Junge Menschen in der Kommunalpolitik
Linus Lurz als einer der jüngsten Kandidaten
- Der 19-jährige Linus Lurz
- Foto: Hansen / sh
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bim. Tostedt. Linus Lurz (19 Jahre, SPD) wusste schon früh, was er einmal werden will: Bundestagsabgeordneter. Er beeindruckte bereits im Dezember 2019 die Tostedter Samtgemeinderatsmitglieder, als er als 13-Jähriger in öffentlicher Sitzung seinen Wunsch auf Einrichtung eines Kinder- und Jugendparlamentes für die Samtgemeinde Tostedt äußerte. Es dauerte jedoch bis April 2024 zur Gründung des Jugendrates, dem Linus inzwischen angehört.
Das WOCHENBLATT befragte den Jura-Studenten zu seiner Motivation und seinen Zielen.
WOCHENBLATT: Du interessierst Dich ja schon lange für Politik. Was war der Auslöser für Dein Interesse und woher kommt die Motivation, Dich selbst zu engagieren?
Linus Lurz: Mein Interesse an Politik kommt daher, dass ich geopolitische Angelegenheiten spannend finde. Ebenso sehe ich (Kommunal-) Politik als wichtigen Bestandteil des Lebens, da die Politik allgegenwärtig ist und sie das Leben prägt.
Meine Motivation, mich selbst in der Politik zu engagieren, begann schon, als ich zwölf oder 13 war. Da hatte ich meine ersten wirklichen Berührungspunkte mit der Politik. Ich entschloss mich dann, dass ich auch mitbestimmen möchte, was bei mir passiert und Probleme lösen möchte.
WOCHENBLATT: Früher warst Du fasziniert von Philipp Amthor, dem jüngsten CDU-Politiker im Bundestag. Warum kandidierst Du für die SPD?
Linus Lurz: Stimmt, früher habe ich zu Phillip Amthor hochgeschaut. Ich habe aber über Jahre hinweg meine Ansichten geändert, weshalb ich nun bei der SPD bin.
Ich habe mich entschieden, für die SPD zu kandidieren, da ich möchte, dass es den Menschen gut geht. Ich bin der Meinung, dass man viele Probleme lösen kann, wenn es mehr soziale Gerechtigkeit gibt. Ebenso sollen die Menschen wieder mehr Vertrauen in die Politik gewinnen, indem man ihnen hilft. Da finde ich die SPD als älteste Partei und starke Stimme in der Politik genau richtig.
WOCHENBLATT: Welches sind Deine persönlichen Schwerpunkte in der Arbeit im Jugendrat?
Linus Lurz: Im Jugendrat möchte ich mich für mehr Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche einsetzen, damit sie nicht abgehängt werden und miteinander sozialisieren können, was ihnen hoffentlich mehr Stabilität im Leben gibt.
WOCHENBLATT: Hast Du Dich abseits der Arbeit im Jugendrat mit kommunal- und kreispolitischen Themen stärker auseinandergesetzt? Wenn ja, mit welchen?
Linus Lurz: Außerhalb des Jugendrates habe ich mich viel mit Verkehr und Wohnen beschäftigt, da diese Themen sehr wichtig sind. Niemand hat irgendeinen Vorteil, wenn die Straßen marode sind, die Radwege fehlen oder der Bus nicht fährt. Noch schlimmer wäre es, wenn durch die hohen Mietpreise und dem fehlenden Wohnraum auch noch die Obdachlosigkeit und/oder Armut ansteigen würde.
WOCHENBLATT: Wo siehst Du Deine Themenschwerpunkte auf Gemeinde- und Samtgemeinde- sowie Kreisebene?
Linus Lurz: In der Gemeinde setze ich mich ein für:
- günstigeren Wohnraum, da die Mieten hier sowie im ganzen Land immer weiter steigen. Dafür brauchen wir dringend mehr Wohnraum, weshalb ich den Beitritt zur Kommunalen Wohnungsbaugesellschaft befürworte.
