Hortbetreuung: Hürden beseitigen / Hortgruppen in Klassenzimmern sollen künftig möglich sein

Hortbetreuung soll künftig auch im Klassenraum möglich seinFoto: Fotlia / Dmitry_Vereschagin
  • Hortbetreuung soll künftig auch im Klassenraum möglich seinFoto: Fotlia / Dmitry_Vereschagin
  • hochgeladen von Jörg Dammann

(jd). Wenn jemand zwei Häuser nebeneinander baut, um mit seiner Familie die eine Hälfte des Tages im ersten Haus und die andere Hälfte im zweiten Haus zu wohnen, würde man ihn für verrückt erklären. Doch genau nach diesem Prinzip läuft derzeit die Hortbetreuung in Niedersachsen. Gemeinden, die Hortplätze für Grundschulkinder vorhalten wollen, dürfen die Kinder nachmittags nicht in denselben Räumen betreuen, in denen sie vormittags unterricht werden. Kommunen, die Bildung (Schule) und Betreuung (Hort) unter einem Dach anbieten wollen, stehen vor fast unüberwindlichen bürokratischen Hürden. Denn nach dem Kindertagesstättengesetz darf ein Klassenzimmer nachmittags nicht einfach als Gruppenraum für den Hort genutzt werden. Die Gemeinden laufen jetzt gegen diese Regelung Sturm und erhalten Unterstützung aus den beiden Regierungsfraktionen SPD und CDU.

"Der Sinn dieses Grundsatzes, Unterricht und Hortbetreuung räumlich zu trennen, erschließt sich mir nicht", sagt der CDU-Bildungsexperte und Generalsekretär Kai Seefried. Das Argument, Grundschulkinder sollten aus pädagogischen Gründen nachmittags nicht auch noch in einem Klassenzimmer betreut werden, sei für ihn nicht nachvollziehbar: "Dann frage ich mich, warum das bei der Ganztagsschule möglich ist." Wenn die Klassenräume tatsächlich ein Problem darstellen, dann sollten sie so gestaltet werden, dass sich die Kinder darin wohlfühlen. Das gelte für Schule und Hort gleichermaßen. Außerdem sei das Hortangebot ja viel umfangreicher: "Schließlich stehen auch Aula, Turnhalle und Spielplatz zur Verfügung."

Minister sagt flexible Lösung zu

Wie bekommt man 160 Hortkinder untergebracht? Vor dieser Frage steht derzeit der Flecken Harsefeld. Das Problem wurde im WOCHENBLATT bereits umrissen: Der Gemeinde fehlen Räume, um alle Hortgruppen unterzubringen. Die Lösung aus Sicht der Verwaltung: Die Kinder werden nachmittags in den dann nicht genutzten Klassenzimmern betreut. Doch so einfach geht das nicht. Gesetzlich ist solch eine pragmatische Vorgehensweise nicht zulässig. Rathauschef Rainer Schlichtmann hat den betroffenen Eltern, die sich um die Betreuung ihres Nachwuchses ab August sorgen müssen, das Dilemma auf einem Info-Abend erläutert (siehe untenstehenden Artikel). Schlichtmann ist in dieser Sache auch auf Landesebene aktiv. Denn Probleme wie in Harsefeld gibt es in vielen Kommunen.

In Sachen Hortbetreuung wollen die drei kommunalen Spitzenverbände - Landkreistag, Städtetag sowie Niedersächsischer Städte- und Gemeindebund (NSGB) - an einem Strang ziehen. Hortbetreuung muss künftig auch in Klassenräumen möglich sein, lautet die Kernforderung. So würden keine Steuermittel für den an sich unnötigen Bau von Hortgebäuden verschwendet. "Dieses Geld fehlt in den Kassen der Kommunen", sagt Schlichtmann, der NSGB-Vizepräsident ist und daher auch die Situation in vielen anderen Gemeinden kennt. Er habe jetzt auf einer Versammlung der hauptamtlichen Bürgermeister aus dem Elbe-Weser-Dreieck nachgefragt: "Mehr als die Hälfte der Teilnehmer hat erklärt, dass ihnen das Thema Hort große Probleme bereitet."

Der Harsefelder Rathauschef hofft aber, dass die restriktiven Regelungen nicht mehr lange Bestand haben: "Der Schul- und Kulturausschusse des Städte- und Gemeindebundes hat sich kürzlich mit Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) zusammengesetzt. Auf dem Treffen haben wir vom Minister die Zusage erhalten, dass der gesetzliche Rahmen für die Betreuung von Hortkindern in Schulen so schnell wie möglich weiter gefasst werden soll."

