Todesfalle Bahnübergänge

In Hemelingbostel (Samtgemeinde Fredenbeck) wird die EVB laut Bürgermeister Ralf Handelsmann im kommenden Jahr einen unbeschrankten Bahnübergang mit einer Schranke versehen
3Bilder
  • In Hemelingbostel (Samtgemeinde Fredenbeck) wird die EVB laut Bürgermeister Ralf Handelsmann im kommenden Jahr einen unbeschrankten Bahnübergang mit einer Schranke versehen
  • hochgeladen von Björn Carstens

(bc). Ein Moment der Unachtsamkeit - und der Bahnübergang wird zur Todesfalle. Nach Angaben des ADAC kommt es jedes Jahr zu 200 Unfällen, jeder vierte endet tödlich. 40 Prozent der Unfälle geschehen an unbeschrankten Übergängen. Auch in unserer Region gibt es viele nur durch Andreaskreuze oder Lichtsignalanlagen gesicherte Übergänge. Sie sind besonders gefährlich.

In den vergangenen Wochen bekam das Thema wieder traurige Aktualität. Eine Mutter, deren fünfjähriger Sohn bei einem Autounfall an einem unbeschrankten Bahnübergang in Schleswig-Holstein starb, hat eine bundesweite Online-Petition gestartet. Sie fordert die Deutsche Bahn auf, alle unbeschrankten Bahnübergänge zu beschranken „oder wenigstens erheblich sicherer zu machen“. Knapp 37.000 Menschen haben die Petition bis Donnerstag unterzeichnet. „Matteos Tod soll nicht umsonst gewesen sein“, sagt die Frau.

Die ganz schlimmen Unfälle dieser Art in den Landkreisen Harburg und Stade liegen Gott sei Dank schon länger zurück. 2010 ereigneten sich zwei schwere auf der sogenannten Heidebahn-Strecke in Handeloh und Wintermoor. Letzterer endete tödlich. 2009 wurde ein Mann schwerverletzt, als er mit seinem Transporter in Kutenholz-Essel mit einem Zug der EVB-Linie zusammenprallte. Fakt ist, dass die Bahn seit Langem daran arbeitet, die Anzahl der Bahnübergänge zu reduzieren.

Rund 4.800 Anlagen wurden nach Konzernangaben seit 2004 beseitigt. Aktuell gibt es deutschlandweit noch 18.117 Bahnübergänge, von denen etwa 60 Prozent technisch gesichert sind. In Niedersachsen sind es 780 unbeschrankte Übergänge.
Nicht immer ist aber die Deutsche Bahn für die Schienen-Infrastruktur zuständig. Auf der Erixx-Strecke (Heidebahn) von Buchholz Richtung Hannover sind im Landkreis Harburg laut Unternehmensaussage mittlerweile alle Übergänge mit einer Schranke versehen. Bei der EVB im Landkreis Stade sieht das ein wenig anders aus. Dort gibt es 50 Bahnübergänge, von denen 36 über Schranken oder eine Signalanlage verfügen. Der Rest seien in der Regel Feldwege.

Dass irgendwann alle Übergänge, egal von welchem Bahnunternehmen, beschrankt oder mit einer Lichtsignalanlage ausgestattet sein werden, dürfte jedoch angesichts eben jener vielen verkehrsarmen Wirtschaftswege unrealistisch sein. Ob hier technisch nachgerüstet wird, ist auch eine Frage der Verhältnismäßigkeit.

Umso wichtiger ist es, an das richtige Verhalten der Autofahrer zu appellieren. Das weiß auch ADAC-Sprecher Christian Hieff: „Unbeschrankte Übergänge sind deswegen so gefährlich, weil die Verantwortung allein bei den Fahrern liegt. Oft werden sie nicht wirklich ernst genommen oder es herrscht eine gewisse Routine.“ Frei nach dem Motto: Gestern kam doch auch kein Zug.

Der Automobilclub fordert daher, unbeschrankte Übergänge nur dann zu erlauben, falls nicht mehr als 2.500 Fahrzeuge täglich den Übergang nutzen. Hieff: „Zusätzlich empfehlen wir, eine optisch gute sichtbare Haltelinie aufzubringen.“

Polizeisprecher Rainer Bohmbach weist daraufhin, dass der Schienenverkehr immer uneingeschränkten Vorrang habe. In allen Fällen, besonders beim Andreaskreuz, sei der Fahrer verpflichtet anzuhalten und zu prüfen, ob sich ein Zug nähere.

• Das WOCHENBLATT fragt seine Leser: Kennen Sie Bahnübergänge in ihrer Umgebung, die in Ihren Augen eine Gefahr darstellen? Melden Sie sich in unserer Redaktion per E-Mail unter red-bux@kreiszeitung.net oder per Tel. 04141-409526

Autor:

Björn Carstens aus Buxtehude

Panorama
In den Elbe Kliniken werden derzeit zehn Prozent der Betten auf den Intensivstationen für CDOVID-19-Patienten freigehalten
3 Bilder

Krankenhäuser in den Landkreisen Harburg und Stade können kurzfristig reagieren
Mehr Corona-Kranke: Kliniken sind vorbereitet

(os/jd). "Eigentlich machen wir ja den ganzen Tag nichts anderes, als vorbereitet zu sein - wenn wir nur wüssten, was kommt!" Mit diesen Worten bringt Dr. Christian Pott, Ärztlicher Direktor des Krankenhauses Buchholz, die Situation auf den Punkt, vor der wohl alle Verantwortlichen in den Krankenhäusern in ganz Deutschland stehen. Angesichts einer drohenden zweiten Corona-Welle bereiten sich Ärzte und Pflegepersonal auf alle Eventualitäten vor, ohne den weiteren Verlauf der Pandemie genau zu...

Service

Corona-Zahlen im Landkreis Stade am 23. Oktober: Anstieg um 25 Prozent
Zu viele Kontakte: Nachverfolgung bei Corona-Infektionen immer schwieriger

jd. Stade. Das Gesundheitsamt meldet für den Landkreis Stade am Freitag, 23. Oktober, 51 aktuell mit dem Coronavirus infizierte Personen. Damit hat sich die Zahl der aktiven Corona-Fälle im Landkreis innerhalb nur eines Tages um rund 25 Prozent erhöht.  Solche Steigerungsraten gab es bisher nur im Frühjahr auf dem Höhepunkt der ersten Corona-Welle. Der höchste Wert seit Beginn der Pandemie wurde am 28. März mit damals 76 aktuellen Fällen registriert. Sieben-Tage-Inzidenz klettert nach...

Politik
Die Stadt Buxtehude sorgt dafür, dass eine Gruppe der Lebenshilfe-Kita "Inne Beek" nicht geschlossen werden muss

Stadt springt für die Lebenshilfe Buxtehude ein
Wolfsgruppe der Kita "Inne Beek" wird nicht geschlossen

tk. Buxtehude/Immemnbeck. Die "Wolfsgruppe" der Lebenshilfe-Kita "Inne Beek" in Buxtehude wird nicht geschlossen. Der Kita-Träger, die Lebenshilfe hatte das Anfang Oktober überraschend angekündigt. Grund sei Personalmangel. Die Stadt Buxtehude hat es binnen zwei Wochen geschafft, die endgültige oder vorübergehende Schließung abzuwenden, indem sie Betreuungskräfte vorübergehend dorthin abordnet. Das teilte Andrea Lange-Reichardt Eltern und Politikern während einer Sondersitzung des...

Politik

Wieso hakt es bei der Landkreisverwaltung?
Führerscheinstelle bleibt im Fokus der Kritik

tk. Stade. Derweil die SPD im Stader Kreistag aufgrund der WOCHENBLATT-Berichterstattung nachfragt, warum es in der Führerscheinstelle des Straßenverkehrsamts Stade zu wochenlangen Wartezeiten bei der Terminvergabe kommt, reißt die Kritik am Stader Straßenverkehrsamt nicht ab. Entgegen der Aussage des Landkreises Stade, dass alles gut laufe, zeigt sich: Es hakt nach wie vor gewaltig. Frank Daebler, Geschäftsführer der Fahrschule Christ aus Stade, hat am 5. August die Daten eines Fahrschülers...

Sport
Bei den "Luchsen" war Kim Berndt mit insgesamt acht Toren die beste Werferin

Auswärts nichts zu holen

(cc). Die Handball-Luchse (HL) Buchholz 08-Rosengarten verlieren auswärts mit 25:33 (Halbzeit 15:18) bei der Neckarsulmer Sport-Union und können sich auch am siebten Spieltag der 1. Bundesliga der Frauen nicht aus der Abstiegsgefahrenzone entfernen. Die „Luchse“ erwischten zwar einen Blitzstart und führten nach zwei Minuten durch Tore von Marleen Kadenbach und Kim Berndt mit 2:0, doch 90 Sekunden später haben die Gastgeber zum 3:2 gedreht. Im weiteren Verlauf entwickelte sich eine spannende...

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen