Handball Buxtehude
Auftaktinterview mit dem neuen BSV-Cheftrainer Jonas Schlender
- Jonas Schlender
- Foto: Felix Weißberg/DerSportfotograf
- hochgeladen von Nicola Dultz
(nw). Seit dem 1. Juli hat mit Jonas Schlender ein neuer Mann das Sagen an der Seitenlinie des Handball-Bundesligisten Buxtehuder SV. Der 31-Jährige spricht im Interview zum Beginn seiner Amtszeit über seinen sportlichen Ansatz, den Typen Jonas Schlender und die Aufgaben der kommenden Wochen.
Schlender begann 2020 seine Tätigkeit als Co-Trainer beim VfL Oldenburg in der 1. Handball-Bundesliga Frauen. Ab der Saison 2022/2023 übernahm er zusätzlich als Cheftrainer die 2. Mannschaft in der 3. Liga. Dort gewann er direkt im ersten Jahr den Vizemeistertitel in der 3. Liga Nord. Nach vier Jahren in
Oldenburg folgte 2024 der Schritt nach Solingen. Zuletzt war der A-Lizenz-Inhaber hauptamtlicher Cheftrainer beim HSV Solingen-Gräfrath in der 2. Handball-Bundesliga Frauen und belegte in beiden Saisons den fünften Tabellenplatz. Zum Auftakt seiner Amtszeit in Buxtehude stand er in einem ersten Interview Rede und Antwort.
Frage: Sie starten in Ihre erste Saison als Cheftrainer in der Handball-Bundesliga. Worin sehen Sie für sich persönlich die wichtigsten Aufgaben in dieser ersten Spielzeit?
Jonas Schlender: Ich kenne die Liga aus meiner Zeit als Co-Trainer in Oldenburg, aber als Cheftrainer ist das natürlich noch einmal etwas anderes. In der ersten Liga verändern sich nicht nur die sportlichen Anforderungen, sondern auch die Rahmenbedingungen deutlich. Gerade das Thema Öffentlichkeit ist hier in Buxtehude schon in den ersten Tagen ganz anders. Es gibt mehr Gespräche rund um den Sport und eine größere Aufmerksamkeit. Das schätze ich sehr, muss mich daran aber auch erst gewöhnen. Handballerisch haben wir zudem noch professionellere Bedingungen, die wir nutzen wollen, um die Spielerinnen optimal weiterzuentwickeln.
Frage: Sie haben Ihren Umzug in diesen Tagen bei hochsommerlichen Temperaturen hinter sich gebracht. Sind Sie dennoch gut in Buxtehude angekommen?
Jonas Schlender: Die vergangenen Wochen waren sehr arbeitsreich. Ich habe inzwischen eine Wohnung im Umfeld von Buxtehude bezogen und bin sehr herzlich aufgenommen worden. Der eine oder andere Nachbar hat bereits mitbekommen, dass der neue Trainer eingezogen ist, und mich direkt auf den BSV angesprochen. (lacht) Ein Vereinswechsel bedeutet immer viel Arbeit. Außerdem darf man nicht vergessen, dass ein Trainerwechsel in Buxtehude keine alltägliche Situation ist. Deshalb ist manches auch für die Verantwortlichen neu. Gleichzeitig erfahre ich vom gesamten Staff und der Geschäftsstelle große Unterstützung. Jetzt führen wir noch einzelne Gespräche mit den Spielerinnen und arbeiten uns Schritt für Schritt in die Vorbereitung hinein.
Frage: Was zeichnet den Menschen Jonas Schlender aus? In Buxtehude sind die Fans sehr nah an der Mannschaft, reisen zu Auswärtsspielen mit und unterstützen das Team rund um das Spielfeld. Passt das auch zu Ihnen?
Jonas Schlender: Zunächst einmal trete ich in sehr große Fußstapfen. Wenn man die Geschichte des Vereins betrachtet, hat Dirk Leun hier über viele Jahre hervorragende und sehr erfolgreiche Arbeit geleistet. Ich würde mich als klaren und ehrlichen Menschen beschreiben, der authentisch ist, offen mit Kritik umgeht und gleichzeitig ehrgeizig ist und ambitionierte Ziele verfolgt. Die Fans sind ein wichtiger Teil unseres Teams. Wir brauchen genau diese Begeisterung und Unterstützung. Gleichzeitig möchten wir bis zu einem gewissen Maß auch nahbar sein. Wenn uns diese Balance gelingt, können wir gemeinsam mit den Fans bei den Heimspielen eine starke Einheit bilden.
