Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Aus Klassenzimmern werden Freiräume

Eine Putzfrau gibt es nicht: Die Pfadfinderinnen greifen selbst zu Schrubber und Putzeimer, wenn der Fußboden dreckig ist
 
Die Wölflinge der Harsefelder Pfadfinder haben gemeinsam immer viel Spaß
jd. Harsefeld. Wie Jugendliche ihre Freizeit sinnvoll gestalten und lernen, Verantwortung zu übernehmen. Sei es die Sportjugend, das Jugendrotkreuz, die kirchliche Jugend oder die Philatelisten-Jugend: Fast alle Jugendverbände sind Ableger von Erwachsenen-Organisationen. Nicht so der Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP): Dieser Jugendbund ist frei von jeglicher Einflussnahme durch einen Erwachsenen-Verein. Einen Ableger des BdP gibt es seit Jahrzehnten in Harsefeld: Mit seinen rund 130 Mitgliedern ist der Pfadfinder-Stamm "Horse" seit jeher ein wichtiger Träger der freien Jugendpflege im Ort. Die einzelnen Gruppen im Stamm - Meuten und Sippen genannt - werden von Jugendlichen geleitet, während ein Kreis junger Erwachsener als Ansprechpartner nach außen fungiert und sich um Finanzen sowie Formalitäten kümmert.

Seit kurzem hat der Stamm ein neues Domizil: Da ihr altes Heim dem Neubau einer Behinderten-Einrichtung weichen muss, bezogen die Pfadis Gruppenräume im Obergeschoss der Haupt- und Realschule. Die Gemeinde hat diese Räume zuvor für rund 140.000 Euro saniert. Die BdPler verwalten ihr neues Zuhause komplett in Eigenregie: Was dort stattfindet, erinnert in positivem Sinne an die Arbeit eines autonomen Jugendzentrums. In den mit Wimpeln und Waldtapeten "Pfadi-like" hergerichteten Räumen finden nicht nur die regulären Gruppenstunden statt. Die jungen Leute aus dem Leiterteam oder den älteren Gruppen treffen sich ebenfalls dort, um gemeinsam zu kochen, einen Videoabend zu veranstalten oder eine zünftige Singerunde abzuhalten.

"Im Gegensatz zu einem normalen Jugendzentrum bekommen die Kinder und Jugendlichen aber keine vorgekaute Kost geboten", sagt Stammesführer Torben Dankers. Es sei schließlich eines der Ziele pfadfinderischer Arbeit, bei jungen Menschen Eigeninitiative sowie Selbständigkeit zu fördern und der reinen Konsummentalität entgegenzuwirken. "Unser Heim bietet wunderbare Freiräume, die die einzelnen Gruppen nun ganz nach ihren Vorstellungen mit Leben füllen können", erklärt Dankers. Dazu zähle aber auch, Pflichten zu übernehmen: Da es keine Putzfrau gibt, müssen die Pfadis selbst den Besen schwingen oder zum Feudel greifen, um ihr Heim in Schuss zu halten.

Jede Menge Platz für die Gruppen

Die Harsefelder Pfadfinder vom Stamm "Horse" sind mächtig stolz auf ihr neues Heim. Im Vergleich zu ihrem bisherigen Quartier an der Schulstraße sind die frisch renovierten Räumlichkeiten im Schulzentrum Jahnstraße größer, heller und viel praktischer. Richtig begeistert sind die jüngsten Pfadis, die sogenannten Wölflinge: Sie haben jetzt reichlich Platz zum Toben. Ihr Raum ist so groß, dass darin kürzlich sogar eine Jurte, ein riesiges, rundes Gruppenzelt, aufgebaut werden konnte.

Auch die etwas älteren Stammesmitglieder finden das neue Heim "ziemlich cool": Viele schauen auch mal außerhalb der Gruppenstunden vorbei. Auch übernachtet haben die meisten dort schon. Schließlich ist alles da: Es gibt eine Küche, Toiletten und sogar eine Dusche. Die Pfadfinder können sich freuen, dass ehrenamtliche (Jugend-)Arbeit beim Gemeindedirektor Rainer Schlichtmann und den Ratsmitgliedern so hoch im Kurs steht. Andernorts ist das keine Selbstverständlichkeit, dass eine Gruppe von der Gemeinde so stark unterstützt wird.

Fast wie eine Familie

Jeden Freitagnachmittag trifft sich die Sippe "Tinuviel". Die kleine Gruppe besteht ausschließlich aus Mädchen - nicht weil Koedukation bei Pfadfindern kein Thema ist, sondern weil es sich so ergab. Jetzt wollen die zwölf- bis 13-jährigen Mädels auch unter sich bleiben. Jungs in diesem Alter seien nur nervig, meinen sie. Ihre Gruppenleiterin Majken ist mit 15 Jahren etwas älter. Der Altersunterschied sorgt ein wenig für den nötigen Respekt, doch nur selten falle mal ein ernstes Wort, meint die "Sippenführerin": "Die Mädels sind alle richtig lieb." Das Besondere an den Pfadfindern sei der große Zusammenhalt. "Unsere Gruppe ist wie eine Familie", sagt Majken. Pädagogik liegt der jungen Gruppenleiterin offenbar: Sie will Lehrerin werden.

Tag der offenen Tür

Wer das neue Pfadfinderheim in der Jahnstraße 10 (Eingang Carl-Diem-Straße) selbst in Augenschein nehmen möchte, hat dazu am Samstag, 15. März, Gelegenheit: Von 11 bis 16 Uhr veranstaltet der Stamm "Horse" einen Tag der offenen Tür. Draußen wird eine große Jurte aufgebaut, in der am Lagerfeuer gesungen und Stockbrot gebacken wird. Außerdem findet ein großer Pfadfinderflohmarkt statt. Alles, was irgendwie mit Pfadfinderei zu tun hat - vom Halstuchknoten bis zum Wanderrucksack -, kann dort den Besitzer wechseln. Die einzelnen Gruppen bereiten kleine Aktionen vor und Kaffee und Kuchen gibt es auch.
Abends ab 19 Uhr lädt der Stamm alle Ehemaligen zu einem Treffen im Heim ein.
Info und Anmeldung: stafue@stamm-horse.de

Neue Mitglieder gesucht

Der Stamm "Horse" sucht noch Mädchen im Alter von 12 bis 13 Jahren, die Lust haben, bei den Pfadfindern mitzumachen. Bei Interesse bitte bei Torben Dankers (Tel. 0172 - 4 33 77 83) melden.