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Stade: Das passiert am früheren Güterbahnhof

Die Unternehmensgruppe Lindemann, die Hansestadt Stade und eine Harburger Firma haben sich Grundstücke direkt an den Gleisen gesichert (Foto: bc)
bc. Stade. Die Niedrigzinsphase verursacht an allen Ecken im Stader Stadtgebiet rege Bautätigkeit. Auf dem Gelände der abgerissenen Güterabfertigungshalle am Bahnhof ist zwar noch wenig zu sehen. Hinter den Kulissen wird aber fleißig geplant, um das vom Immobilienvermarkter „Aurelis“ verkaufte, rund 13.500 Quadratmeter große Filetstück direkt an den Gleisen zu bebauen.

Ausgewiesen ist die Fläche als Gewerbegebiet mit dem Schwerpunkt Büros und Dienstleistungen. Die Stader Unternehmensgruppe „Lindemann“ verfügt dort über ein 4.200 Quadratmeter großes Grundstück im vorderen Bereich an der Straße „Am Bahnhof“. Geplant ist ein Verwaltungsgebäude. Maximal mögliche Größe: 8.500 Quadratmeter. Wer in die Immobilie einziehen wird, ist noch unklar. Weil sich „Lindemann“ mitten im Vergabeverfahren befindet, darf sich Projektentwickler Marcus Witt nicht zum aktuellen Planungsstand äußern. Im Juli soll eine Entscheidung fallen.

Die Stadt hat sich ein 6.500 Quadratmeter großes Grundstück im Mittelteil gesichert, um die Entwicklung darauf im Zuge ihrer Flächenvermarktung steuern zu können. „Dann haben wir die Möglichkeit, die Fläche für größere Ansiedlungen anzubieten“, sagt Stadtbaurat Lars Kolk. Übergangsweise hat die Stadt provisorische Stellplätze für die Mitarbeiter des Landkreises eingerichtet. „Frühere Überlegungen für ein städtisches Sammel-Parkhaus werden aktuell nicht weiter betrieben“, so Kolk. Ein solches Quartiers-Parkhaus könne aber auch in privater Regie sinnvoll sein.
Ein drittes Grundstück am Ende einer Sackgasse mit einer Größe von etwa 2.100 Quadratmetern gehört einem Harburger Unternehmer, der dort den Bau eines hochwertigen Fitnessstudios plant.

Offiziell gilt der Güterbahnhof noch als solcher - auch ohne Abfertigungshalle. Im Fachjargon heißt das öffentliche Ladestraße. Derzeit plant DB Cargo jedoch 25 Güterverladestellen in Niedersachsen aufzugeben, darunter auch Stade. Offenbar rentiert sich der Betrieb im Einzelwagenverkehr nicht mehr. Jüngst tagte der Aufsichtsrat der Bahn zu dem Thema. Eine Entscheidung werde im August fallen, so Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis.

Der Niedersächsische Industrie- und Handelskammertag (NIHK) kritisiert die mögliche Schließung. „Eine Reduzierung des Angebotes wird sich negativ auf die Bemühungen auswirken, mehr Güter von der Straße auf die Schiene zu verlagern“, sagt NIHK-Hauptgeschäftsführerin Dr. Susanne Schmitt.

Stellt DB Cargo den Betrieb an der Ladestraße in Stade ein, wird sich die DB Netz AG vermutlich ganz genau überlegen, ob das Gleis nicht komplett stillgelegt werden soll - selbst wenn theoretisch andere Anbieter das Gleis nutzen könnten. Möglich ist auch, dass nur noch Rangierverkehr stattfindet - ohne Güterumschlag.

• In Sachen Industriegleisverlegung (das WOCHENBLATT berichtete) wird die Stadt Anfang Juli einen Kostenübernahmevertrag mit der Bahn unterzeichnen.