Der Buxtehuder Jahresrückblick
Schöne Fehler, große Liebe und Überraschungsgäste

"Fridays for Future Buxtehude" war 2019 nicht zu überhören
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Buxtehude. 2019 ist vorbei und das WOCHENBLATT hält fest, was - ehrlicherweise subjektiv betrachtet und ohne Anspruch auf Vollständigkeit - aus den vergangenen zwölf Monaten im Gedächtnis bleibt.

Die große Liebe 2020 war - und ist wie schon Jahre zuvor - das herzige und innige Verhältnis von SPD, CDU und Bürgermeisterin. Früh hat Katja Oldenburg-Schmidt angekündigt, dass sie 2021 wieder kandidiert und früh haben Sozial- und Christdemokraten kundgetan, dass sie das prima fänden und "os" unterstützten. Nach der Pressekonferenz von Bürgermeisterin, SPD und CDU über das gemeinsame Werben um das Wählervertrauen ging es noch zum Foto und eine der Damen, ich weiß leider nicht mehr, ob Bürgermeisterin, SPD-Fraktionschefin  Astrid Bade oder ihre CDU-Kollegin Arnhild Biesenbach, murmelte halblaut, aber so, dass ich es gut hören sollte: "Wo keine Probleme sind, da muss man auch keine suchen." Fragen nach der inoffiziellen Dauer-Groko, fehlenden Alternativen und mitunter wohltuendem, weil kreativem Streit werden offenbar eher als überflüssiges Störfeuer betrachtet.

Fehlende Alternativen haben aber den politischen Überraschungsauftritt des Jahres verursacht: Der Ex-CDU-Ratsherr Lorenz Hünnemeyer hat jüngst kundgetan, dass er darüber nachdenke, gegen Katja Oldenburg-Schmidt als Bürgermeisterbewerber anzutreten. Wenn das keine dem Glühwein beim Wintermärchen geschuldete Schnapsidee war, wird 2021 spannend. Denn nicht zu vergessen: Es gibt noch die politische Sphinx Michael Lemke. Der Grüne denkt (zumindest offiziell) noch darüber nach, ob er soll oder nicht. Ich denke: Lemke tritt ebenfalls 2021 als Bürgermeisterkandidat  an. Dann könnten es schon drei Bewerber sein - und die Linke will eigentlich auch noch einen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken. Das wäre ja ein richtiger Wahlkampf, und eine Stichwahl wohl vorprogrammiert.

Das Beben des Jahres hat das Urteil des Verwaltungsgerichts Stade ausgelöst, das den Planfeststellungsbeschluss für den Ausbau der K40 (Rübker Straße) als Buxtehuder A26-Anbindung gekippt hat. Die Folgen? Komplett unklar. Landrat Michael Roesberg will die Zulassung der Berufung beantragen, doch in Buxtehude mehren sich die Stimmen, die sagen: Lasst uns schnell was anderes planen. Es gilt: Die Autobahn samt Anschlussstelle Buxtehude wird fertig sein, die  Anbindung nicht.

Die absolut unüberhörbarsten Menschen in der Estestadt waren die Schülerinnen und Schüler von "Fridays for Future Buxtehude". Mit Klimademos - zu einer kamen rund 2.500 Teilnehmer! -  und vielen anderen Aktionen haben sie den Klimawandel ins Bewusstsein gerückt. Das, man merkte es bei der jüngsten Demo, geht manchen Zeitgenossen auf den Wecker, die mit ziemlich dummen Sprüchen das Ganze kommentierten. Jede Wette, liebe Nörgler, die machen 2020 weiter - mindestens ebenso laut.

Der absolut sinnloseste Aufreger des Jahres war der Multimedia-Vortrag von Lutz Jäkel über Syrien vor dem Krieg. Weil das Thema Syrien per se politisch ist, wurde er auf der Halepaghenbühne untersagt. Das ging sogar bundesweit durch die Medien.  Die Nutzung städtischer Räume für politische Veranstaltungen war nämlich in der Estestadt per Satzung verboten. Kompromiss: Die HPS-Bühne durfte es sein, eine Diskussion im Anschluss des Vortrags fand nicht statt. Und - wichtiger noch - die Satzung zur Nutzung städtischer Räume wurde überarbeitet. Gut so, denn diese Schlagzeilen braucht die Stadt nun wirklich nicht.

Der schönste Verwaltungsfehler des Jahres war die Panne bei der versehentlichen Veröffentlichung der Konzessionsverträge der Stadtwerke Buxtehude für Gas, Wasser und Strom auf der Buxtehude-Homepage. Mehr als ein Jahr wurde hinter verschlossenen Türen darüber verhandelt und dann das. Ganz ehrlich - so spannend war die Lektüre überhaupt nicht. Mit Sicherheit ist vieles, was angeblich nicht an die Öffentlichkeit soll, so wenig interessant, dass keiner so richtig heiß auf die Infos wäre.

Ein Topthema, das die Leserinnen und Leser wichtig fanden: Die teilweise schlechte Netzabdeckung beim Telefonieren und Surfen mit dem Handy. Eine WOCHENBLATT-Umfrage zeigte, dass es Funklöcher - je nach Anbieter - durchaus auch mitten in der Stadt gibt. Tröstlich: Die großen Mobilfunkanbieter wollen alle in ihre Netze investieren. So klappt es vielleicht 2020 zumindest mit dem 4G-Standard. Darüber wären einige Buxtehuder im Funkloch schon froh.

Ein Streit mit Mega-Zoffpotenzial in diesem und im kommenden Jahr ist die Verkehrsberuhigung in der Altstadt. Die Idee, den Ostfleth, wie den Westfleht gegenüber, mit versenkbaren Pollern zur temporären Fußgängerzone zu machen, rief Anlieger und Gewerbetreibende auf den Plan. Sie lehnen die Idee vehement ab. Problem dabei: Der Verkehrsentwicklungsplan sieht noch eine sehr viel weiter reichende Verkehrsberuhigung vor: die autofreie Altstadt. 

Der Abschied des Jahres war das letzte Konzert von "Rock meets Classic". Ideengeber Peter Schmidt wollte lieber aufhören und diese großartigen Musikevents nicht Routine werden lassen.  Wirklich schade, aber verständlich. Und alle Musikfans können nur Danke sagen für dem Hörgenuss der vergangenen Jahre.

Unter der Überschrift Erfolg 2020 kann der Beginn der Arbeiten im neuen Wohngebiet Giselbertstraße verbucht werden. Nach jahrelanger intensiver Vorarbeit von Politik und Verwaltung hat die Erschließung des neuen Vorzeigequartiers begonnen. Die Ideen für ein anders gedachtes Wohnviertel sind so gut, dass Buxtehude ein neues Stadtviertel bekommt, das unter sozialen, ökologischen aber auch gestalterischen Gesichtspunkten Vorbild für andere Kommunen werden kann. Gut möglich, das demnächst Delegationen aus anderen Städten neugierig durchs neue Viertel streifen, um Ideen für eigene Projekte zu sammeln.
Warten wir auf spannende Geschichten im neuen Jahr!
Tom Kreib

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Tom Kreib

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