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Spaßbad oder Trainingsstätte? Schwimmbäder müssen viele Interessen unter einen Hut bringen

Freie Bahn fürs Training: Das würden sich viele Schwimmvereine wünschen (Foto: Fotolia/eyeQ)
(kb). Defizitäre Schwimmbäder, Schwimmvereine, die um Trainingszeiten kämpfen, lange Wartelisten für Nichtschwimmer-Kurse: Diese Situation findet sich überall in der Region. Vor dem Hintergrund klammer Gemeindekassen sind Schwimmbäder für viele Kommunen ein Luxus, den sie sich zwar oft noch leisten, in deren Ausbau sie aber andererseits kaum investieren. Denn die Einnahmen decken die Betriebskosten bei Weitem nicht. Für viele Schwimmvereine bedeutet das: schwierige Bedingungen und ungünstige Trainingszeiten. Viele Nutzergruppen müssen sich die Bäder teilen - zu Stoßzeiten wird es eng. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach Schwimmkursen, besonders für Kinder, hoch. Die Zahlen sind erschreckend: Laut einer Forsa-Umfrage kann mindestens jeder zweite Grundschüler nicht sicher schwimmen.
Beispiel aus Seevetal: Die Schwimmfreunde Meckelfeld müssen, weil ihnen der Pachtvertrag für ihre derzeitig genutzte, private Schwimmhalle gekündigt wurde (das WOCHENBLATT berichtete), auf andere Bäder ausweichen. "Im Hallenbad Hittfeld konnten wir keine Zeiten bekommen, die sind voll ausgelastet", berichtet der 1. Vorsitzende Ingo Becker. Bleibt noch das Hallenbad in Over. Hier gab es zwar noch einige Kapazitäten, aber die Trainingszeiten liegen nun zum Teil ziemlich ungünstig. Die Folge: "Wir werden unser Angebot nicht wie bisher aufrecht erhalten können", sagt Becker. Für ihn ist das Ganze ein strukturelles Problem. "Sportvereine haben ihre eigenen Hallen und Sportplätze, wir Schwimmvereine müssen uns die Bäder u.a. mit Freizeitschwimmern, Schulen und DLRG teilen." Die Warteliste für Nichtschwimmerkurse ist bei den Schwimmfreunden, wie bei vielen anderen Vereinen auch, lang. "Wir haben über 100 Kinder auf der Liste", so Becker.
Auch Josephine Noack, Trainerin beim Buxtehuder Schwimm-Club (BSC), weiß aus eigener Erfahrung, dass teilweise ungünstige Bedingungen in Kauf genommen werden müssen, um den Trainingsbetrieb durchzuführen. "Natürlich wollen alle Vereine mehr Zeiten. Deshalb trainieren wir z.B. auch freitags ab 21 Uhr, doch das ist weder für den Schwimmer noch für den Bademeister optimal." Die einzige Lösung wäre, auch auf andere Bäder auszuweichen, doch die liegen oft weiter entfernt. Und das vorhandene Lehrbecken in Buxtehude-Neukloster eignet sich für Leistungsschwimmer nicht.
Für Stefanie Bertram, Leiterin der Schwimmabteilung bei Blau-Weiss Buchholz, hat sich die Problematik in den vergangenen Jahren zugespitzt. "Die allgemeine Situation ist alles andere als zufriedenstellend", sagt sie. Weil es im Buchholz Bad kein Lehrschwimmbecken gibt, muss für die Anfänger ein Teil der Bahn abgeteilt werden. "Die anderen Gruppen, die gleichzeitig schwimmen, haben dann natürlich nur den Rest der Bahn zur Verfügung", erklärt Bertram. Die Wartezeit auf einen Platz beim Anfängerschwimmen betrage zwei Jahre, die Bronzeschwimmkurse seien ebenfalls voll. "Außerdem gibt es immer mehr Probleme mit bestimmten Trainingszeiten, z.B. können viele berufstätige Eltern ihre Kinder am frühen Nachmittag nicht zum Schwimmen bringen, weil sie arbeiten müssen", sagt Bertram. Sie fürchtet, dass sich die Situation noch weiter verschlechtert. "Es ziehen immer mehr Familien mit Kindern nach Buchholz, die wollen auch schwimmen lernen", sagt sie.

Defizite zwingen zu Kompromissen

Es ist kein Geheimnis: Der Betrieb von Schwimmbädern ist ein Zuschussgeschäft, einen Ausbau oder eine Erweiterung kann sich kaum eine Kommune oder die Stadtwerke leisten. Seevetal schießt beispielsweise jährlich etwas über 900.000 Euro in den Betrieb der Bäder in Hittfeld und Over sowie des Lehrschwimmbeckens der Grundschule Maschen zu. In Buchholz sieht es ähnlich aus. Hier fehlen pro Jahr etwa 1,2 Millionen Euro. Für das Buxtehuder Aquarella wollte Bäderbetriebsleiterin Sonja Koch keine konkreten Zahlen nennen. Defizite gebe es aber auch hier.
Schuld daran ist nicht nur der kostspielige Betrieb, sondern auch zunehmende Sanierungsmaßnahmen gehen ins Geld. Allein, um den Kostenanstieg zu decken, müsste der Eintrittspreis jährlich um sechs Prozent angehoben werden, sagt Christian Kuhse, Geschäftsführer der Stadtwerke Buchholz. Genaue Zahlen verdeutlichen das Problem: "Zahlt ein einfacher Badegast 3,50 Euro Eintritt, bezuschussen wir den Besuch mit etwa 6 Euro", so Kuhse. Vereinsmitglieder würden geringere Beiträge leisten, für das Schulschwimmen gebe es höhere Beiträge. "Aber auch die decken die Kosten bei Weitem nicht. Vor diesem Hintergrund müssen wir die Nutzungszeiten der unterschiedlichen Besuchergruppen im Rahmen der Möglichkeiten optimieren, um die Kosten im Griff zu behalten", sagt Kuhse. Für das kommenden Jahr werde man den Belegungsplan daher erneut optimieren.