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Ölresveren für den Krisenfall

Thomas Piter von der Nord-West Kavernengesellschaft an einem Ventil für die Pipelines
 
Öl und Wasser vermischen sich nicht: Thomas Piter demonstriert wie das Öl aus den Kavernen heraus geschwemmt wird

1.100.000.000 Liter des schwarzen Goldes lagern im Landkreis Harburg

Wer es nicht weiß, käme niemals darauf: Im nördlichen Rosengarten birgt der Boden ein wertvolles Geheimnis. In 800 bis 1.000 Meter Tiefe lagert die Nord-West Kavernengesellschaft dort einen Teil der sogenannten Erdölreserven für Krisenfälle. Ein bundesweit verteilter Notvorrat an Öl, der nach der ersten Ölkrise angelegt wurde, um Versorgungsengpässen vorzubeugen. Das WOCHENBLATT durfte die Lagerstätte in Rosengarten zusammen mit Thomas Piter von der Nord-West Kavernengesellschaft besichtigen.
Auf den ersten Blick ist nicht viel zu sehen: Ein eingezäuntes Grundstück, abgeschirmt durch Bäume, ein kleines Bürogebäude, dazwischen verschiedene Apparaturen und drei dicke Rohrleitungen, die im Boden verschwinden. Doch wo ist das Öl? „Das Interessante spielt sich unterirdisch ab“, erklärt Thomas Piter. Der Ingenieur ist bei der Nord-West Kavernengesellschaft für Umweltschutz und Arbeitssicherheit zuständig.
Der Experte erklärt: Das Erdöl befindet sich in einem unterirdischen Salzstock. Für die Lagerung werden keine Tanks benötigt. Das schwarze Gold lagert in künstlich geschaffenen Hohlräumen mitten im Salz, sogenannten Kavernen. Möglich ist das, weil Öl das Salz nicht löst. Damit sei der Rohstoff sicher eingeschlossen. „Die Salzkavernen erstrecken sich insgesamt über eine Fläche von zwei mal zwei Kilometer und liegen in bis zu 1.000 Metern Tiefe“, so Thomas Piter. Gebaut wurden sie im Jahr 1968.
Dafür brauchte man nur einen Bohrer und Wasser. Das Verfahren: Der Salzstock wird angebohrt, dann werden mit Wasser Hohlräume aus dem Salz herausgelöst. „Die Solzeit, das ist die Zeit bis die Kavernen fertig sind, dauert ca. zwei Jahre“, so der Ingenieur. Dann wird in die mit Salzwasser (Sole) gefüllten Kavernen das Öl gepumpt. Die vom Öl verdrängte Sole wird über eine Pipeline abtransportiert. Will man das Öl heraus haben, wird über eine andere Pipeline Wasser wieder in die Kavernen gefüllt. Da Wasser schwerer ist als Öl, wird letzteres nach oben geschwemmt. „Im Krisenfall muss das Öl innerhalb von 90 Tagen aus den Kavernen heraus sein“, so Piter. Abtransportiert wird das schwarze Gold über eine elf Kilometer langen Pipeline, die die Kavernen direkt mit einer Raffinerie in Hamburg verbindet.
Insgesamt lagern in neun Kavernen rund 1,1 Millionen Kubikmeter Öl. Was der unglaublichen Zahl von 1.100.000.000 Litern entspricht. Auf Kesselwagen verladen, ergäbe das einen Zug mit 27.500 Wagons - eine unvorstellbare Menge, aber dennoch nur ein Teil der bundesweiten Reserven. Die betragen ca. 24 Millionen Tonnen, aufbewahrt in zwölf Lagerstätten.
Die unterirdische Lagerung hat dabei einen großen Vorteil: „So werden kaum Flächen verbraucht, die Felder über dem Öl können weiterhin ganz normal landwirtschaftlich genutzt werden“, erklärt Thomas Piter.
„Bestimmt ist das Öl ausschließlich für wirkliche Krisen, nicht um ‚Billig-Sprit‘ vorzuhalten“, so Thomas Piter. Die Kosten für diese Vorratshaltung bezahlt übrigens auch der Endverbraucher. „Auf jeden Liter Benzin werden 0,5 Cent für die Bevorratung erhoben“, sagt Thomas Piter. Wer‘s nicht glaubt, sollte einfach mal genau auf den nächsten Tankstellenbon schauen.
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