- Bessere Straßen und Wege. Die Straßen in Tostedt sind teils in einem furchtbaren Zustand. Außerdem möchte ich insgesamt mehr Wege haben – für jeden Verkehrsteilnehmer. Die Radwege hören teils einfach auf und die Beschilderung ist dann auch völlig unklar.
- Für mehr Grün im Ort. Im Sommer bei 35 Grad ist es nicht auszuhalten, draußen zu sein, da einfach zu viel versiegelt ist. Mit mehr Bäumen und Grünstreifen, sowie kleineren Parks, kann man dieses Problem angehen.
In der Samtgemeinde setze ich mich ein für
- bezahlbaren Wohnraum
- für eine Gesamtschule in Tostedt. Ich halte Gesamtschulen für ein System, das den Schülern ein deutlich entspannteres Lernen ermöglicht und dabei die Kinder und Jugendlichen nicht in ein Schubladendenken versetzt, wie es bisher der Fall ist.
- für die Umwelt und Natur, indem man in Tostedt die regenerative Energieerzeugung fördert sowie die Vielfalt der Landschaft erhält und fördert.
Im Kreis setze ich mich ein
- für bessere Verkehrsverbindungen, sodass beispielsweise die Buslinie 4000 auch bis nach Heidenau fährt.
- für bezahlbaren Wohnraum. Auch da möchte ich mehr Wohnraum schaffen, um die Preise nach unten zu bringen.
- für die Verbesserung der ärztlichen Versorgung im Landkreis. Deshalb bin ich gegen eine Privatisierung der Krankenhäuser Buchholz und Winsen. Zudem möchte ich die Gründung von Hausarztpraxen fördern.
WOCHENBLATT: Solltest Du in eines oder gar in alle drei Gremien gewählt werden: Denkst Du, dass Du der Kommunalpolitik neben dem anspruchsvollen Jura-Studium gerecht wirst?
Linus Lurz: Ich denke, dass sich Kommunalpolitik und Studium perfekt miteinander vereinbaren lassen. Das Studium ist zwar anspruchsvoll, jedoch sind juristische Kenntnisse hervorragend, um auch in der Kommunalpolitik Sachverhalte einordnen zu können. Daher steht beides nicht in Konkurrenz zueinander, sondern ergänzen sich.
WOCHENBLATT: Wo siehst Du Deine berufliche Zukunft? - Als Jurist oder Bundestagsabgeordneter?
Linus Lurz: Die Frage ist sehr interessant. Viele Bundestagsabgeordnete sind Juristen. Da haben Sie den Vorteil, dass sie sich mit Gesetzen bestens auskennen. Beide Berufe lassen sich als Bundestagsabgeordneter perfekt verbinden. Allerdings kann ich mich aktiv für den Beruf des Juristen entscheiden, für den des Bundestagsabgeordneten nur indirekt, da andere mich dafür wählen müssen. Mein Ziel bleibt, nach Abschluss meines Jurastudiums für den Bundestag zu kandidieren.
WOCHENBLATT: Du hast selbst erfahren, wie lange es mitunter dauert, bis politische Willenserklärungen oder Beschlüsse umgesetzt werden. In Tostedt brauchen manche Dinge sieben Jahre bis hin zu mehreren Jahrzehnten, bis eine Umsetzung/Realisierung erfolgt. Denkst Du, dass Dich das entmutigen wird?
Linus Lurz: Es ist furchtbar, dass Beschlüsse so ewig lange dauern. Das ist jedoch kein Hindernis, sondern eine Ermutigung. Denn dadurch muss man so schnell wie möglich etwas in Gang setzen, damit es in greifbarer Zukunft überhaupt Realität wird.
Hier ein Artikel über Linus' Einsatz für ein Jugendparlament:
Redakteur:Bianca Marquardt aus Tostedt |
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