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Post-Ärger: Viele Reaktionen auf WOCHENBLATT-Artikel über Zustell-Chaos in Stade

jd. Landkreis. Das Briefgeheimnis ist in unserem Land ein hohes Gut. Wer es verletzt, kann mit einem Jahr Gefängnis bestraft werden. Vor diesem Hintergrund ist es umso unverständlicher, wie die Post oftmals mit Briefen umgeht. Immer wieder erreichen das WOCHENBLATT Beschwerden wegen falsch zugestellter oder verschwundener Sendungen. Einmal angenommen, es wäre auch strafbar, Briefe falsch zuzustellen, würde wohl ein Teil der Post-Belegschaft in Haft sitzen. Zuletzt hatten wir in der vergangenen Samstag-Ausgabe über den Fall von Jens. S.* berichtet. Der Stader ärgert sich seit Längerem über "Irrläufer". Der Artikel rief eine große Resonanz hervor. Die Redaktion erreichten zahlreiche Zuschriften, in denen unsere Leser - darunter etliche aus Stade - die negativen Erfahrungen von Jens S. bestätigen. Manche ärgern sich auch über die überhebliche Reaktion des Postsprechers. Das WOCHENBLATT gibt hier einige Leserreaktionen wieder.


Ärger mit der Briefzustellung

Darum geht es:
Jens S. hat sich in dem Bericht darüber beklagt, dass an Nachbarn adressierte Briefe wiederholt in seinem Postkasten steckten. Seine Post wiederum landete an einer Adresse, wo sich der Straßenname gänzlich von seiner Anschrift unterscheidet. Den Beteuerungen des Post-Kundenservice, Abhilfe zu schaffen und den Service zu verbessern, schenkt S. mittlerweile keinen Glauben mehr.

Das sagen die Leser dazu:
• Wie Jens S. wohnt auch Garnet Hochmuth im Stader Ortsteil Wiepenkathen. Sie teilt dessen Erfahrungen: "Auch wir haben immer mal wieder falsche Post im Kasten. Auch ich bin eine derjenigen, die diese Sendungen dann an den richtigen Empfänger weitergibt. Allerdings mache ich mir jetzt schon so meine Gedanken, was denn mit unserer Post passiert, die falsch zugestellt wird. Wer garantiert mir, dass wir alle Briefe erhalten? Ich bin genau wie Jens S. sehr enttäuscht von der Deutschen Post."

• Ebenfalls aus Wiepenkathen stammt die Rückmeldung von Maren von Ass:
"Gestern erhielten wir wieder die Post unseres Nachbarn. Als wir vor rund drei Monaten zum ersten Mal fremde Post im Briefkasten hatten (drei Briefe für drei verschiedene Empfänger), stellten wir am folgenden Tag den Zusteller zur Rede. Er versprach, in Zukunft sorgsamer zu sein. Kurz darauf kam dann noch eine Zeitschrift, die in die Nachbarstraße gehörte. Gestern kam dann die Post unseres Nachbarn zu uns. Jetzt trage ich die Post an die richtigen Empfänger, obwohl ich dafür kein Geld bekomme."

• Aus Haddorf, einem anderen Stader Stadtteil, meldet sich Thomas Ohsenbrügge. Er ärgert sich darüber, dass regelmäßig Briefe falsch zugestellt werden, seitdem sein langjähriger Postbote in Rente gegangen ist: "Etwa alle zwei Wochen haben wir Briefe, Zeitschriften oder Werbung im Kasten, die nicht für uns bestimmt sind. Mal stimmt nur die Hausnummer, mal die Straße und mal überhaupt nichts. Der Rekord liegt bei sechs falsch zugestellten Sendungen in unserem Briefkasten an einem Tag."

• Schlechte Erfahrungen mit der Post hat ein weiterer Stader gemacht: "Wir fühlen uns mittlerweile als Hilfskräfte der Post", schreibt Ronald Kotzur. "Gerade erst hat mir eine Nachbarin einen an mich adressierten Brief überreicht, in der bestellte Ware war. Wir haben auch schon Briefe in der Nachbarschaft verteilt, da der Postbote augenscheinlich komplett überfordert ist."

• Die Mängel bei der Postzustellung in Stade nimmt auch Stephan Somitsch aufs Korn. Auch er vermisst seinen "alten" Postboten, der verlässlich gewesen sei. Doch seit anderthalb Jahren werde die Post von immer anderen Personen zugestellt: "Wir finden regelmäßig Post in unserem Briefkasten, die für unsere Nachbarn bestimmt ist. In diesen Fällen übernehmen wir dann den Job des Briefträgers." Kürzlich habe er die Post persönlich in Empfang genommen: "In der Post war ein Brief für einen anderen Adressaten." Er habe den Briefträger auf die völlig verschiedenen Straßennamen hingewiesen: "Als Antwort erhielten wir den Hinweis, dass die Hausnummer doch identisch sei. Offensichtlich scheint dies das wesentliche Zustellkriterium zu sein."

