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„Sie nehmen uns unsere Ängste!“

Das Foto zeigt eine Visualisierung der Gasverdichtungsanlage in Brackel. Rechts im Bild ist die Autobahn 7 zu erkennen (Foto: Gasunie Deutschland)
 
Zahlreiche Interessierte waren in die Festhalle nach Brackel gekommen, um sich zu informieren

Viel Lob für ihre Transparenz gab es jetzt für die Gas­unie Deutschland. Wie berichtet, plant das Unternehmen eine Gasverdichtungsanlage bei Brackel - will 180 Mio. Euro investieren. Gasunie kündigte bei einer Informationsveranstaltung an, einen externen Sachverständigen einzusetzen.

mum. Brackel. „Ihre erste Informationsveranstaltung im Juni war schlecht“, begann Necdet Savural, der für die CDU im Samtgemeinderat und im Kreistag aktiv ist, sein Fazit über die zweite Infoveranstaltung der Gasunie Deutschland am Mittwochabend in der Brackeler Festhalle. „Doch diesmal haben sie aus meiner Sicht alles richtig gemacht. Sie gehen auf uns Bürger zu, sind transparent und nehmen uns unsere Ängste. Dafür möchte ich ihnen danken“, so Savural.
Wie bereits mehrfach berichtet, plant das Unternehmen 187,5 Millionen Euro in eine Gasverdichtungsanlage nahe der Autobahn 7 - unweit der Abfahrt Thieshope - bei Brackel zu investieren. Gasunie-Sprecher Dr. Philipp von Bergmann-Korn hatte gleich zu Beginn der Versammlung, zu der etwa 100 Anwohner gekommen waren, mehrere Entscheidungen vorweggenommen, die nahezu allen Kritikern die Luft aus den Segeln nahmen. Wichtigste Aussage: „Wir werden die Anlage nicht wie geplant mit Gas betreiben, sondern elektrisch“, so der Sprecher. Das hat erhebliche finanzielle Konsequenzen für Gasunie. „Wir rechnen mit jährlichen Mehrkosten in Höhe von 30 Millionen Euro“, so von Bergmann-Korn. „Die Entscheidung, die Verdichterstation mit einem E-Antrieb zu planen und zu betreiben, sehen wir als ernst gemeintes Angebot für eine faire Lösung. Aus vielen Gesprächen haben wir mitgenommen, dass die Frage der Antriebsenergie und die damit verbundene Kritik an einer zusätzlichen Umweltbelastung des Lebensraumes die Leute in Brackel bewegt.“ Nach Bekanntwerden der Gasunie-Pläne hatte sich die Bürgerinitiative „Gas-so-nie“ gegründet (das WOCHENBLATT berichtete). Wesentlicher Kritikpunkt der Gegner war der CO2-Ausstoß der Anlage. Sprecher Klaus Weisenberg hatte errechnet, dass die Station pro Jahr bis zu 120 Millionen Kubikmeter Gas benötigt. Mit der Entscheidung für den E-Antrieb ist diese Kritik vom Tisch.
Bergmann-Korn hatte noch zwei weitere Zugeständnisse im Gepäck. Unter anderem wird das Unternehmen eine Art „gläserne Akte“ im Internet einrichten. Dort sollen alle verfügbaren Dokumente zur geplanten Anlage - unter anderem auch Gutachten - eingestellt werden. „Wir wollen damit erreichen, dass die Bürger stets informiert sind und wissen, was wir hier machen“, so von Bergmann-Korn. Außerdem hat sich Gasunie Deutschland bereit erklärt, den Bau der Anlage von einem unabhängigen Sachverständigen begleiten zu lassen. Die Kosten für beide Vorschläge wird das Unternehmen tragen. Bergmann-Korn lobte in diesem Zusammenhang die Gespräche mit Samtgemeinde-Bürgermeister Olaf Muus. Er habe auf die Möglichkeiten der transparenten Bürgerbeteiligung hingewiesen.

Im Zuge der Versammlung beantworteten die Gasunie-Experten viele Fragen:


• Geplant ist der Erwerb von elf Hektar Land, davon werden 9,6 Hektar eingezäunt. Etwa 25 Prozent der Fläche wird versiegelt. Während der Bauphase wird Gas­unie weitere sechs Hektar Fläche anmieten (unter anderem als Materiallager).
• Die Erschließung erfolgt über die Autobahn 7 (Abfahrt Thieshope) und die Landesstraße 215.
• In den ersten zwei Monaten der Bauphase rechnet Gasunie mit bis zu 100 Schwerlastfahrzeugen am Tag. Im Anschluss folgen über einen Zeitraum von zwei Jahren bis zu 20 Lkw am Tag. Im Betrieb werden es höchstens zehn Pkw sein.
• Während der Bauzeit wird nicht nachts gearbeitet.
• Methanemissionen aus dem Regelbetrieb werden grundsätzlich vermieden.
• Die Anlage ist nicht dafür bestimmt, Gas aus Fracking-Förderung zu transportieren.
• Die Vorprüfung ergab mehrere bekannte archäologische Funde im Umfeld, deshalb sind im Hinblick auf die Baudurchführung Voruntersuchungen vor Ort durchzuführen.
• Die Auswertung bekannter Informationsquellen ergab keine bekannten Kampfmittel-Funde.
• Bauzeitliche Kollisionen zwischen dem Ausbau der Ortsumgehung Thieshope und der Autobahn-Anschlussstelle mit dem Projekt sind aktuell nicht zu erwarten.
• Die Abstimmungen mit dem Segelflugplatz Holtorfsloh wurden aufgenommen. Nach ersten Einschätzungen gibt es keine Interessenskonflikte.
• Die Zusammenstellung der Genehmigungsunterlagen soll bis Februar 2017 erfolgen.
• Die Anlage soll im Januar 2020 an Netz gehen.
• Am Freitag, 11. November, fand nach Redaktionsschluss eine weitere Info-Veranstaltung im Schützenhaus in Ohlendorf statt. Die Seevetaler Gemeinde grenzt an das zukünftige Gasunie-Areal.

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