Bedingt gute Aussichten
Landwirtschaftsexperten prognostizieren leicht unterdurchschnittliche Ernte
- Wagten einen Ernte-Ausblick (v. re.): Landvolk-Kreisverbandsvorsitzender Wilhelm Neven, Landwirt Stefan Isermann, Kreislandwirt Martin Peters und Cord Persiehl-Schultz, Wirtschaftsberater bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen
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"Die Anfang Juli beginnende Ernte wird insgesamt leicht unter dem Durchschnitt des Vorjahres, dabei aber regional stark unterschiedlich verlaufen." Das war das Fazit des Vorerntegesprächs, zu dem am Montag die Landwirtschaftskammer Niedersachsen und der Landvolk-Kreisverband Lüneburger Heide nach Toppenstedt auf den Hof von Landwirt Stefan Isermann eingeladen hatten. Neben Isermann dabei waren Landvolk-Kreisverbandsvorsitzender Wilhelm Neven, Kreislandwirt Martin Peters und Cord Persiehl-Schultz, Wirtschaftsberater bei der Landwirtschaftskammer.
"Das Wirtschaftsjahr 2024/25 brachte einen schwierigen Vegetationsverlauf mit sich", erklärte Cord Persiehl-Schultz. Nach einem normalen Herbst als Ausgangslage sei die Entwicklung der Wintersaaten über den Jahreswechsel hinweg "durchweg gut verlaufen". Im Februar und März hätten jedoch Nachtfröste den Beständen stark zugesetzt. Durch die fehlenden Niederschläge bis April habe zudem die Bestandsdichte der Pflanzen abgenommen. Als Beispiel nannte Persiehl-Schultz die Verringerung der Zahl ährentragender Halme aufgrund von Trockenheit.
In den wichtigen Hauptvegetationsmonaten Mai und Juni habe viel Regen die Pflanzen zwar wachsen lassen, für viele Bestände seien die Niederschläge aber zu spät gekommen. "Durch diesen Vegetationsverlauf erwarten wir bei Raps und Getreide für den Landkreis Harburg eine unterdurchschnittliche Ernte", so der Experte.
Im Landkreis Harburg werden laut Landwirtschaftskammer etwa 55.000 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche ausgewiesen. Diese bestehe zu etwa zwei Dritteln aus Ackerland (36.500 ha) und einem Drittel aus Grünland (18.500). "Die Hochrechnungen stehen noch aus. Man geht jedoch davon aus, dass sich die Anbauverhältnisse im Gegensatz zu dem sehr nassen Vorjahr wieder auf dem langjährigen Niveau eingependelt haben. Auf den Äckern in der Region angebaut würden rund 15.000 Hektar Getreide, 10.000 Hektar Mais, 1.500 Hektar Raps, 1.000 Hektar Zuckerrüben, 3.000 Hektar Kartoffeln sowie 4.500 Hektar Sonderkulturen (Weihnachtsbäume, Gemüse, Obst usw.). Die 1.500 Hektar umfassende Restfläche bestehe aus Bracheflächen.
Die aktuellen Preisangaben je Tonne (t für 1.000 kg) lägen bei Getreide zwischen 150 und 230 Euro (Vorjahr 150 bis 250 Euro) sowie bei Raps im Bereich von 472 Euro je Tonne im Vergleich zum Vorjahr mit 440 Euro.
"Global gesehen ist an den Weltmärkten aktuell keine Knappheit in Sicht, deshalb werden die geringeren Erträge in unserer Region wohl auch keine Auswirkungen auf die Preisentwicklung haben", prognostizierte Wilhelm Neven. Es gelte aber, etwaige Auswirkungen des aktuellen Kriegsgeschehens in der Welt im Blick zu haben. "Man muss die Märkte beobachten und bei Bedarf entsprechend handeln."
Stefan Isermann, der 450 Hektar Ackerbau mit Schwerpunkt Kartoffeln bewirtschaftet sowie in Toppenstedt und Vierhöfen insgesamt 3.000 Schweinemast-Plätze unterhält, unterstrich die Notwendigkeit der ausreichenden Feldberegnung in allzu trockenen Zeiten. "Wasser ist hier in der Heide das höchste Gut. Wir Landwirte produzieren Lebensmittel, und ohne Beregnung der Anbauflächen können wir den Laden dicht machen", mahnte er.
Mit Blick auf die neue Bundesregierung brachte Stefan Isermann seine Hoffnung auf einen verstärkten Bürokratieabbau - etwa bei der Qualitäts- und Sicherheitsdokumentation - zum Ausdruck. Zudem wünschte er sich, dass sich mehr Landwirte in den Gemeinderäten und im Kreistag engagieren: "Dort werden leider oft für uns Bauern ungünstige Entscheidungen von Leuten getroffen, die nicht aus der Praxis kommen."
Redakteur:Christoph Ehlermann aus Salzhausen |
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