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Hansebrücke in Stade: "Eine ziemliche Gefahrenquelle"

Erhard Suhr vom ADFC ist erstaunt über das niedrige Geländer. Die Absturzgefahr bestehe durch den höheren Schwerpunkt bei Radfahrern
bc. Stade. Taucht man in die Untiefen der deutschen Bürokratie ein, erfährt man Interessantes: Die Geländerhöhe auf der frisch sanierten Hansebrücke entspricht nicht den allgemeinen Empfehlungen der sogenannten „Zusätzlichen Technischen Vertragsbedingungen und Richtlinien bei Ingenieurbauten der Bundesanstalt für Straßenwesen“ (ZTV-Ing). Sie ist mit ca. 93 Zentimetern viel zu niedrig und deswegen gefährlich. Es bestehe Absturzgefahr.

Das finden zumindest mehrere WOCHENBLATT-Leser und der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC). „Besonders bei Gegenverkehr herrscht auf dem Fuß- und Radweg eine ziemliche Gefahrenlage“, sagt Erhard Suhr, ADFC-Vorstandsmitglied in Stade.

Wie berichtet, wurde die Überführung der Bahngleise, eine der wichtigsten und meist befahrensten Verkehrsachsen Stades, vor Kurzem saniert. Dazu ließ die Stadtverwaltung die Kappen instandsetzen, infolgedessen der Radweg um fünf Zentimeter angehoben wurde. Die Balustrade wurde jedoch nicht erhöht, war aber gemäß Vorschrift mit rund einem Meter schon vor der Sanierung zu niedrig.

Laut ZTV-Ing sollten die Geländer mindestens 1,20 Meter auf all jenen Brücken hoch sein, auf denen ein Radweg direkt an der Brüstung entlang führt. Bei Neubauten sind es sogar 1,30 Meter. So ließ beispielsweise die Stadt Köln in jüngerer Vergangenheit auf vielen Brücken Eisenstangen auf die bestehenden Geländer aufschweißen. Hätte sie das nicht getan, musste sie damit rechnen, in Haftung genommen zu werden, sollte z.B. irgendwann mal ein Fahrradfahrer ins Wanken geraten und abstürzen, falls er einem Fußgänger ausweichen muss. Die Gefahr besteht aufgrund des höheren Schwerpunktes bei Radfahrern.

Hinzu kommt auf der Hansebrücke die mit 33 Zentimeter sehr hohe Bordsteinkante zur Fahrbahn. Suhr: „Muss ein Fahrradfahrer hier ausweichen, kann es zu schlimmen Unfällen kommen.“ Der passionierte Pedalritter bemängelt zudem die langen Rotphasen an den Ampeln am Anfang und Ende der Brücke. Weil viele Radfahrer zu lange warten müssten, werden sie genötigt, den Radweg auf der falschen, auf der linken Seite zu benutzen. „Das führt zu dem gefährlichen Gegenverkehr“, sagt Suhr.

Die Stadt hat bereits reagiert. Auf Nachfrage schildert Gerd Allers, Leiter der Tiefbauabteilung, die folgenden Schritte: „Mittlerweile wurde ein Auftrag zur Erhöhung des Geländers erteilt. Das Geländer soll künftig eine Höhe von 1,30 Meter erhalten.“ Die Arbeiten seien noch für den Sommer 2015 vorgesehen. Auch die hohe Bordsteinkante soll entschärft werden - mittels einer weißen Linie. Allers: „Hierdurch soll der Fahrradfahrer angehalten werden, Abstand zur Fahrbahn zu halten.“

Die Vorschriften der ZTV-Ing sind übrigens nie in ein Gesetz eingeflossen. Viele Kommunen folgen aber den Empfehlungen der Experten. So jetzt auch die Hansestadt Stade.