Mieze muss unters Messer: Kastrationspflicht in Apensen als Vorbild?

Auch Hauskatzen müssen in Apensen kastriert werden, sofern sie "Freigänger" sind  Foto: wd
2Bilder
  • Auch Hauskatzen müssen in Apensen kastriert werden, sofern sie "Freigänger" sind Foto: wd
  • hochgeladen von Jörg Dammann

jd. Apensen/Stade. Streunende und verwilderte Katzen sind in vielen Orten des Landkreises ein Problem. Tierschützer können ein Lied davon singen: Die verwahrlosten und oftmals kranken Tiere sind gerade jetzt im Winter Hunger und Kälte ausgesetzt. Um dem Katzen-Elend auf Dauer ein Ende zu bereiten, ist die Kastration der einzig sinnvolle Weg. Das sieht offenbar auch die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) so: Das Agrarressort hat jetzt 200.000 Euro für eine landesweite Kastrierungs-Aktion bereitgestellt. Bis Mitte März können wildlebende Hauskatzen kostenlos kastriert werden (siehe unten). Doch um die Katzen-Not gezielt einzudämmen, wäre es sinnvoll, dass alle Katzenhalter einer Kastrations-Pflicht für ihre Tiere unterliegen. Solch eine Verordnung gibt es im Landkreis außer in Nordkehdingen bisher nur in Apensen.

„Wir haben gute Erfahrungen mit dieser Regelung gemacht“, sagt Apensens Ordnungsamtsleiterin Tanja von der Bey. Nach ihrer Einschätzung hat sich die Zahl der „Streuner“ bereits reduziert. „Eine solche Maßnahme ist aber langfristig angelegt. Der Erfolg stellt sich erst nach Jahren ein, weil die Tiere keinen Nachwuchs mehr zeugen können.“ Seit viereinhalb Jahren besteht in Apensen die Verpflichtung für alle Katzenbesitzer, dass ihre Mieze unters Messer muss. Außerdem müssen die Tiere gechippt bzw. tätowiert werden, sofern sie nach draußen dürfen.

Auf Antrag wird bei Rassenkatzen, die Zuchtzwecken dienen, eine Ausnahme gemacht. Verstöße können mit einer Geldbuße von bis zu 5.000 Euro geahndet werden. Als Katzenhalter gilt nach der Verordnung auch, „wer freilaufenden Katzen regelmäßig Futter zur Verfügung stellt“.

Eine Kontrolle seitens des Ordnungsamtes gebe es aber nicht, so von der Bey: „Wie sollte das auch funktionieren?“ Allerdings würde es hin und wieder Hinweise aus der Bevölkerung geben: „Wir sind den Fällen dann nachgegangen und haben die Halter davon überzeugen können, wie sinnvoll eine Kastration ihrer Katzen ist.“

Ansonsten sei die Verordnung vor allem als Appell zu verstehen, so von der Bey: "Wir hatten bei deren Inkrafttreten gleich die umliegenden Tierärzte informiert und sie gebeten, die Katzenhalter auf das Thema aufmerksam zu machen.“ Das Feedback der Tierärzte sei durchweg positiv gewesen. Viele Katzenbesitzer seien erst in der Tierarzt-Praxis für die Problematik sensibilisiert worden: „Den meisten war gar nicht bewusst, was sie anrichten, wenn sie ihre Katzen unkastriert draußen herumlaufen lassen.“

Initiative bemüht sich um kreisweite Kastrationspflicht

Seit Jahren bemüht sich die "Initiative Katzenschutzverordnung Landkreis Stade" um eine kreisweit geltende Kastrationspflicht. Laut Auskunft der Tierschutz-Aktivistin Cornelia Haak sind Gespräche mit der Kreisverwaltung über dieses Thema bisher erfolglos geblieben. Sie und ihre Mitstreiter von der Initiative kümmern sich seit Jahren darum, dass verwilderte Katzen kastriert werden. Die Kosten dafür bekamen die Tierschützer bislang nicht erstattet.

