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"Wir können nicht auf das Ostring-Verfahren warten"

Gut besucht: Rund 150 Bürger erhielten beim Informationsabend alle Neuigkeiten zum Mühlentunnel

Bürgerinformation zum Mühlentunnel: Millionen-Neubau soll bis 2019 fertiggestellt sein

os. Buchholz. Bei der Bürgerversammlung zum Neubau des Mühlentunnels machte Buchholz' Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse unmissverständlich klar, dass die Planung des Projekts fortgesetzt wird: "Es gibt gute Gründe für den Neubau, und wir können nicht warten, bis das Ostring-Verfahren vor Gericht durch ist", betonte Röhse vor rund 150 Besuchern in der Aula der Waldschule. Ihm sei daran gelegen, dass die Mühlenwege nicht zu Durchgangsstraßen werden, zumal dort die Schüler von drei Grundschulen die Straßen queren, erklärte das Stadtoberhaupt in Richtung Tunnelausbau-Gegner.
Ralf Losert vom Verkehrsplanungsbüro "PGT" in Hannover stellte den Bürgern die Ergebnisse der Verkehrszählungen vor, die im Frühjahr in Buchholz durchgeführt wurden. Demnach fahren derzeit rund 8.400 Fahrzeuge pro Tag durch den einspurigen Mühlentunnel - 900 weniger als vor zehn Jahren. Mit dem zweispurigen Mühlentunnel werde die Zahl der Fahrzeuge auf rund 11.000 steigen, bzw. auf rund 10.000, wenn der Ostring gebaut wird, prognostizierte Losert.
Marian Stachon vom Hamburger Ingenieurbüro WTM, das die Gesamtplanung des Bauwerkes innehat, stellte die technischen Details des Projekts vor. Demnach soll der 1870 erbaute einspurige Tunnel durch einen Neubau mit zwei Fahrstreifen, Radwegen und Fußwegen ersetzt werden. Alle Fahrbahnen summieren sich auf eine Breite von 13,50 Meter. Nur am Rand werde eine offene Bauweise gewählt, im Bahndamm selbst sei wegen des lockeren Bodens sowie der fünf elektrifizierten Bahngleise eine geschlossene Bauweise notwendig.
Anfang 2015 sollen die Verhandlungen mit der Deutschen Bahn beginnen, erklärte Jürgen Steinhage, Abteilungsleiter im Tiefbauamt. Parallel solle der Bebauungsplan für das Projekt aufgestellt werden. Ziel sei es, Anfang Oktober einen rechtskräftigen B-Plan zu haben, um Zuschüsse des Landes beschaffen zu können. 2016 solle der Steinbach verlegt werden, 2017/18 der Tunnel gebaut werden, dann die Anschlüsse an die bestehenden Straßen hergestellt werden. Mit der Eröffnung des neuen Tunnels sei 2019 zu rechnen, so Steinhage.
Die Diskussion der Bürger nach der Vorstellung der Pläne verlief weitgehend sachlich. Die Anwohner der Mühlenwege machten einmal mehr deutlich, dass sie gegen den Neubau sind und es lieber sähen, wenn erst der Ostring gebaut wird. U.a. befürchten sie zunehmenden Lkw-Verkehr. Von wo diese Lkw kommen sollen und wen sie über die Mühlenwege beliefern sollen, verrieten sie nicht. Den Einwand eines Bürgers, die Tunnelgegner nähmen eine ganze Stadt seit vielen Jahren in Geiselhaft, kommentierten sie mit lautem Gemurmel.
Die SPD-Ratsfraktion will noch in die Planung eingreifen. Sie hat Bürgermeister Röhse aufgefordert, noch einmal mit der Familie Bardowicks zu verhandeln. Wie berichtet, gab es eine fertige Planung, bei der die Trasse über einen Teil des Bardowick'schen Areals führte. Diese wurde letztlich aufgegeben. Folge war eine neue Planung, die wegen des längeren Tunnelbaus und der Verlegung des Steinbaches und einer Schmutzwasserleitung zu Mehrkosten in Millionenhöhe führte. Derzeit werden die Kosten des Neubaus auf 16,5 Millionen Euro beziffert. "Angesichts der Tatsache, dass sich der Grundeigentümer bereits vor über 30 Jahren per Baulast verpflichtet hat, diese Flächen bei Bedarf an die Stadt abzutreten, mache ich keinen Hehl daraus, einem Enteignungsverfahren mit vorzeitiger Besitzeinweisung gute Chancen einzuräumen", erklärte SPD-Ratsherr Norbert Stein. Das öffentliche Interesse, bis zu fünf Millionen Euro an Steuergeldern einzusparen, sollte sehr gewichtig sein, so der Ex-Bürgermeister.
• Das Verkehrs-Gutachten und alle Informationen zum Mühlentunnel finden Sie unter www.muehlentunnel-buchholz.de.