Bei ihrem Vorstoß können die kommunalen Spitzenverbände auf Unterstützung aus der Landespolitik zählen: "Die Koalitionsvereinbarung ist in dieser Hinsicht eindeutig", sagt CDU-Generalsekretär Kai Seefried: "Wir haben uns mit der SPD verständigt, den Kommunen flexible Lösungen bei der Nutzung von Räumen für Hortzwecke anzubieten." Im Kultusministerium werde bereits an dem Thema gearbeitet. Allerdings gebe es zunächst dringlichere Themen wie die Beitragsfreiheit für Kitas oder die Novelle des Schulgesetzes.

Autor:

Jörg Dammann aus Stade

Politik
Michael Roesberg ist noch bis Ende Oktober 2021 im Amt

Verzicht auf eine erneute Kandidatur
Stades Landrat Michael Roesberg tritt nicht wieder an

jd. Stade. Politischer Paukenschlag im Stader Kreishaus: Landrat Michael Roesberg (parteilos) hat am Montagabend erklärt, dass er für eine erneute Kandidatur nicht zur Verfügung steht. Die Amtszeit des 63-Jährigen endet im Oktober 2021. Roesberg steht seit 2006 an der Spitze der Kreisverwaltung. Bisher galt als sicher, dass der amtierende Landrat bei den Kommunalwahlen im Herbst 2021 noch einmal ins Rennen geht. Roesberg hätte beste Chancen für eine Wiederwahl gehabt. Er kann auf die...

Politik
Diese beiden Buden sind der Auslöser des Streits   Foto: thl

Verfügungsfonds "Winsen 2030"
Zoff um Verkaufsbuden in Winsen

Mitglieder des Verfügungsfonds werfen der städtischen Vertreterin mangelnde Befähigung vor thl. Winsen. Riesiger Zoff zwischen der Stadt Winsen und den Mitgliedern des Verfügungsfonds "Winsen 2030", in dem ehrenamtliche Personen aus Handel, Gastronomie, Handwerk und Politik sowie Privatpersonen engagiert sind. Insgesamt umfasst der Fonds acht Mitglieder und hat vier Besitzer in Beraterfunktion, bestehend aus Vertretern der City Marketing, der Wirtschaftsförderung, der Stadtverwaltung und des...

Politik
"Wenn kein Handeln erfolgt, wird das Problem nicht nachvollzogen": Christian Heermann an der Kreuzung Nordring/Hamburger Straße

Kreuzung Nordring in Buchholz
"Kriminelle Ampelanlage": Harsche Kritik an Untätigkeit

os. Buchholz. In dieser Woche soll die Ampelanlage an der neuralgischen Kreuzung Hamburger Straße/Nordring am nördlichen Eingang zur Stadt Buchholz umgerüstet werden. Damit endet eine jahrelange Phase, die WOCHENBLATT-Leser Christian Heermann (85) als "kriminell" und "lebensgefährlich" bezeichnet: "Das haben die Stadt Buchholz und der Landkreis von mir im vergangenen November schriftlich bekommen." Wie berichtet, hatte sich der Landkreis auf FDP-Initiative entschieden, die Ampelanlage...

Politik
An den Elbe Kliniken wird Kritik geübt
  2 Bilder

Aus Protest Aufsichtsratsmandat niedergelegt
CDU-Fraktionschefin kritisiert Versäumnisse bei den Elbe Kliniken

jd. Stade. Aufsichtsrat - der geheimnisvolle Zirkel: Die meiste Zeit wirkt ein Aufsichtsrat eher im Verborgenen. Scheidet jemand aus dem Gremium aus, geschieht das meist sang- und klanglos. Die Öffentlichkeit erfährt in der Regel davon nichts. Ganz anders bei der Stader CDU-Ratsherrin und Fraktionschefin Kristina Kilian-Klinge: Sie legte beim Aufsichtsrat der Elbe Kliniken einen Abgang mit Pauken und Trompeten hin. Statt des üblichen Zweizeilers schrieb sie ein dreiseitigen Brief - gespickt mit...

Politik
Pferdehalterin Sabine Popp sieht sich auf ihrer Weide in Glüsingen dem auf dem Nachbarland üppig wachsenden Jakobskreuzkraut ausgesetzt

Für Weidetiere giftig
Jakobskreuzkraut: Kritik an Gemeinde Seevetal hält an

ts. Glüsingen. Weil das für Weidetiere giftige Jakobskreuzkraut üppig auf ökologisch bewirtschafteten Flächen der Gemeinde Seevetal wächst, gerät die Gemeindeverwaltung bei Weidetierhaltern zunehmend in die Kritik. Nach dem WOCHENBLATT-Bericht über den Protest in Ramelsloh zeigt sich auch Sabine Popp, Betreiberin einer Pferdepension in Glüsingen, besorgt. In unmittelbarer Nachbarschaft zu ihrem Weideland gedeiht die gelb blühende Pflanze großflächig. Der Verzehr des Jakobskreuzkrauts kann bei...

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen