Erfahrungen gesammelt und Freundschaften gefunden

Arbeiten gut zusammen: Eike Seidel (re.) und Naim Farazi
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WOCHENBLATT-Serie über engagierte Ehrenamtler in Buchholz: Eike Seidel hilft im Bündnis für Flüchtlinge

os/nw. Buchholz. Millionen Bundesbürgerinnen und -bürger arbeiten ehrenamtlich, ohne ihre unentgeltliche Arbeit ginge vieles nicht mehr in Deutschland. Im dritten Teil der Serie über Ehrenamtler, die das WOCHENBLATT gemeinsam mit der Freiwilligenagentur "f.e.e" (freiwillig, ehrenamtlich, engagiert) veröffentlicht, berichten Eike Seidel (69) vom Bündnis für Flüchtlinge und Naim Farazi, Flüchtling aus Afghanistan.
Naim Farazi kam nach vielen Jahren der Flucht im Juni 2013 nach Deutschland. Etwa zwei Jahre später lernte er, neu in Buchholz, im Rahmen eines Alphabetisierungskurses des Bündnisses für Flüchtlinge Eike Seidel kennen. Bis dahin hatte der junge Afghane ein typisches Flüchtlingsleben erlebt. „Schon seine Eltern waren vor den Taliban in Afghanistan nach Teheran geflohen, wo er geboren wurde – als Kind von Flüchtlingen. Später dann zurück in Afghanistan erlebte er Schlimmstes. Der Vater wurde ermordet, er selbst - noch ein Kind - gefoltert", berichtet Eike Seidel. Die Mutter floh mit Tochter und Sohn nach Pakistan, von dort machte er sich auf den langen Weg nach Europa. Über fünf Jahre war er allein unterwegs. "Losgefahren mit vielleicht dreizehn Jahren in Pakistan, angekommen mit 18 Jahren in Deutschland“, schreibt Eike Seidel im Vorwort der umfassendenBiografie über Naim. Ein Werk, das er im Rahmen seines Ehrenamtes mit Naim erstellt hat. Biografisches Schreiben nennt er diese literarische Form, die er im Café International des Bündnisses außerhalb der üblichen Öffnungszeiten mit Neubürgern durchführt. „Ich lerne viel über die Länder und Kulturen. Meine Gesprächspartner durchleben und verarbeiten ihre Flucht. Indirekt üben und lernen sie dabei die deutsche Sprache“. Auch wenn die Arbeit mit Flüchtlingen manchmal Enttäuschungen bereitet, so überwiege doch der persönliche Nutzen: "Der Dank kommt zurück und es entstehen Freundschaften.“
Für ihn als Rentner eine tolle Erfahrung, er hat viel über die Welt gelernt und die Lebensverhältnisse in anderen Ländern. Die Unterstützung für die Neubürger hat ihm auch viel in Deutschland aufgezeigt: das komplexe (Abwehr-)Asylrecht, bürokratisches Verwaltungshandeln, die Situation von Arbeitslosen, das Jobcenter und Hartz IV. Er ist überzeugt, dass die staatlichen Institutionen die Neubürger nicht ausreichend betreuen können. Das heißt, jeder Flüchtling müsste für eine gelingende Integration einen Menschen an seiner Seite haben.
Naim betont, dass er ohne ehrenamtliche Hilfe hier nicht mehr wäre oder im Container dahinvegetieren würde. Er ist sehr dankbar für die vielfältige Hilfe, die er von Eike Seidel und einer Vielzahl anderer ehrenamtlicher Helfer erfahren hat. Bei den vielen behördlichen Schreiben und Auflagen sei er allein völlig überfordert gewesen. Der Kampf gegen die Abschiebung und für die Anerkennung seiner Fluchtgründe durch das BAMF wäre ohne Hilfe aussichtslos gewesen.
Inzwischen ist er angekommen, hat erste Erfahrungen in der Berufswelt u.a. bei der Renovierung des alten Elbtunnels gesammelt und erfahren, dass die theoretischen Anforderungen einer Ausbildung zum Konstruktionsmechaniker trotz Hilfe zu anspruchsvoll für ihn sind. Dies hat ihm aber nicht die Zuversicht genommen. Naim ist jetzt aufenthaltsrechtlich sicher und weiß, er wird bald wieder eine gute Arbeit finden. Im Bündnis für Flüchtlinge gehört Naim zu den ehrenamtlichen Helfern. Er übersetzt Türkisch, Dari und Farsi. Selbst die Ausländerbehörde und der Elbcampus haben schon seine Hilfe beansprucht.
• Das Bündnis für Flüchtlinge sucht immer neue Helferinnen und Helfer, z.B. als Pate für eine Ausbildung, für das Café International oder für die Kindergruppe. Infos unter Bündnis für Flüchtlinge Buchholz, Steinstraße 2, 21244 Buchholz oder per E-Mail vorstand@buendnis-buchholz.de. Die Freiwilligenagentur f.e.e (Tel. 0176-54639639) bietet jeden ersten Mittwoch im Monat von 10 bis 12 Uhr im Café International (Neue Str. 10) eine Sprechstunde an. Auf der Ehrenamtsmesse am Samstag, 9. März, in der Empore stellen sich zahlreiche Vereine vor und freuen sich auf Ihren Besuch. Ihr Weg zum Ehrenamt

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