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Für Stader Ehepaar wurde der Auswander-Traum wahr

Christian Faasch (Mitte) auf der Klinik-Baustelle in Kapstadt (Foto: Faasch privat)
 
Genießen ihren Ruhestand in der Nähe des Stader Hafens: Afrika-Heimkehrer Christian und Rosi Faasch

Große Freiheit in Südafrika: Kliniken gebaut und Farm gegründet

tp. Stade. Beinahe täglich sitzen Christian "Chris" Faasch (83) und seine Ehefrau Roswitha "Rosi" (76) im Garten ihres gemütlichen Hauses auf dem Spiegelberg am Rand der Stader Altstadt und beobachten das Stadtgeschenen: Neue Wohnhäuser wie der futuristisch anmutende Gasometer entstanden in der Nachbarschaft, das Einkaufszentrum Neuer Pferdemarkt in fußläufiger Entfernung ist im Bau. Trotz der modernen Lebensbedingungen, die sie in der Kreisstadt vorfinden, vermissen sie ihre frühere Wahlheimat Südafika, aus der sie 2008 nach mehr als drei Jahrzehnten zurück gekehrt sind. In den Jahren am anderen Ende der Welt, die die schönsten ihres Lebens waren, lernten die fünffachen Eltern mit ihren inzwischen erwachsenen Kindern eine nie gekannte Freiheit kennen.

Als Friseurin Rosi und Architekt Chris, der an der Hochschule in Buxtehude studierte, im Jahr 1973 heirateten, hatten sie bereits glücklose Ehen hinter sich. "Durch die Scheidungen lag vor uns ein finanzieller Scherbenhaufen - in Deutschland hielt uns nichts mehr", sagt Chris Faasch. 1975 erhielt der Bau-Ingenieur ein verlockendes Job-Angebot in Johannesburg, wo eine riesige Klinik errichtet wurde. Zudem förderte der Staat Einwanderung aus Europa, half bei der Jobvermittlung, übernahm die Hotel- und Flugkosten der Neubürger. "Täglich hob in Deutschland eine Maschine mit Auswanderern Richtung Johannesburg ab - alle wollten hinaus in die Freiheit", erinnert sich Chris Faasch.

Kaum angekommen, ging es für Chris Faasch auf die Baustelle des Essener Großunternehmens Hochtief - heute bekannt für den Bau der Hamburger Elbphilharmonie. In der südafrikanischen Millionenmetropole errichtete Hochtief das "Johannesburg Academic Hospital" in Kapstadt. Obwohl er nur einen mündlichen Arbeitsvertrag hatte, stieg der junge Familienvater schnell zum Leiter des Zeichenbüros auf. Er verdiente gutes Geld, baute ein Haus mit Pool für die Kinder, die die englische Schule besuchten. 1977 wurde Tochter Sabine (40) geboren. "Sie war eine Pferdenärrin", sagt Rosi Faasch. Auf ihr Drängen eröffnete die Familie einen eigen Reiterhof "Sonnenhof Stable". Tatsächlich schien - bis auf täglich ergiebige Scheuer in den südafrikanischen Wintermonaten - fast immer die Sonne. Nur einmal, 1981, schneite es und im Land herrschte der Ausnahmezustand.

Es folgten fünf Jahre, in denen das Ehepaar eine Fernbeziehung in der Ferne" führte. Denn Chris Faasch nahm einen leitenden Posten auf der Baustelle des "Groote Schuur Hospital" an, das einen riesigen Anbau bekam. Die Klinik wurde durch den Chirurgen Dr. Christiaan Barnard (†), Pionier auf dem Gebiet der Herztransplantationen, weltberühmt. Chris Faasch hatte 250 Bauarbeiter unter sich, 90 Prozent waren schwarze Ureinwohner. Er brachte ihnen Fertigkeiten in der Trockenbautechnik bei und leistete somit nach eigenem Bekunden "eine Art Entwicklungshilfe" im Handwerk. Faasch wirkte zudem am Bau des Freizeitkomplexes "Sun City South Africa" mit.

Privat blieben die europäischen Einwanderer meistens unter sich, die Faaschs waren Mitglied im "Deutschen Club", der Brauchtum wie Muttertag und Fasching pflegte, und engagierten sich im "Lions Club" sozial. Die Söhne spielten Fußball.
Die Eröffnung zweier eigener Coffee-Shops und einer Wurstbude waren weitere Stationen der Eheleute Faasch in dem Land, in dem alles möglich scheint. Sie sind überzeugt: "Im bürokratischen Deutschland hätten wir es nie so weit gebracht."