Frage: Für welche Art von Handball steht Jonas Schlender?
Jonas Schlender: Ich stehe für einen modernen Handball mit dem Schwerpunkt auf einer guten und präzisen Defensivarbeit. Das bedeutet nicht, das Angriffsspiel des Gegners ständig mit Fouls zu unterbrechen. Vielmehr wollen wir ein System entwickeln, mit dem wir Druck auf den Gegner ausüben und Ballgewinne erzwingen. Offensiv lege ich großen Wert auf Entscheidungsfindung. Wir wollen taktische Situationen schaffen, in denen unsere Spielerinnen mehrere Optionen haben und dadurch effektiver agieren können. Bei mir dürfen Spielerinnen auch Fehler machen. Gerade einer jungen Mannschaft müssen wir vermitteln, dass Fehler zum Entwicklungsprozess dazugehören. Entscheidend ist, den Mut zu haben, überhaupt Entscheidungen zu treffen.
Frage: Sie müssen fünf Neuzugänge in einen 19 Spielerinnen umfassenden Kader integrieren. Gleichzeitig besteht das Team mit elf Spielerinnen unter 23 Jahren aus einer sehr jungen Mannschaft. Wie wollen Sie diese Aufgabe angehen?
Jonas Schlender: Für viele ist das System neu – mit fünf Neuzugängen, mir als neuem Trainer und Philipp als Co-Trainer. Jetzt geht es darum, den Ball in die Hand zu nehmen, Handball zu spielen, die Mitspielerinnen kennenzulernen und zu verstehen, was das Trainerteam erwartet. Philipp und ich legen großen Wert auf eine gute Kommunikation. Natürlich braucht es Zeit, bis alles greift. Das ist völlig normal. Wir werden aber ein klares taktisches System vorgeben, in dem sich die Spielerinnen bewegen und miteinander entwickeln können. Das wird anspruchsvoll, aber ich bin sehr zuversichtlich.
Frage: Welche Schwerpunkte setzen Sie in der Saisonvorbereitung und wie ist diese aufgebaut?
Jonas Schlender: Die individuelle Vorbereitung vor unserem Trainingsstart am 1. Juli war bewusst kurz. Die Saison ist inzwischen sehr lang und die Spielerinnen brauchen auch Zeit zur Regeneration. Nach zwei Wochen individueller Vorbereitung beginnen wir zunächst mit dem athletischen Teil, den ich aber möglichst oft mit Ball absolvieren möchte. Nach einer viertägigen Pause folgt verstärkt das Zusammenspiel innerhalb der Mannschaft. Im Trainingslager in Dänemark werden wir vor allem an Abläufen in Sondersituationen arbeiten, etwa bei Tempogegenstößen, Freiwurfvarianten sowie Über- und Unterzahlsituationen. So wollen wir uns auch außerhalb des Positionsangriffs besser einspielen. Anschließend bleiben noch zweieinhalb Wochen, in denen wir den Fokus auf die kollektive und taktische Vorbereitung für die gesamte Saison legen.
Frage: Wenn Sie ein besonders prägendes Erlebnis und eine prägende Saison Ihrer bisherigen Trainerlaufbahn nennen müssten – welche wären das?
Jonas Schlender: Die prägendste Saison war für mich 2024/25 mit Solingen. Als Absteiger aus der ersten Liga mussten wir in der zweiten Liga neu anfangen. Die Mannschaft war nach vielen Abgängen in einer schwierigen Situation. Als junger Trainer kommt man dann neu dazu und findet sich bis zur WM-Pause plötzlich im Abstiegskampf wieder. Das war eine sehr belastende, aber gleichzeitig unglaublich lehrreiche Zeit. Diese ersten sechs Monate haben mich sowohl als Mensch als auch als Trainer stark geprägt und mein späteres Handeln nachhaltig beeinflusst.
Als prägendstes einzelnes Erlebnis würde ich ebenfalls auf diese Saison zurückblicken – auf den Derbysieg gegen den Bergischen HC zwischen Weihnachten und Silvester. Vor diesem Spiel hatten wir große Sorgen, nach mehreren Niederlagen weiter abzurutschen. Stattdessen haben wir mit elf Toren gewonnen. Von diesem Moment an hat sich innerhalb der Mannschaft etwas verändert. Es folgte eine Siegesserie, mit der wir uns aus dem Tabellenkeller befreit und die Saison schließlich auf einem guten fünften Tabellenplatz beendet haben.
Redakteur:Nicola Dultz aus Buxtehude |
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