Gespräch mit Beraterinnen von "Lichtblick"
Missbrauch auch bei uns, nicht nur irgendwo anders

Colette Schiwietz (li.) und Birgit Staggat beraten bei "Lichtblick" Menschen, die von sexueller Gewalt betroffen sind
  • Colette Schiwietz (li.) und Birgit Staggat beraten bei "Lichtblick" Menschen, die von sexueller Gewalt betroffen sind
  • Foto: tk
  • hochgeladen von Tom Kreib

tk. Buxtehude. Sexueller Missbrauch ist noch immer ein Thema, das in der Gesellschaft stark tabuisiert ist. "Das geschieht anderswo, in einem anderen Land, aber doch nicht bei uns", sagt Colette Schi-wietz über das Verdrängen eines real existierenden Problems. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Birgit Staggat ist sie bei "Lichtblick", der Beratungsstelle gegen sexuelle Gewalt in Buxtehude, Ansprechpartnerin für Menschen, die diese Form massiver Übergriffe erlebt haben.

Das WOCHENBLATT hat bei den beiden Expertinnen aufgrund der aktuellen Berichterstattung und vieler Leserreaktionen zu einem Prozess wegen sexuellen Missbrauchs in Buxtehude nachgefragt. Der Täter, der seine Enkelin und zwei Nichten missbraucht hatte, ist mit einer Bewährungsstrafe glimpflich davongekommen. "Manches Mal wünschen wir uns, dass der mögliche Strafrahmen auch ausgeschöpft wird", sagt Staggat.

Dass die Betroffenen noch zu wenig im Fokus stehen und es deutlich mehr Angebote zur Prävention geben müsste, habe aber nichts mit einer Verschärfung von Gesetzen zu tun. "Wir brauchen eine Veränderung in der Gesellschaft und der Politik", sagt Staggat. In der Politik, weil dort die Mittel für Institutionen wie "Lichtblick" bereitgestellt werden. Rechnerisch bräuchte die Beratungsstelle, die für den gesamten Landkreis Stade mit Ausnahme der Stadt Stade zuständig ist, sieben bis neun Fachkräfte. Staggat und Schiwietz haben je eine Halbtagsstelle und keine Kollegen. "Wir suchen händeringend Verstärkung", sagt Staggat.
"Prävention ist ein Thema der gesamten Gesellschaft", sagt Schiwietz. Das beginne in der Kita und ende bei den Großeltern. "Wir müssen Kinder ernst nehmen", sagt Staggat. Ernst nehmen heiße auch, ihnen zu glauben, wenn sie über einen mutmaßlichen Missbrauch berichten. Damit Prävention funktioniert, braucht es aber nicht nur Geld, sondern auch die Bereitschaft, sich einzulassen. "Wenn wir an einem Infoabend für Eltern ein Theaterstück vor nur zwei Menschen aufführen, ist das traurig", so Staggat.

Damit die Betroffenen nicht allein bleiben, müsse sich der Blick auf Missbrauch endlich wandeln, ergänzt Schiwietz. Noch immer würden Sätze fallen wie "Die hat doch selbst schuld, weil sie einen kurzen Rock trug", berichtet sie aus ihrer Beratungspraxis. Und noch immer würden manche Betroffene sich  nicht zur Anzeige entscheiden, weil sie gerade im überschaubaren ländlichen Raum Stigmatisierung fürchten.
Für die beiden Lichtblick-Mitarbeiterinnen bedeutet ein besserer Fokus auf die Betroffenen von Missbrauch auch, sich Sätze wie "Ist doch schon so lange her, nun hab' dich nicht so" nicht zu sagen. Grundsätzlich wünschen sich Staggat und Schiwietz, dass es eine größere Plattform in der Gesellschaft gibt, um über sexuellen Missbrauch zu reden. "Wir brauchen so etwas wie einen roten Faden, wie wir als Gesellschaft damit umgehen", sagt Staggat. Denn Übergriffe und Missbrauch geschehen hier bei uns vor der Haustür und nicht irgendwo in einer anderen Welt.
Lesen Sie: Leserreaktionen zu einem aktuellen Missbrauchsfall

Hier gibt es Hilfe für Betroffene

Beratungsstelle gegen sexuelle Gewalt für Kinder und Jugendliche in der Stadt Stade: ( 04141-43646
Beratungsstelle "Lichtblick" für Jugendliche ab zwölf Jahren und Erwachsene in der Stadt Buxtehude und im Landkreis Stade: ( 04161-714715, E-Mail: lichtblick@awostade.de
Dunkelziffer e.V. für Kinder und Jugendliche im Landkreis Harburg: ( 040-421070010
Hilfetelefon "Sexueller Missbrauch" (kostenfrei und anonym): ( 0800-2255530, www.hilfetelefon-missbrauch.de

