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Ein offener Umgang ist wichtig

Bernd Schröder, Michael Scherer, Friedhelm Sager und Anja Rinck vom Team der Rotenburger Werke mit dem Architekten Uwe Cappel (v.li.)
 
So soll der geplante Neubau aussehen
jd. Harsefeld. Auf eine gute Nachbarschaft: Rotenburger Werke informierten Anwohner über geplante Behinderten-Einrichtung. Die Planungen für den Bau einer Behinderten-Wohneinrichtung in der Harsefeld gehen in die Endphase. Voraussichtlich Ende April sollen die ehemaligen Unterrichtsgebäude an der Schulstraße abgerissen werden, um dort eine Wohn-, Therapie- und Begegnungsstätte zu errichten (das WOCHENBLATT berichtete mehrfach). Kürzlich stellte der Träger, die Rotenburger Werke, das Bauvorhaben den Nachbarn vor: Auf einem Info-Abend im Hotel Meyer ging es um die architektonischen Details des Neubaus, dessen künftige Bewohner und die Arbeitsweise der Behinderten-Einrichtung, die 24 Wohn- und 19 Förderplätze anbietet wird. Zur Sprache kamen auch mögliche Lärmbelästigungen durch die Bauarbeiten und die Parkplatzsituation.
Seit ein paar Jahren verfolgen die Rotenburger Werke ein neues Konzept: Konzentrierte sich die Betreuung behinderter Menschen bislang auf den Stammsitz in Rotenburg, werden nun verstärkt dezentrale Wohnprojekte geschaffen. Im Landkreis Stade wird Harsefeld der erste Standort sein. Nach dem Motto "Wohnen, fördern und begegnen mitten in Harsefeld" sollen die Behinderten in das gesellschaftliche Umfeld des Ortes integriert werden.
Laut Friedhelm Sager, Abteilungsleiter Wohnen bei den Rotenburger Werken und Moderator des Abends, gibt es bereits reichlich Interessenten. Die Anfragen würden schon jetzt die Zahl der Plätze übersteigen. "Wir scheinen hier in Harsefeld tatsächlich eine Bedarfslücke zu schließen", meinte Sager. Er forderte die rund 60 Besucher auf, mögliche Bedenken gegenüber behinderte Menschen in der unmittelbaren Nachbarschaft offen auszusprechen: "Wir sind nicht böse, wenn gefragt wird, ob nun dauernd jemand am Gartenzaun stehe oder in die Fenster starre." Wichtig für ein gutes Verhältnis sei, dass man ehrlich und offen miteinander umgehe.
Auch der Frage aus dem Publikum, mit "was für Menschen" es die Anwohner eigentlich zu tun haben werden, wichen die anwesenden Mitarbeiter der Rotenburger Werke nicht aus: Laut ihrer Auskunft werden geistig Behinderte mit unterschiedlichem Unterstützungsbedarf in die neue Wohneinrichtung einziehen. "Einigen muss das Essen gereicht und bei der Körperpflege geholfen werden", erklärte Bereichsleiter Bernd Schröder. Andere seien so selbstständig, dass sie in der Wohngruppe auf ein Leben in den eigenen vier Wänden vorbereitet würden. Die jüngsten Bewohner werden um die 20 Jahre alt sein, nach oben hin gebe es keine Grenzen.
Kontrovers wurde das Thema Parkplätze diskutiert: Mehrere Anwohner monierten, dass die geplanten elf Stellflächen nicht ausreichen würden. Schon jetzt sei die Schulstraße ständig zugeparkt. Sager bemühte sich, die Befürchtungen zu entkräften: Für die bis zu sechs Mitarbeiter und die wenigen Besucher wären auf jeden Fall genug Parkplätze vorhanden. Die Anwohnern erhielten außerdem die Zusage, dass die Bautätigkeit nur zu regulären Arbeitszeiten erfolgt und sie umgehend informiert werden, wenn man beim Abbruch Schadstoffe entdeckt.