Die Initiative hofft, dass weitere Kommunen dem Beispiel Apensens folgen, wenn schon keine Regelung für den gesamten Landkreis möglich ist. Anläufe in anderen Kommunen scheiterten aber bislang: So lehnte der Harsefelder Rat 2014 einen Antrag der Grünen auf Einführung der Katzen-Kastrationspflicht ab. Nach WOCHENBLATT-Informationen wollen die Grünen in diesem Jahr einen weiteren Versuch starten.

Landesweite Aktion in Niedersachsen: Kastration gegen Katzen-Elend

Die Zahl der streunenden Katzen in Niedersachsen soll mit Hilfe einer Kampagne reduziert werden, die das Landwirtschaftsministerium in der vergangenen Woche gestartet hat. Bis zum 15. März können freilebende, verwilderte Katzen kostenlos kastriert werden. Das Angebot richtet sich vor allem an Tierheime, Ehrenamtliche im Tierschutz und Betreuer von Futterstellen: Sie können die eingefangenen Streuner-Katzen zu jedem Tierarzt bringen, der sich an der Aktion beteiligt. Die Kosten für die Kastration übernimmt das Land. Das gilt allerdings nicht für Katzenhalter, die ihr eigenes Tier kastrieren lassen wollen.

In Ausnahmefällen können auch Privatleute verwilderte Katzen gratis behandeln lassen. Sie müssen allerdings schriftlich erklären, dass es sich um ein herrenloses Tier handelt, das nur zum Zweck der Kastration eingefangen wurde und anschließend und wieder freigelassen wird. Außerdem ist der Personalausweis vorzulegen. Nach der Operation übernehmen die Katzenbetreuer die Nachpflege, bis es der Gesundheitszustand der Katzen zulässt, sie an ihrem angestammten Ort wieder frei zu lassen.

Für die Aktion, die eine weitere unkontrollierte Vermehrung von Katzenpopulationen verhindern soll, stellt das Ministerium 200.000 Euro bereit. Der Deutsche Tierschutzbund sowie die Tierschutzorganisation Tasso stocken den Fonds mit jeweils 15.000 Euro auf. Ziel ist es, bis zum 15. März landesweit rund 2.600 Katzen kastrieren zu lassen. Die Tierärztekammer Niedersachsen übernimmt die gesamte Abwicklung und die Abrechnung mit den Tierarztpraxen.
„Mit dem Kastrationsprojekt wollen wir auch Tierheime und Tierschutzvereine bei der Betreuung von freilebenden Katzen finanziell entlasten. Oftmals haben sie nicht die dringend notwendige Unterstützung der Kommunen, in deren Aufgabenbereich eigentlich die Betreuung obdachloser Katzen fällt“, so die Landesbeauftragte für Tierschutz, Michaela Dämmrich.

An die Städte und Gemeinden wendet sich auch Dieter Ruhnke, niedersächsischer Landesvorsitzender des Deutschen Tierschutzbundes, mit seinem Appell, Katzenhalter per Ortssatzung zur Kastration ihrer Tiere zu „verdonnern“. Denn auch die sogenannten „Freigänger“ seien ein Problem, da sie sich mit verwilderten Katzen paaren und für eine weitere unkontrollierte Vermehrung sorgen würden. Laut Ruhnke sind von den registrierten 390.000 Hauskatzen in Niedersachsen rund 65.000 nicht kastriert.

• Ausführliche Infos gibt es unter www.tknds.de.

Auch Hauskatzen müssen in Apensen kastriert werden, sofern sie "Freigänger" sind  Foto: wd
Nicht allen Katzen geht so gut wie dieser "Mieze"
Autor:

Jörg Dammann aus Stade

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Panorama
2 Bilder

10. Mai: die Corona-Zahlen im Landkreis Harburg
234 aktive Fälle: Weniger gab es zuletzt vor einem Monat

(sv). Der Landkreis Harburg meldet am heutigen Montag, 10. Mai, 234 aktive Fälle. Weniger verzeichnete der Landkreis zuletzt am 12. April (225). Der Inzidenzwert ist heute wieder leicht gesunken, von 68,0 am Sonntag auf 66,8 am Montag. Seit Ausbruch der Pandemie waren im Landkreis Harburg insgesamt 6.343 Menschen am Coronavirus erkrankt (+/-0), davon sind bislang 6.002 wieder genesen (+29). Die Zahl der Corona-Toten bleibt konstant bei 107. In den Kommunen bleiben die Inzidenzwerte weitgehend...

Politik

Diskussion um Endlagersuche geht weiter

(bim/nw). Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) mbH hat mit ihrem Zwischenbericht im September 2020 Teilgebiete ausgewiesen, die im Rahmen der Standortsuche für ein Endlager für hochradioaktive Abfälle weiter betrachtet werden sollen. 54 Prozent des Bundesgebietes gelten als Teilgebiete. Wie berichtet, kommen auch Gebiete im Landkreis Harburg von der Geologie her infrage - aufgrund der Wirtsgesteine Salz, Ton und Granit. Das sind u.a. Otter-Todtshorn, Egestorf-Soderstorf,...

Sport
Vereinsvertreter mit Sponsoren, vor dem Punktspielbetrieb noch ohne Schläger (v. li.): Gerhard Bogda, Jens Kohnen, Tim Grandorff, Rita Schoop, Platzwart Erwin Kohnen und Bürgermeister Hans-Jürgen Steffens. Alle Personen auf dem Foto sind geimpft

MTV Moisburg
Tennis-Punktspielbetrieb jetzt ohne Kullerbälle

bim. Moisburg. Die Freude in der Tennisabteilung des MTV Moisburg ist riesig: Pünktlich vor dem Corona-bedingt auf Ende Mai verschobenen Punktspielbeginn sind zwei der vier Tennisplätze komplett saniert. Möglich wurde das durch die finanzielle Beteiligung des MTV, der Gemeinde und des Kreissportbundes. Von den vier Plätzen waren zwei im Laufe der Jahre derart abgesackt, dass es bis zu 30 Zentimeter Gefälle gab, berichtet Tennisabteilungsleiter Tim Grandorff. "Die Bälle kugelten in eine Ecke....

Wirtschaft
Auch alle WOCHENBLATT Stellenanzeigen aus Buchholz, Buxtehude, Stade, Winsen und Umgebung  landen im  Jobportal www.sicherdirdenjob.de
3 Bilder

Online Jobportal vom WOCHENBLATT
Mit www.sicherdirdenjob.de erfolgreich Personal finden

Ob Auszubildender, Mitarbeiter, Fach- oder Führungskraft - schneller und effizienter geht die Jobsuche kaum: Unter www.sicherdirdenjob.de werden regelmäßig mehr als 11.000 freie Stellen von Unternehmen aus der Region Bremen, Oldenburg, Hannover und Hamburg aufgezeigt. Gemeinsam mit weiteren Kooperationspartnern bietet die WOCHENBLATT Gruppe mit der Onlinebörse ein umfassendes regionales Stellenportal, dass Bewerber aus dem Raum Hamburg und Bremen anspricht! Das heißt: Jede Anzeige, die im...

Service

Wichtige Mail-Adressen des WOCHENBLATT

Hier finden Sie die wichtigen Email-Adressen und Web-Adressen unseres Verlages. Wichtig: Wenn Sie an die Redaktion schreiben oder Hinweise zur Zustellung haben, benötigen wir unbedingt Ihre Adresse / Anschrift! Bei Hinweisen oder Beschwerden zur Zustellung unserer Ausgaben klicken Sie bitte https://services.kreiszeitung-wochenblatt.de/zustellung.htmlFür Hinweise oder Leserbriefe an unsere Redaktion finden Sie den direkten Zugang unter...

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen