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Tostedts neuer Pastor Rolf Adler: "Kirche ist politisch, sie vertritt einen Lebensentwurf"

bim. Tostedt. Er war Umweltbeauftragter der Ev.-luth. Landeskirchen Hannover und Braunschweig, war persönlicher Referent des Landesbischofs Ralf Meister für die Arbeit in der Endlagerkommission des Deutschen Bundestages und ist geprüfter Wirtschaftsfachwirt und Pastor: Der gebürtige Bochumer Rolf Adler, der von 1987 bis 2003 in Lüchow im Wendland als Gemeindepastor arbeitete, sieht Kirche in der Position, zu Dingen - durchaus auch kritisch - Stellung zu beziehen. Der 61-Jährige hat die Nachfolge von Gerald Meier angetreten und wird am kommenden Sonntag, 12. August, um 16 Uhr von Superintendent Dirk Jäger in sein Amt eingeführt. Im WOCHENBLATT-Interview spricht er über seine Überzeugungen und wo er seine künftigen Schwerpunkte sieht.
WOCHENBLATT:
Wie kommt es, dass Sie sich für Tostedt entschieden haben?
Rolf Adler: Ich wollte mich in den letzten fünf bis sechs Jahren meines Dienstes noch einmal beruflich verändern. Da stellte sich auch die Frage: Wo bleibt man nach dem Dienst? Ich bin in der Heide groß geworden und finde es schön, wieder nahe der Heide zu leben. Die Kirchengemeinde Tostedt gefällt mir auch wegen der Ähnlichkeiten zur Gemeindearbeit in Lüchow mit dem Pfarrteam, der Gemeindestruktur und der Vielfalt der Gemeindegruppen.
WOCHENBLATT: Sie sind seit 43 Jahren Jäger und waren gleichzeitig Umweltbeauftragter? Passt das zusammen?
Rolf Adler: Ja, sehr gut. Der Landesjagdverband ist ein anerkannter Naturschutzverband. Verantwortungsbewusste Jäger nehmen nicht nur aus der Natur, sondern kümmern sich um Lebensräume und Populationsentwicklung und ergreifen gegebenenfalls Maßnahmen, um gegenzusteuern, z.B. durch Biotoppflege. Wir schießen zwar, aber ein waidgerechter Jäger schießt so, dass das Leid des Tieres minimiert wird.
WOCHENBLATT: Welche Aufgaben hatten Sie als Umweltbeauftragter?
Rolf Adler: Mein Auftrag war, die kirchlichen Gremien und Gemeindegruppen in Umweltfragen schöpfungstheologisch zu beraten, wie sie sich zu den Themen Mit-Welt und Schöpfung verantwortungsvoll verhalten. Zum Beispiel in Fragen wie: Wir bewirtschafte ich den Friedhof? Wie erfolgt die Land- und Gebäudewirtschaft oder macht es Sinn, ein Gemeindehaus voll zu heizen, wenn es nur von wenigen Menschen genutzt wird?
WOCHENBLATT: Welche Aufgaben hatten Sie als Referent von Landesbischof Ralf Meister für die Arbeit in der Endlagerkommission?
Rolf Adler: Ziel war es, binnen zweieinhalb Jahren ein Verfahren zu entwickeln, wie die Endlagersuche für Atommüll unter Einbindung der Bevölkerung erfolgen soll. Ich war selbst aktiver Gorleben-Gegner, weil Gorleben als Erkundungsbergwerk über eine Politik, die in ihren Büros etwas entschieden hat, gegen den Willen der Bevölkerung durchgesetzt werden sollte. In der Kommission ging es darum, wie ein Findungsprozess aussehen muss und nach welchen Kriterien bis 2030 ein Endlager gesucht werden soll, wobei es seitens der Politik um Transparenz und Beteiligung der Bürger gehen sollte. Der 600 Seiten starke Bericht der Kommission bietet eine Chance, ein besseres Verfahren durchzuführen, aber keine Garantie.
WOCHENBLATT: Darf Kirche politisch sein?
Rolf Adler: Kirche ist immer politisch, weil sie einen Lebensentwurf vertritt - die Verantwortung für die Mit-Welt und für Mitmenschen, also parteilich ist für Menschen, die es nötig haben, wie zum Beispiel Flüchtlinge, und sich für Freiheit einsetzt. Bei meiner Aufstellungspredigt im Juli äußerte ich mich zu Flüchtlingen. Das war manchem Gottesdienstbesucher womöglich zu politisch. Ich würde mich freuen, wenn Leute, die eine Äußerung nicht angemessen fanden, zu mir kommen und mit mir darüber reden. Politik ist auch dynamisch. Ein Streit entzündet sich meist an Missverständnissen. Und Kirche ist darauf ausgelegt, Menschen mitzunehmen. Mir ist es wichtig, dass Menschen verstehen, warum ich etwas auf bestimmte Art sage, und Argumente mitliefere, dass sie meine Ansichten nachvollziehen können, oder ob ich evtl. andere Worte finden muss.
WOCHENBLATT: Nach Ihrer Einführung werden die Aufgaben im Tostedter "Pastoren-Quartett" festgelegt. Wo sehen Sie die Schwerpunkte Ihrer künftigen Arbeit?
Rolf Adler: Ich kümmere mich um den Friedhof und den Konfirmandenunterricht in der achten Klasse. Gerne bringe ich mich in den Bereichen ein, in denen ich Erfahrungen habe, z.B. in einem Gesprächskreis für Leute aus der Wirtschaft und Führungskräfte. Kirche muss auch dort Gesprächsräume bieten.
WOCHENBLATT: Herr Adler, ich bedanke mich für das Gespräch.