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Hightech in der Brust

Dr. Werner Raut zeigt den elektronischen Winzling, der direkt in die Brust des Patienten eingepflanzt wurde (Foto: nf)

Implantierbares EKG hilft Ärzten, gefährliche Herzrhythmusstörungen aufzudecken

(nf). Andreas L. (62) aus Buchholz ist ein Mann, der lieber im Hintergrund bleibt. Dass er als einer der ersten Deutschen neuartige Medizin-Hightech in seiner Brust trägt, lässt er sich nicht anmerken: Ein implantiertes Dauer-EKG von der Länge eines Streichholzes ist jetzt sein ständiger Begleiter und soll helfen, mögliche Rhythmusstörungen seines Herzschlags zu enttarnen.
Atemnot und geringe körperliche Belastbarkeit führten Andreas L. zum Arzt. Der überwies ihn an die Sektion Kardiologie und Angiologie im Krankenhaus Buchholz unter der Leitung von Dr. Werner Raut. Doch trotz gründlicher Untersuchung ließ sich keine Ursache für seine Beschwerden finden. Keine Verkalkung der Gefäße, kein Blutgerinnsel. Auch mehrere Langzeit–EKGs über 72 Stunden blieben unauffällig. Dennoch forschen die Krankenhaus-Ärzte weiter, denn sie vermuten bei Andreas L. verdeckte Herzrhythmusstörungen. Unbehandelt können diese zu einem Schlaganfall führen.
Seit Mittwoch vergangener Woche, nur vier Wochen nach der europaweiten Zulassung des Geräts, ist Andreas L. nun mit einem Mini-Monitor ausgestattet: Dieser ist 3,15 cm3 klein. Die Batterie reicht für drei Jahre. Implantiert wurde er in einem kurzen Eingriff bei örtlicher Betäubung.
Ohne Kabel, ohne Sonden überwacht der Winzling rund um die Uhr den Herzrhythmus von Andreas L., zeichnet bei Auffälligkeiten ein EKG auf und überträgt die Daten an einen Patientenmonitor. Alle 24 Stunden sendet der Patientenmonitor per Mobilfunktechnik die Daten an einen speziellen Server, auf den Dr. Raut jederzeit Zugriff hat.
Zusätzlich führt Andreas L. ein sogenanntes ein Aktivierungsgerät bei sich. Wenn er sich nicht gut fühlt, hält er es direkt an die Brust und startet damit eine Aufnahme seines Herzrhythmus. Auch diese Infos kann Dr. Raut über den Server abrufen.
Ohne in die Klinik zu gehen, steht Andreas L. damit unter permanenter ärztlicher Kontrolle. Als studierter Meteorologe mit Ingenieursausbildung bringt er der Medizin-Hightech großes technisches Interesse entgegen. Doch ein gewisses psychologisches Moment bleibt: „Ich beschäftige mich damit“, sagt er über den Fremdkörper in seiner Brust. Doch er setzt sich darüber hinweg, denn: „Ich will endlich wissen, was mit mir los ist“.