feuerwehr Salzhausen und weitere Essensstände versorgten die Besucher mit Gaumenfreuden.
Moderiert wurde die Veranstaltung von Reinhard Crasemann von der Bürgerinitiative „Y-Monster“. Er appellierte an die Teilnehmer: "Wir müssen weiter am Ball bleiben, solange die Neubaustrecke nicht komplett vom Tisch ist!"
"Mit der Familienkundgebung wollte die Samtgemeinde Salzhausen bewusst ein Signal senden, das über ihre Grenzen hinausreicht. Dieses Signal wurde eindrucksvoll Richtung Berlin gesandt – jetzt muss es auch in Berlin gehört werden", erklärte Jens Köster schließlich. Und stellte klar: "Die Region richtet sich nicht grundsätzlich gegen den Ausbau der Schiene. Im Gegenteil: Sie fordert eine leistungsfähige, zukunftsfähige und möglichst schnell umsetzbare Verbesserung der Schieneninfrastruktur." Weil die Menschen in den betroffenen Gebieten jedoch mit den Folgen der Planungen dauerhaft leben müssten, würden sie mit Recht erwarten, dass sie vor einer Abstimmung im Bundestag "ernsthaft in die Entscheidung einbezogen werden".
Redakteur:Christoph Ehlermann aus Salzhausen |
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