„Ja“ zum Leben sagen – trotz Trauer
Neue Trauergruppe in Tostedt für Mütter und Väter, deren Kind verstorben ist

Annette Martel (l) und Kathrin Burgwal laden gemeinsam mit Dr. Thomas Martel zur Trauergruppe ein. (Thomas Martel fehlt auf dem Foto.)  | Foto: C.Wöhling
  • Annette Martel (l) und Kathrin Burgwal laden gemeinsam mit Dr. Thomas Martel zur Trauergruppe ein. (Thomas Martel fehlt auf dem Foto.)
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Ein Kind ist gestorben. Der absolute Albtraum für eine Mutter und einen Vater. Wie weiterleben, was hilft in der Trauer, was nicht? „Es gibt nicht den richtigen Weg zu trauern. Aber es ist wichtig, der Trauer Raum und Zeit zu geben“, sagt Pastorin Kathrin Burgwal von der Ev.-luth. Johanneskirchengemeinde Tostedt. Raum und Zeit für die eigene Trauer kann Müttern und Vätern eine neue Trauergruppe in Tostedt geben. Dazu laden Pastorin Burgwal sowie Annette und Dr. Thomas Martel ab dem 1. April an zwölf Abenden über ein Jahr lang ein.

Annette und Thomas Martel sind selbst betroffene Eltern. Vor etwa vierzig Jahren verloren sie ihren Sohn. Aus der eigenen Betroffenheit wissen sie, wie schwer die Trauer ist. „Trauer verändert sich im Laufe des Lebens, aber eine Resttrauer bleibt. Sie verschwindet nicht, auch nicht nach diesem Jahr in der Trauergruppe. Aber die Teilnehmenden können erfahren, dass die Trauer Teil der eigenen Identität wird und sie dennoch „ja“ zum Leben sagen können, auch wenn es weiter wehtut“, sagt Annette Martel. Sie ist systemische Beraterin, Seelsorgerin, Coach und Trauerbegleiterin. „Ich möchte gerade auch Männern Mut machen, ihre eigene Trauer wahrzunehmen und zu leben“, sagt Thomas Martel. Er ist Arzt, systemischer Berater, Seelsorger und Coach. Pastorin Burgwal hat immer wieder trauernde Eltern begleitet und bereits eine Trauergruppe in Soltau geleitet.

„Es hilft Trauernden, mehr über die Trauer zu wissen und sie zuzulassen“, sagt Kathrin Burgwal. So kommt Trauer in Wellen: Mal geht es gut, mal schlecht. Trauerphasen wie Wut, Traurigkeit oder Zweifel treten oft gleichzeitig auf. Trauer sticht auch noch nach Jahren tief ins Herz, ausgelöst durch Musik, eine Erinnerung oder andere Ereignisse. Mütter und Väter trauern anders, manche Menschen weinen, andere nicht, manche sprechen, andere verkriechen sich. „Das Wissen darum hilft, gnädig mit sich umzugehen“, sagt Annette Martel.

Die Gruppe trifft sich an zwölf Abenden. „Dabei wollen wir mit einem Impuls beginnen, über den wir uns austauschen. Etwa zu Trauerphasen, dem Umgehen mit Feiertagen, seelischen und körperlichen Trauersymptomen. Ebenso wird Zeit für Kreativität, Musik oder Spaziergänge sein“, sagt Pastorin Kathrin Burgwal. Das Angebot ist ausgerichtet auf eine geschlossene Gruppe. „Quereinstiege sind schwierig, weil Teilnehmende dann immer wieder ihre Geschichte erzählen müssen und dadurch Schmerzpunkte wieder aufbrechen.“ Die Trauergruppe ist kein Therapiekurs, wohl aber eine Ergänzung zu offenen Angeboten wie Trauercafés und Trauergruppen, die in Tostedt etwa schon vom Ambulanten Hospizdienst des Herbergsvereins, Altenheim und Diakoniestation e. V. zu Tostedt angeboten werden.

„Ich wünsche mir in der Gruppe eine Atmosphäre der Wertschätzung und des achtsamen Umgangs miteinander und dass die Teilnehmenden lernen, gnädig mit sich und ihrer Trauer umzugehen“, sagt Annette Martel. „Wir möchten trauernden Müttern und Vätern helfen, trotz der Trauer ‚ja‘ zum Leben zu sagen“, sagt Kathrin Burgwal.

Die Gruppe trifft sich ab dem 1. April an zwölf Abenden bis zum April 2027, jeweils von 19 bis 21 Uhr im Gemeindehaus der Johanneskirche, Himmelsweg 12 in 29225 Tostedt.

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Wer Interesse hat, wird gebeten, sich anzumelden:
Kathrin Burgwal, Telefon 04182 / 9594716, Mail: kathrin.burgwal@evlka.de.
Annette und Thomas Martel, Telefon 04182 / 7075720, Mail: beratung@martels.org

Leserreporter:

Carolin Wöhling aus Seevetal

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