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Hochwasser in Harsefeld: Rohre werden es nicht richten

Der kleine Rellerbach wird nach heftigem Regen zu einem reißenden Wildbach
jd. Harsefeld. Gleich zweimal hieß es Ende Juli "Land unter" - aber nicht an der Küste, sondern mitten auf der Stader Geest: Starkregen hatte Teile von Harsefeld unter Wasser gesetzt - und zwar so heftig, dass Teil der Ortsmitte und des Baugebietes am Redder überflutet wurden. Weit über 30 Millimeter Niederschlag pro Quadratmeter prasselten am 24. Juli binnen einer halben Stunde auf Harsefeld herab. Statistisch gesehen kommt solch ein Regenguss nur alle paar Jahre vor, doch der Himmel über Harsefeld öffnete ein paar Tage später erneut seine Schleusen. Wie kann sich der Geestflecken in Zukunft gegen solche Unwetter wappnen? Diese Frage bewegte kürzlich die Mitglieder des Bauausschuss.

Auf der Sitzung war auch der "Haus- und Hofplaner" der örtlichen Verwaltung zugegen: Rolf Rudorffer vom Horneburger Ingenieurbüro Galla und Partner. Er versuchte, den Politikern klar zu machen, dass beim Hochwasserschutz in Harsefeld recht bald das Ende der Fahnenstange erreicht ist. "Wir können uns baulich nicht auf den Klimawandel und dessen Folgen einstellen", erklärte Rudorffer. Schon jetzt stoße man bei der Kanalisation an Grenzen. So dürften neue Rohre höchstens einen Querschnitt von einem Meter aufweisen. "Ansonsten bekommen wir Probleme mit den vielen anderen Versorgungsleitungen, die im Boden liegen."

Das Wasser müsse wohl oder übel oberirdisch ablaufen, lautete Rudorffers Fazit.
Um die brenzlige Hochwasser-Situation im Ortskern zu entschärfen, sei die Anlage weiterer Regen-Rückhaltebecken erforderlich, ergänzte Baumamtsleiter Peter Walthart. Die Gemeinde habe dafür zwei bis drei besonders geeignete Flächen ausgeguckt, doch diese müssten erst angekauft werden.

Laut Walthart liegt es vor allem an der besonderen Topographie Harsefelds, dass der Ort immer wieder mit den Wassermassen zu kämpfen hat: Vor allem der Rellerbach, der das Neubaugebiet am Redder entwässert und quer durch die Ortsmitte fließt, wird nach heftigen Regenfällen zu einem reißenden Sturzbach. Immerhin besteht zwischen dem Baugebiet und der Rellerbachbrücke in der Herrenstraße ein Höhenunterschied von fast 20 Metern.

Den Vorwurf aus den Reihen der Politiker, er würde sich bei seinen Planungen nur an statistischen Größen orientieren und die realen Gegebenheiten außer Acht lassen, wies Rudorffer zurück. "Wir haben bei der Kapazität der verlegten Rohre Werte angesetzt, die deutlich über den geltenden technischen Vorgaben liegen", erklärte der Ingenieur. Eine Entlastung wäre zudem die in diesem Jahr anstehende Enderschließung des Baugebietes "Am Redder II" in Sicht.

Planer und Politiker wollen bei den besonders brenzligen Stellen im Ort noch einmal genau hinschauen und nach möglichen Lösungen suchen. Dabei sollen auch die Betroffenen, von denen etliche die Ausschusssitzung verfolgten, mit ins Boot geholt werden.