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Landkreis verlangt Reihenhaus

Bisher hat das Haus zwei Eingänge (rote Pfeile). Der Landkreis will, dass sechs Eingänge geschaffen werden
 
Der Frust ist groß bei diesem Wohnungskäufer: Er konnte nicht einziehen, weil innen nichts fertig war
jd. Harsefeld. Noch keine Lösung für Harsefelder "Schwarzbau" gefunden / Baufirma ist inzwischen insolvent. Es still geworden um den Harsefelder "Schwarzbau". Doch für die Familien, die in dem Mehrfamilienhaus Wohnungen erworben haben, ist die Sache längst nicht ausgestanden. Hinter den Kulissen wird weiter um eine Lösung gerungen, um den vom Landkreis verfügten (Teil-)Abriss zu verhindern. Ein Lichtblick: Die Wohnungskäufer müssen sich nicht mehr mit der Baufirma herumschlagen, die das Debakel zu verantworten hat. Die "N&M Hochbau GmbH" ist offenbar zahlungsunfähig. Vom Amtsgericht Kiel wurde jetzt ein Insolvenzverwalter bestellt.

"Jetzt haben wir hoffentlich einen zuverlässigen Ansprechpartner", sagt Anwalt Ingo Ebling, der für die betroffenen Familien einen Ausweg aus der verfahrenen Situation sucht. Seine Mandanten betrachtet er als Hauptleidtragende des Bauskandals: Sie haben für den Traum von den eigenen vier Wänden Kredite aufgenommen und sind nach wie vor vom finanziellen Ruin bedroht. Ebling will erreichen, dass der "Schwarzbau" nachträglich legitimiert wird und die Familien ihre Wohnungen endlich als Eigentum überschrieben bekommen.

Inzwischen haben Eblings Mandanten auf eigene Kosten einen Architekten beauftragt. Der befasst sich jetzt mit der Umgestaltung der Haus-Fassade. Diese Änderung im äußeren Erscheinungsbild des Hauses ist Voraussetzung dafür, dass der Landkreis Stade doch noch sein Okay gibt: Das Gebäude müsse den "Charakter eines Reihenhauses mit mehreren Eingängen" erhalten, so Sprecher Christian Schmidt. Doch ein erster Vorschlag des Architekten sei vom Landkreis "als nicht ausreichend" angesehen worden.

Nach WOCHENBLATT-Informationen liegt der größte "Knackpunkt" bei der Anzahl der Eingänge: Derzeit sind zwei vorhanden. Nach dem Willen des Landkreises sollen aber offenbar sechs Eingänge geschaffen werden. Ob es einen Kompromiss geben wird und sich beide Seiten womöglich auf vier Eingänge einigen, bleibt abzuwarten. In etwa drei Wochen soll der Architekt einen neuen Vorschlag vorlegen.

Zeitweise sah es sogar danach aus, dass Baufirma und Betroffene an einem Strang ziehen: Eine der acht Wohnung steht noch zum Verkauf. Dieses Apartment lässt sich aber nur zu Geld machen, wenn die Abrissverfügung vom Tisch ist. Doch laut Ebling blieb es nur bei Ankündigungen: Er habe den Eindruck gehabt, dass seitens des Bauunternehmens gar nicht der ernsthafte Willen vorhanden gewesen sei, eine Lösung zu finden.

Diese Vermutung scheint nicht ganz abwegig zu sein: Wie berichtet, wurde die Baufirma von "A&B Hochbau" in "N&M Hochbau" umbenannt und deren Sitz von Kiel nach Trebbin in Brandenburg verlegt. Dort betreibt der neue Geschäftsführer Michael Naßhan eine Firma, die sich auf "Firmenbestattungen" spezialisiert hat: Er macht offenbar gute Geschäfte damit, von der Pleite bedrohte GmbHs gegen Bezahlung zu übernehmen und diese dann in die Insolvenz zu führen. "Die vorherige Geschäftsführung wird mit diesem Verfahren und dem einhergehenden Bonitäts- und Vertrauensverlust nicht in Verbindung gebracht", wirbt Naßhan auf seiner Homepage.



KOMMENTAR: Muss das Klo jetzt im Garten stehen?

Die betroffenen Familien dürften langsam verzweifeln. Zunächst führte die Baufirma sie hinters Licht: Sie erfuhren erst aus dem WOCHENBLATT von der Abrissverfügung und hatten da schon fast den kompletten Kaufpreis hingeblättert - für Wohnungen, die nur halb fertig waren. Jetzt müssen sie wieder tief in die Tasche greifen: Der vom Landkreis geforderte Umbau der Fassade wird einiges kosten. Vor allem: Wo sollen die zusätzlichen Eingänge hin? Vielleicht die Badezimmer verkleinern und für das Klo einen Bretterverschlag im Garten bauen?

Jörg Dammann