„Warum sind die so fies?“

Nur mit Hilfe ihres Rollators schafft es Heidi Margraf, die Treppe zu überwinden
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Eigentümer verwehren Rentnerin notwendigen Handlauf zu ihrer Wohnung.

(mum). Sind die Eigentümer eines Mehrfamilienhauses in Hanstedt wirklich so herzlos? Zwei Jahre lang versuchte Rentnerin Heidi Margraf sie davon zu überzeugen, einen Handlauf an einer kleinen Treppe zu montieren. Nur über diese Stufen gelangt die 83-Jährige in das Haus, in dem sie seit 15 Jahren zur Miete wohnt.
Als nichts geschah und nachdem sie viermal gestürzt war, ergriff sie selbst die Initiative und beauftragte einen Handwerker. Die Rechnung gab sie keck an die Eigentümergemeinschaft weiter. Ein Fehler! Heidi Margraf wurde aufgefordert, den Handlauf kurzfristig zu entfernen. Als sie dem nicht nachkam, wurde der Handlauf abgebaut, die Kosten ihr in Rechnung gestellt.
Heidi Margraf bat daraufhin den Hanstedter Schiedsmann um Hilfe. Doch auch der konnte nicht vermitteln. Der zuständige Verwalter empfahl Heidi Margraf lediglich, künftig durch den Garten zu gehen. Doch dort gibt es gar keinen Weg. „Warum sind die Eigentümer nur so fies?“, fragt Heidi Margraf. „Ich möchte doch einfach nur sicher in meine Wohnung kommen.“

„Ziehen Sie doch ins Heim!“

Heidi Margraf ist so jemand, der einem sofort sympathisch ist. Die 83 Jahre alte Rentnerin lächelt gern und ist nicht auf den Mund gefallen. Das mag vielleicht auch an ihrer beruflichen Vita liegen. Bis zu ihrer Pensionierung war die Sozialpädagogin in Hamburg unter anderem für die Unterbringung von Obdachlosen verantwortlich. „Niemals hätte ich es mir träumen lassen, dass ich einmal selbst Schwierigkeiten mit Vermietern bekommen würde“, sagt sie traurig. Vor 15 Jahren zog Heidi Margraf nach Hanstedt - auch um näher bei ihrer Tochter zu wohnen. Sie fand eine kleine Wohnung in der Harburger Straße 80 und richtete sie gemütlich ein. In dem Wohnhaus gibt es fünf Wohnungen, die vier Eigentümern gehören. Nur die Vermieterin von Heidi Margraf, sie besitzt noch eine weitere Wohnung, nutzt die Immobilie nicht selbst.
Seit ein paar Jahren macht sich bei Heidi Margraf ihr hohes Alter bemerkbar. Sie ist auf Gehilfen oder einen Rollator angewiesen. Im Haus selbst kommt sie gut zurecht. Nur die Strecke vom Gehweg zur Eingangstür bereitet ihr große Schwierigkeiten. „Ich muss zwei Stufen überwinden“, so Heidi Margraf. Doch es gibt keinen Handlauf. Mehrere Male habe sie in den vergangenen zwei Jahren die Eigentümergemeinschaft gebeten, dort einen Handlauf zu installieren. „Doch es geschah nichts“, so die 83-Jährige. Dann hat sie einfach selbst die Initiative ergriffen. „Ich habe einen Handwerker angerufen und einen Handlauf in Auftrag gegeben“, erinnert sich die Rentnerin, die ehrlich zugibt, dass sie voreilig gehandelt hat. Und sie machte es auch noch schlimmer. Die Rechnung in Höhe von 350 Euro schickte sie an die Eigentümergemeinschaft.
Die Antwort folgte prompt. Heidi Margraf wurde aufgefordert, den Handlauf sofort wieder zu entfernen. Dafür gab ihr Björn Nielsen aus Winsen, er vertritt die Eigentümer, drei Werktage Zeit. „Das habe ich nicht geschafft“, so die 83-Jährige. Schließlich wurde der Handlauf entfernt. Und Heidi Margraf soll jetzt nicht nur die Kosten für die Demontage zahlen, sondern auch die durch zwei kleine Bohrlöcher beschädigten Steine.
Die Hanstedterin wendete sich in ihrer Not an den Schiedsmann der Samtgemeinde. „Ich möchte wegen so einer Angelegenheit doch nicht vor Gericht ziehen“, sagt die Seniorin. Doch das Gespräch verlief ergebnislos. Verwalter Nielsen bestand darauf, dass der Handlauf nicht montiert wird. Laut Protokoll verwies er auf eine Eigentümerversammlung im kommenden Jahr, bei der das Thema auf die Agenda kommen soll. „So lange kann ich nicht warten“, sagt Heidi Margraf. Inzwischen sei sie an dieser Stelle schon viermal gestürzt. Das gilt auch für eine inzwischen verstorbene zweite Mieterin.
Für Verwalter Nielsen soll dies aber keine Rolle gespielt haben. „Er hat mir vorgeschlagen, dass ich doch durch eine fremde Garage über den Garten zur Terrassentür meiner Wohnung gelangen kann“, so die 83-Jährige. Allerdings ist dieser Weg nicht einmal befestigt und Heidi Margraf müsste durch mehrere Hecken kriechen. Zudem dürfte die Garage niemals verschlossen sein. Eine Eigentümerin habe ihr zugerufen, dass sie doch in ein Seniorenheim umziehen soll, wenn ihr die Wohnung nicht gefällt. „Ich wünsche mir doch nur, meine alten Tage in Frieden verbringen zu dürfen“, so Heidi Margraf.
Verwalter Nielsen war bis Redaktionsschluss zu einer Stellungnahme nicht zu erreichen.

Autor:

Sascha Mummenhoff aus Jesteburg

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