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Zocker-Prozess in Stade: Blutdruck auf 180

Der angeklagte Ex-Banker Jens L. und sein Verteidiger Frank Jansen (re.)

Angeklagter Ex-Banker musste zum Arzt / "Fingerspitzengefühl erforderlich"

tp. Stade. Wird der Zocker-Prozess gegen den Ex-Banker Jens L. aus Stade zum Eiertanz? Beim jüngsten Verhandlungstag am vergangenen Dienstag gab es erneut eine Verzögerung. Wegen massiver gesundheitlicher Beschwerden kam Jens L. zum Arzt. Die Sitzung wurde unterbrochen.
Wie berichtet, soll Jens L. (39) bei seinem ehemaligen Arbeitgeber, der Filiale der Deutschen Bank in Buxtehude, 8,4 Millionen Euro Kundengeld unterschlagen und einen großen Teil der Summe im Kasino verspielt haben.
Mit Hilfe seines Rechtsanwalts Frank Jansen kämpft Jens L. seit Prozessbeginn dafür, dass die Kammer den vom Landgericht eingesetzten psychiatrische Gutachter Dr. Harald Schmidt abgesetzt. L. und Jansen erachten die von Schmidt angefertigte Expertise für fehlerhaft. Der Sachverständige hält L. zwar für krankhaft spielsüchtig, aber dennoch für straffähig.
Die Anwesenheit des Gutachters macht Jens L. offenbar psychisch zu schaffen. Bei der Verhandlung am Montag unterbrach der Angeklagte seine für diesen Tag erwartete umfassende Einlassung, bei der er unter anderem über die aus seiner Sicht krank machenden Arbeitsbedingungen bei der Deutschen Bank sprechen wollte.
Auf Anraten zweier bei Gericht anwesender Sanitäter beendete die Kammer die Sitzung. Sie hatten bei L. einen kritisch hohen Blutdruck von 180 zu 100 gemessen, und sie stellten Herzrhythmusstörungen fest. Der untersuchende Arzt erklärte ihn für den Dienstag aufgrund der physischen Beschwerden für verhandlungsunfähig .
Die Schwierigkeiten hatten sich angebahnt: Zu der vorangegangenen Sitzung war L. wegen gesundheitlicher Probleme nicht erschienen. Daraufhin wurde der Angeklagte von einem Amtsarzt untersucht. Dieser bescheinigte ihm eingeschränkte Verhandlungsfähigkeit.
Bei Gericht stellt man sich nun auf eine Prozessfortführung mit Hürden ein. "Es ist schwierig, zu planen", sagt Gerichtssprecherin Petra Baars. "Da die Umstände den Angeklagten offenbar stark mitnehmen, kommt es jetzt auf das Fingerspitzengefühl des vorsitzenden Richters an."
• Nächster Prozesstag: Dienstag, 1. Oktober, 13.30 Uhr.