Autor:

Tom Kreib aus Buxtehude

Politik
Nach dem Verzicht von Thomas Grambow (kl. Foto) soll nun Björn Protze antreten

Politiker aus Neu Wulmstorf führt persönliche Gründe für Verzicht an
SPD-Schock: Thomas Grambow zieht Landrats-Kandidatur im Landkreis Stade zurück

jd. Stade. Schock für die SPD: Ihr Kandidat für die Landratswahl im Landkreis Stade wirft das Handtuch. Der Neu Wulmstorfer Kommunalpolitiker Thomas Grambow (57) will nun doch nicht für das Amt kandidieren. Für seinen Verzicht führt er persönliche Gründe an.    Der CDU-Politiker Kai Seefried muss sich nun auf einen neuen Gegenkandidaten einstellen. Nach WOCHENBLATT-Informationen will jetzt der Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion, Björn Protze, gegen Seefried antreten. Die Kandidatur des...

Panorama

Pandemie
Landkreis Harburg plant Corona-Impfzentren in Buchholz und Winsen

(ts). Der Landkreis Harburg wird zwei Corona-Impfzentren einrichten. Vorgesehen sind die Schützenhalle in Buchholz und die Stadthalle in Winsen. Diese Standorte hat die Kreisverwaltung der Landesregierung vorgeschlagen. Das Land prüft nun die Konzepte und entscheidet. Bis zum vergangenen Montagabend mussten die Landkreise in Niedersachsen die möglichen Standorte dem Innenministerium melden. Die Landesregierung hat das Ziel, dass die Infrastruktur für die Corona-Impfungen in den Landkreisen bis...

Politik
Die Zeit der Baustellen ist vorbei. Doch zufrieden sind in Dammhausen noch nicht alle mit den Ergebnissen der jahrelangen Baumaßnahmen

Nach Bauarbeiten ist noch nicht alles optimal
In Dammhausen sind wieder die Raser unterwegs

tk. Dammhausen. Der neue Rad- und Fußweg in Dammhausen samt ebenfalls neuer Bushaltestellen und runderneuerter Kanalisation ist fertig, der Kreisverkehr an der Einmündung nach Jork bzw. Neukloster ist wiederhergestellt. Sind die Dammhauser jetzt, nach Jahren des Baus und vielen Verzögerungen, wunschlos glücklich? Das ist nicht der Fall, wie Ortsvorsteher Thomas Sudmeyer (SPD) erklärt. Er und Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) Dammhausen wünschen sich vor allem vom Landkreis noch...

Service

Am Dienstag, 1.12., 115 aktuelle Corona-Fälle
Maske tragen: Corona-Ampel im Landkreis Stade weiter auf Rot

jd. Stade. Tendenz fallend beim Inzidenzwert: Nach Angaben des Landes beträgt der Inzidenzwert für den Landkreis Stade 56,7 (Stand von Dienstag, 1. Dezember). Damit steht die Corona-Ampel weiter auf Rot. Für einige Straßen und öffentliche Plätze gilt laut Allgemeinverfügung des Landkreises die Pflicht, eine Maske (Mund-Nasen-Schutz) zu tragen.  Die Gesamtzahl der Corona-Infizierten im Landkreis Stade wird vom Land mit 1.041 Personen angegeben.  Die Dunkelziffer der Corona-Infizierten dürfte...

Politik
Wenn es nach der Gemeindeverwaltung geht, stehen diese Schilder bald in Stelle   Foto: thl

Stelle: Aldi-Zentrallager vor Entscheidung

Verwaltung gibt in Vorlage für Fachausschuss Empfehlung für die Ansiedlung des Zentrallagers vor thl. Stelle. Jetzt beginnt der Endspurt! In seiner Sitzung am Mittwoch, 9. Dezember, soll der Ortsentwicklungsausschuss der Gemeinde Stelle dem Rat eine Empfehlung für die Ansiedlung des Aldi-Zentrallagers im Gewerbegebiet Fachenfelde-Süd aussprechen. Die Vorgabe der Verwaltung ist eindeutig: "Der vorhabenbezogene Bebauungsplan 'Sondergebiet Logistikzentrum Fachenfelde-Süd' (...) bestehend aus...

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen