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Die Störche sind wieder da

Im Abfall finden die Störche jeden Menge Nahrung (Foto: Holger Schulz / SOS Storch)
 
Durchstöbern den Müll nach Nahrungsresten: Störche auf einer Abfalldeponie im Süden von Spanien (Foto: Holger Schulz / SOS Storch)

jd. Stade. Vom Winterquartier auf der Müllkippe zurück.

Meister Adebar kehrt aus dem Winterurlaub heim: Die ersten Weißstörche in der Region zwischen Oste und Luhe haben ihre luftigen Sommerquartiere bezogen. Bislang wurden in den Landkreisen Harburg und Stade etwa 35 Tiere gezählt. Im Herbst waren 51 Paare mit ihren Jungtieren gen Süden aufgebrochen. Bei den frühen Heimkehrern handelt es sich um sogenannte "Weststörche", die in Spanien überwintern. Auf den dortigen Müllkippen ist Futter im Überfluss vorhanden. Das Bild vom Storch, der mit staksenden Schritten durch die afrikanischen Savannen schreitet, muss wohl korrigiert werden: Die gefiederten Allesfresser hausen zu Abertausenden auf den spanischen Abfall-Deponien.
Allerdings ist an Sommer noch lange nicht zu denken: Die eisige Kälte den Norden weiter fest im Griff. Den Störchen machen die Minustemperaturen allerdings wenig aus. Ihr dichtes Gefieder schützt sie perfekt vor der Kälte.
Nicht so gut sieht es beim Nahrungsangebot aus. Wegen des Frosts krabbelt nur wenig Getier in den Wiesen. Laut Gert Dahms, Storchenbetreuer im Kreis Stade, ist Adebars Speisezettel derzeit recht karg, aber gerade noch ausreichend. Sein Harburger Kollege Hans Steinert hat nichts dagegen, wenn jemand den Vögeln Fressen hinlegen möchte. Ideal seien Fischköpfe - etwa vom Stint.

Müllhalde statt Savanne: Meister Adebar überwintert immer häufiger in Spanien

"Zufüttern ist aber eigentlich nicht nötig", meint Dahms: "Die Störche, die jetzt schon da sind, stehen gut im Futter und sind in bester Kondition." Nach seiner Auskunft handelt sich um die sogenannten Weststörche: Diese zogen früher auf der westlichen Route über die Straße von Gibraltar nach Zentral- und Südafrika, um dort zu überwintern. Mittlerweile bleiben die meisten Störche aber in Spanien hängen: Dort gibt es auf den Abfall-Deponien der großen Städte Fressen in Hülle und Fülle. Zu Tausenden klappern die Störche die Müllkippen ab, um sich Essensreste herauszupicken.
Dahms war schon mehrfach im Rahmen des Projektes "SOS Storch" in Südspanien unterwegs, um das Zugverhalten der großen Vögel zu erforschen. Gemeinsam mit dem Storchenexperten Dr. Holger Schulz suchte er die riesigen Müllhalden auf, die sich oft über mehrere Hektar in der freien Landschaft erstrecken. Dort sah er Unglaubliches: "Auf einer einzigen Deponie in Andalusien haben wir mehr als 4.000 Störche gezählt", berichtet Dahms.
Gut gesättigt haben sich diese Störche nun zeitig auf den Weg nach Norden gemacht und sind jetzt dabei, ihre Nester für die Brutzeit herzurichten. Da sich ihre Reisestrecke erheblich verkürzt hat, sind sie meist in wesentlich besserer körperlicher Verfassung als ihre Artgenossen, die auf der Ostroute über die Türkei aus Afrika zurückkehren. Das nördliche Niedersachsen befindet sich genau im Grenzbereich beider Zugrouten.
Die Entfernung von Südspanien nach Norddeutschland beträgt lediglich 2.500 Kilometer. Die Oststörche, die weiterhin ihre traditionellen Winterquartiere in Afrika ansteuern, müssen hingegen die vier- bis fünffache Strecke zurücklegen. Diese "Fernreisenden" werden erst ab Mittel April bei uns zurückerwartet.
• Mehr über "SOS Storch": projekt-storchenzug.com