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Scherben aus der Römerzeit: Archäologen legen in Buxtehude-Immenbeck alte Brennöfen frei

Grabungsleiter Uwe Kraus (li.) und Archäologe Bernd Habermann begutachten einen der freigelegten Brennöfen
jd. Buxtehude. Mit dem Bagger in die Römerzeit: Südlich von Immenbeck, an der K73 Richtung Moisburg, legen die Archäologen derzeit eine Siedlung aus den Jahren nach Christi Geburt frei. Sie sind bislang auf drei große Brennöfen gestoßen, in denen vermutlich langobardische Bauern ihre "Pötte" für den Hausgebrauch herstellten. Intakte Tonkrüge wurden zwar nicht zu Tage gefördert, dafür aber Dutzende von Scherben. Die Grabungen erfolgen auf dem Gelände des geplanten Windparks Immenbeck. Bevor dort drei rund 190 Meter hohe Drei-Megawatt-Rotoren in den Himmel wachsen, muss erst einmal in den Boden geschaut werden: Das Areal galt als "archäologische Verdachtsfläche."

Gebuddelt wird auf den Trassen der Zufahrtsstraßen zu den drei Windrädern: Nachdem die oberste Schicht mit dem Mutterboden beiseite geschoben wurde, nahmen die Ausgräber das Gelände unter die Lupe: Komplette Hausgrundrisse entdeckten sie zwar nicht, doch dunkle Verfärbungen lassen darauf schließen, dass hier und da ein Gehöft gestanden haben muss. Umso imposanter sind dafür die Überreste der Kuppelöfen: Die kreisrunden Fundamente aus dicken Feldstein-Packungen, die einen Durchmesser von bis zu zwei Metern aufweisen, sind noch bestens erhalten und geben deutliche Rückschlüsse auf die Bauweise der Öfen.

Das, was nicht mehr zu sehen ist, macht Buxtehudes Stadtarchäologie Dr. Bernd Habermann anschaulich: "Diese Brennöfen waren mit einer Kuppel aus Weidengeflecht versehen, das mit Lehm beschmiert wurde." Nach dem Brennvorgang wurde die Kuppel zerstört und die frisch gebrannte Keramik war gebrauchsfertig. Das Einweg-Prinzip ist also keine Erfindung unserer Tage. Hergestellt wurde Ware unterschiedlicher Qualität: Neben Scherben von dickwandigen, grob gearbeiteten Vorratskrügen fanden die Ausgräber auch feineres "Geschirr" - mit glatt polierten Oberflächen und Verzierungen: "Eine Scherbe weist das für diese Zeit typische doppelte Punktreihenmuster mit Strich auf", erläutert Habermann.

Nach seiner Einschätzung hat die Siedlung nicht lange bestanden: Die Menschen zogen nach zwei oder drei Generationen weiter und machten anderswo neues Land urbar. Zurückgelassen wurden die Dinge, die nicht mehr von Nutzen waren - wie eben zerbrochene Krüge.