Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

"Ökologische Selbstvernichtung"

"Kohle stoppen, Klima retten", war die Hauptforderung der Demonstranten am Hambacher Forst (Foto: Elisabeth Bischoff)

Unter den 50.000 Demonstranten gegen den Abbau von Braunkohle im Hambacher Forst waren auch zahlreiche Umweltschützer aus der Region

(os). "Die Energiewende kommt nicht richtig in Schwung. Sinnbild dafür ist das krampfhafte Festhalten an der Braunkohle." Das sagte der bekannte Klimaforscher Mojib Latif jüngst in einem Interview. Gegen den geplanten Braunkohleabbau durch den Energieriesen RWE im Hambacher Forst in Nordrhein-Westfalen demonstrierten am vergangenen Samstag nach Veranstalterangaben 50.000 Menschen im rheinischen Braunkohlerevier. Darunter waren auch zahlreiche Bürger aus den Landkreisen Harburg und Stade.
Auslöser für die Demonstration war die Räumung von Baumhütten im Hambacher Forst als Vorbereitung für die Rodung des Waldes, der an der Kante des riesigen Braunkohle-Abbaugebietes von RWE steht. Das Oberverwaltungsgericht Münster hatte die Rodung in der vergangenen Woche vorläufig gestoppt. Begründung: Der Antragsteller habe nicht ausreichend begründet, warum der Braunkohleabbau essentiell wichtig für die Sicherstellung der Stromversorgung sei. Zudem lebten in dem Wald streng geschützte Fledermäuse.
"Als ich davon hörte, dass der Energiekonzern RWE Fakten schaffen will, bevor Ergebnisse der Kohlekommission auf dem Tisch liegen, war für mich klar, dass ich zur Demonstration für den Hambacher Wald und den Kohleausstieg fahre", erklärt Elisabeth Bischoff vom Regionalverband Elbe-Heide des BUND. Alle seien aufgefordert, Position zu beziehen. Die Menschenmenge, die sich in der Nähe des Waldes auf einem abgeernteten Acker versammelte, sei beeindruckend gewesen, berichtet Elisabeth Bischoff.
Die Organisatoren der Demonstration waren sehr zufrieden mit dem friedlichen Verlauf. "Es geht hier um viel mehr als allein den Hambacher Wald", erklärte Michael Müller, Bundesvorsitzender der Naturfreunde Deutschland. "Wir brauchen den schnellen Kohleausstieg und insgesamt das Ende des fossilen Zeitalters, denn die Menschheit ist auf dem Weg in die ökologische Selbstvernichtung." Niemand könne die Gesetze der Natur ignorieren, erklärte Müller. Im Klimaschutz müsse das Notwendige und nicht nur das scheinbar Mögliche getan werden.
Der BUND-Regionalverband Elbe-Heide fordert jetzt die Stadt Buchholz auf, auch einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Sie solle bei der Versorgung der stadteigenen Liegenschaften auf klimaschädliche Energie verzichten und auf Ökostrom umsteigen. Der Vertreter der Buchholzer Umweltverbände werde im Stadtentwicklungsausschuss einen entsprechenden Antrag formulieren. Damit handele man ganz im Sinne von Mojib Latif, der sagt: "Couragierter Klimaschutz fördert Innovation und sichert unsere wirtschaftliche Zukunft - eine Win-win-Situation."