Drückende Hitze im Klassenzimmer

Auch offene Fenster bringen keine Abkühlung: Morgens um 9 Uhr müssen Sandra Banerjea und ihre Schüler Temperaturen bis zu 33 Grad aushalten
  • Auch offene Fenster bringen keine Abkühlung: Morgens um 9 Uhr müssen Sandra Banerjea und ihre Schüler Temperaturen bis zu 33 Grad aushalten
  • hochgeladen von Alexandra Bisping


Lehrerin schlägt Alarm: "Lernen bei Hitzestau ist unmöglich"

ab. Buxtehude. Morgens um 9 Uhr, ein Junitag in Buxtehude: Sandra Banerjea steht vor einer zweiten Klasse der Offenen Ganztagsschule (OGS) am Stieglitzweg. Im Klassenzimmer herrschen hochsommerliche Temperaturen: 33 Grad. Die Luft steht, es fehlt an Durchzugsmöglichkeiten. "Es ist nicht zum Aushalten", sagt die Grundschullehrerin. Die Kinder wie früher bei Hitzefrei nach Hause zu schicken wäre die beste Lösung. Aber das geht nicht - die OGS ist eine verlässliche Ganztagsschule und muss ihrer Betreuungspflicht nachkommen.

Gegen die brennende Sonne haben Sandra Banerjea und ihre Schüler die schweren Gardinen zugezogen. Allerdings ist trotz geöffneter Fenster kaum ein Luftzug zu spüren. Die Folge: Hitzestau. "Niemand kann sich konzentrieren geschweige denn lernen", beklagt die Lehrerin und dürfte damit vielen Kollegen aus der Seele sprechen. Sandra Banerjea: "Aufgrund der Hitze gibt es im Kollegium sogar schon Lehrer mit Kreislaufproblemen."

Geringe Abhilfe schafft ein längerer Aufenthalt auf dem Schulhof. Doch auch das gestalte sich schwierig, bemängelt Sandra Banerjea. Es gebe nicht genug Bänke und somit Arbeitsmöglichkeiten, schon gar nicht im Schatten. Denn der müsse mit rund 300 Schülern geteilt werden - in deren Klassenräumen herrschten ähnliche Temperaturen.
Eine Frage, die sich stellvertretend für alle Schulen Niedersachsens stellen lässt: Warum dürfen die Kinder nicht nach Hause gehen?

Laut eines Erlasses der Niedersächsischen Landesschulbehörde dürfte der Schulleiter zwar nach eigenem Ermessen Hitzefrei geben, doch der Betreuungsauftrag sei mit einer Entlassung aus dem Unterricht nicht mehr gewährleistet, so die Pressesprecherin der Landesschulbehörde, Bianca Schöneich. Die Schule müsste von den Eltern, deren Kinder die OGS besuchen, eine Erlaubnis zum Nachhauseschicken erhalten.

"Das lässt sich kaum realisieren", weiß Sandra Banerjea aus Erfahrung. Denn obwohl die Anmeldung zur OGS verpflichtend sei, hielten sich nicht alle Eltern daran. "Kürzlich war die Schule aus Fortbildungsgründen für zwei Tage geschlossen. Einige Kinder waren zur Notbetreuung angemeldet und kamen nicht. Andere wiederum waren nicht angemeldet, standen aber vor der Tür. So wissen wir manchmal gar nicht, wo sich der betreffende Schüler aufhält." Ein Zustand, der spontanes Hitzefrei nicht möglich mache.

Schön wäre es, so Sandra Banerjea, häufiger nach draußen ausweichen zu können. "Dazu bräuchten wir aber ausreichend Bänke auf dem Schulhof." Der Rasensprenger, der zur Abkühlung zur Verfügung steht, sei bisher nur dreimal benutzt worden. "Im vergangenen Jahr haben sich die Nachbarn immer über den Lärm beschwert, den die Schüler dann machen. Und aufgrund der Hitze gab es ja bereits vom Landkreis den Aufruf, den Rasensprenger nicht einzuschalten. Daran haben wir uns gehalten."
Bleibt es so heiß, müssen Schüler und Lehrer diesen Zustand weiter ertragen - denn eine schnelle Lösung scheint nicht in Sicht.


Soll es wieder Hitzefrei geben?

Früher wurden Schüler bei großer Hitze nach Hause geschickt, seit der Einführung der verlässlichen Ganztagsschulen ist Hitzefrei kaum noch möglich. Soll die einstige Regelung wieder eingeführt und Schüler bei großer Hitze nach Hause geschickt werden? Oder gibt es noch andere Möglichkeiten? Ihre Meinung interessiert uns! Schreiben Sie uns an ab@kreiszeitung.net.

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