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Vom Glück, ein Studienteilnehmer zu sein

So sieht ein Studienteilnehmer aus: Klaus Eckert ist dankbar, dass er in das Programm aufgenommen wurde, und fühlt sich heute wieder völlig gesund (Foto: nf)
 
Glücklich, dass die Krise überwunden ist: Klaus und Birgit Eckert im heimischen Garten (Foto: nf)

Von wegen „Versuchskaninchen“: Wie Klaus Eckert im Krankenhaus Buchholz wieder gesund wurde

(nf). Ein lauer Sommerabend. Kfz-Meister Klaus Eckert (56) sitzt mit seiner Frau, der Altenpflegerin Birgit (55) im Garten seines Hauses im Rosengarten-Ort Nenndorf. Rundum zufrieden sieht er aus und kerngesund. Das war nicht immer so. Klaus Eckert hat Glück. Er nimmt an einer medizinischen Studie teil. Und fühlt sich keineswegs als „Versuchskaninchen“.
„Sie haben Krebs“. Diese Diagnose versetzte den passionierten Motorradfahrer, der eigentlich wegen eines verletzten Zehs zu seinem Hausarzt gegangen war, im Sommer 2010 in einen Zustand banger Ungewissheit. Eine perlenartige Kette von Verdickungen unter der Haut im rechten Halsbereich, die er dem Arzt „eher nebenbei“ gezeigt hatte, erschien diesem verdächtig. Einige Gewebeentnahmen, Röntgen- und MRT-Untersuchungen später zeigte sich, dass der Allgemeinmediziner recht gehabt hatte. Lymphdrüsenkrebs - Morbus Hodgkin - im Anfangsstadium. Was folgte, war ein halbes Jahr Chemotherapie in der Onkologischen Praxis von Dr. Paraskevi Tatsis und Dr. Heike Schieder am Krankenhaus Buchholz.
„In der ersten Woche tat mir alles weh wie bei einer starken Grippe, in der dritten ging es mir wieder gut“, beschreibt Klaus Eckert den typischen Verlauf der sich wiederholenden Therapiezirkel.
Was ihm in dieser Zeit half: Die Tatsache, dass er alle Untersuchungen und Behandlungen an einem Ort machen konnte. Und dass er am Onkologischen Zentrum des Krankenhauses Buchholz psychologische Beratung bekam. So fand er Kraft und Mut, aktiv zu bleiben. „Ich bin Rad gefahren, spazieren gegangen, habe Rasen gemäht, nur gearbeitet habe ich nicht“, beschreibt der Patient.
Seit seiner Erkrankung ist Klaus Eckert eingebunden in die Forschungsarbeit der Deutschen Hodgkin Gesellschaft (GHSG), benannt nach einer speziellen Form des Lymphdrüsenkrebses. Etwa zwei bis drei unter 100 Einwohnern trifft diese Entartung der Zellen des Lymphsystems, die sich vor allem durch Schwellungen im Halsbereich und starke Müdigkeit bemerkbar macht.
Dafür, dass die 90 Prozent Heilungschancen ausgenutzt werden können, ist ein früher Therapiebeginn nötig. Und, wie sich jetzt in einer internationalen Studie herausgestellt hat, eine zusätzliche Strahlenbehandlung. Auch dann, wenn nach der Chemo kein Tumor mehr nachweisbar ist.
Zunächst kam das Klaus Eckert hart an. „Die Maske und das Festschnallen unter dem Bestrahlungsgerät fand ich schon lästig“, sagt er. Doch „es hat ja nur einige Sekunden gedauert“.
Inzwischen ist er so fit, dass er „wieder Gas gibt“ - nicht nur auf dem Motorrad. Doch er weiß „Gesundheit ist das Wichtigste“. Deshalb hat er seine berufliche Belastung reduziert, geht zweimal im Jahr zur Kontrolluntersuchung und füllt umfangreiche Fragebogen zu seinem Befinden aus. Er tut das gern. Studienteilnehmer zu sein, sei für ihn ein Gewinn. „Das Wissen, nach dem neuesten Stand der Wissenschaft behandelt zu werden, gibt mir Sicherheit“, sagt er.


Studie Morbus Hodkin
Die Deutsche Hodgkin Studiengruppe (GSHG) wurde 1978 auf Initiative des Ministeriums für Forschung und Technologie mit dem Ziel gegründet, eine Verbesserung und Standardisierung von Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Hogkin Lymphoms zu erzielen. Pro Jahr werden inzwischen etwa 1.000 Patienten in ganz Deutschland in verschiedene Studien eingebunden und von einem großen Kreis von Ärzten und Wissenschaftlern betreut.
Die Praxis für Onkologie der Dres. Tatsis und Schieder am Krankenhaus Buchholz und die Strahlentherapie im Krankenhaus Buchholz unter der Leitung von Dr. Peter Andreas und Dr. Uwe Imgart gehören zu den Studienzentren. An diese Zentren werden hohe Anforderungen gestellt. Besonders die Bestrahlung des Tumors gilt als technisch anspruchsvoll. Die Dokumentation ist sehr aufwendig. Zeit, die die Ärzte zusätzlich aufbringen müssen. Dr. Uwe Imgart gehört zu den zertifizierten Prüfern der Studie. „Ich habe am Anfang meiner Laufbahn junge Leute gesehen, die an Morbus Hodgkin gestorben sind“, beantwortet er die Frage nach seiner persönlichen Motivation. „Dass das heute nur noch selten vorkommt, ist ein großartiger Erfolg der Studie.“