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Rade: "Bei mir schrillten alle Alarmglocken"

Laut Polizei gibt es immer wieder Fremde vor der eigenen Haustür, die ungefragt Dienstleistungen aufdrängen

Achtung Haustürgeschäfte! Seniorin warnt vor neuer Betrugsmasche 

ab. Rade.
Ein vermeintlicher Enkel, eine Schwangere, der schwindelig ist und die sich nur kurz im Haus ausruhen oder ein Glas Wasser haben möchte, dubiose Hilfswerke, die an der Haustür zu einem Vertragsabschluss drängen: Mit immer neuen Tricks versuchen Betrüger, ahnungslose Menschen zu hintergehen. Jetzt scheint es eine Masche zu geben, bei der an der Haustür von Fremden ein Termin für eine Dachreinigung oder -reparatur bestätigt wird. Petra B.* hat es erlebt und sich an das WOCHENBLATT gewandt. Für sie ging das Ganze glimpflich aus. "Ich möchte aber meine Mitmenschen warnen, vor allem ältere Bürger", sagt sie.

"Am Dienstagnachmittag bin ich von einem Ausflug zurückgekehrt, es muss zwischen halb drei und drei Uhr gewesen sein", erzählt Petra B. Schon da bemerkte sie einen weißbeigen Transporter, "ein älteres Modell", erinnert sich B. Ein Mann stieg aus und kam auf sie zu. "Do you speak English", fragte er. Petra B. bejahte es. "Wir wollen Ihr Dach machen", fuhr der Mann auf Englisch fort. Nein, danke, habe B. geantwortet. "Mein Mann macht das alles selbst."

Doch der Fremde ließ sich nicht beirren. "Wir kommen morgen früh um acht Uhr", antwortete er. "Ich bin dann sehr energisch geworden", sagt die 72-Jährige. Mit lauter Stimme habe sie "No!" gesagt, aber die Reaktion des Mannes blieb die Gleiche. Er werde morgen früh um acht Uhr da sein.

"Meine Alarmglocken schrillten. Ich habe zum Telefon gegriffen und ihm gesagt, dass ich jetzt die Polizei rufen werde. Daraufhin meinter er, das würde ihm nichts ausmachen." Während B. die Nummer wählte, stieg ein zweiter Mann aus dem Wagen. Er sei groß und sehr kräftig gewesen und habe erstaunlicherweise Deutsch gesprochen. "Ich will ja nur ...", habe er gesagt, doch Petra B. unterbrach ihn sofort mit einem lauten "Nein!"
Inzwischen sei auch der dritte aus dem Wagen gestiegen, aber hinter der Autotür stehen geblieben. "Leider konnte ich das Kennzeichen nicht erkennen, ich hatte meine Brille nicht auf", so B. Sie sei ein paar Schritte auf die Männer zugegangen. "Ich dachte mir, ich weiche nicht zurück, hatte aber auch gleichzeitig Bedenken, dass sie handgreiflich werden könnten."

Noch immer telefonierte B. mit der Polizei. Als die Männer merkten, dass die Frau standhaft blieb, stiegen sie ins Auto und fuhren davon.

Die Männer beschreibt Petra B. folgendermaßen: zwischen 25 und 30 Jahren alt und zwischen 1,75 und 1,80 Meter groß. Alle drei trugen Handwerkerkleidung und Mützen. "Gerade ältere Menschen sollten vor solchen Tricks gewarnt werden", sagt B. Sie habe erfahren, dass ähnliche Banden wohl in Hamburger Randgebieten unterwegs seien. "Sie wollen angeblich das Dach von Moos befreien. Ältere Menschen denken dann: Schön, dass es jemand macht", ist B. überzeugt. Bei den Arbeiten würden sie dann aber Schäden am Dach anrichten, deren nachträgliche Reparatur sie sich teuer bezahlen ließen.
Dieses Vorgehen gehöre zu einer "gängigen Masche", sagt Jan Krüger, Sprecher der Polizei im Landkreis Harburg. Es käme immer wieder vor, dass Handwerksarbeiten aufgedrängt werden. "Entweder werden die Opfer so sehr genötigt, dass sie sich gar nicht mehr trauen, dagegen anzugehen. Oder es wird ein verlockend günstiger Preis gemacht, der nach Abschluss der Arbeiten um ein Vielfaches höher ausfällt."

Krüger empfiehlt, sich niemals auf Haustürgeschäfte einzulassen. Dazu gehöre beispielsweise, Verträge nicht sofort zu unterschreiben, sondern auf Bedenkzeit zu bestehen. "Seriöse Firmen schicken ihre Angebote sowieso schriftlich zu", ergänzt Krüger. Wer sich bedrängt fühle, solle sich auf keinen Fall auf einen Handel einlassen, sondern die Polizei rufen.

*Name ist der Redaktion bekannt