• Und noch einmal Stade: "Seitdem unser langjähriger Postbote ausgetauscht wurde, läuft hier alles schief", beklagt sich Dirk Rogge. So würden die Zusteller immer wieder die Hausnummern verwechseln. "Oft werden Briefe auch als unzustellbar zurückgeschickt." Er habe sich deswegen bereits an die Beschwerdestelle gewandt - ohne Erfolg. Es gebe eine Aushilfs-Postbotin, die zuverlässig sei: "Diese habe ich angesprochen. Sie erklärte mir, dass sich schon mehrere Mieter beschwert hätten. Aber ändern tut sich nichts."

• Fast schon ein wenig schmunzeln kann man über den Bericht von Andre Schmidt aus Neu Wulmstorf zum Thema Zustellungs-Chaos bei der Post: "Seit Beginn des Jahres habe ich meine Post nicht oder nur verspätet erhalten - darunter Gehaltsabrechnungen oder abonnierte Zeitungen, bei denen man genau weiß, dass sie zu einem bestimmten Datum abgesendet werden."
Eines Tages habe er dann auf seiner Post einen kleinen Klebezettel entdeckt. "Da stand sinngemäß drauf: 'Sehr geehrter Herr Schmidt, seit einigen Wochen stellen wir Ihnen Ihre Post zu, die immer wieder in unserer Praxis landet. Könnten Sie sich nicht mal bei der Beschwerdestelle der Post melden, um diese Fehlzustellungen zu beenden? Mit lieben Grüßen, die Zahnarztpraxis ...' Dafür gab es natürlich einen Strauß Blumen und ein Eis-Gutschein für die Zahnarztpraxis, obwohl ich ja für das Dilemma nichts konnte."
Seine Anrufe bei der Beschwerdestelle seien zunächst erfolglos geblieben, so Schmidt: "Ich bin dann immer zum Zahnarzt gegangen, um meine Post zu holen. Das war fast schon ein Running Gag."Erst nach zwei weiteren Beschwerde-Anrufen laufe es etwas besser.

Harsche Kritik am Postsprecher

Darum geht es:
Wir hatten die Post um eine Stellungnahme zum Fall Jens S. und um die Beantwortung mehrerer Fragen gebeten. Eine schriftliche Antwort erhielten wir nicht. Stattdessen rief ein Pressesprecher der Deutschen Post an und erklärte in genervtem Unterton: "Hallo, das sind doch nur Briefe." Es handele sich ja nicht um Einschreiben. S. habe offenbar eine "sehr, sehr hohe Erwartungshaltung." gegenüber der Post, so der Sprecher. Mit der Zustellung in Stade gebe es sonst keine Probleme.

Das sagen die Leser dazu:
• Diese Aussage kritisiert Stephan Somitsch mit deutlichen Worten: "Der Postsprecher sollte bitte zur Kenntnis nehmen, dass die Kunden meines Erachtens keine sehr, sehr hohe Erwartungshaltung haben. Sie erwarten nur, ihre Post in einem adäquaten Zeitraum zu erhalten. Das kann doch nicht so schwierig sein. Schließlich hat der Absender auch für die Zustellung bezahlt– und zwar zu regelmäßig steigenden Preisen. Vielleicht sollte sich der Sprecher mal bei seinen Kunden umhören, anstatt die berechtigte Kritik zu ignorieren."

• Ronald Kotzur weist darauf hin, dass auch mit "normalen" Briefen wichtige Dinge verschickt werden. Er fragt sich: "Was ist, wenn eine Kreditkarte in falsche Hände gerät, die mit der Post verschickt wird? Und wer haftet, wenn die Post den gesonderten Brief mit der PIN der Karte ebenfalls falsch zustellt?"

• Die gleiche Meinung vertritt Heidrun Jahn: "Was für eine arrogante Antwort von der Post, dass es ja nur Briefe sind - dem möchte ich vehement widersprechen! Bei uns waren Kontoauszüge und Gehaltsabrechnungen bei einem Nachbarn im Briefkasten gelandet. Wie schnell macht man einen Brief auf, der im eigenen Postkasten war, ohne genau auf die Adresse zu schauen. Das finde ich nicht mehr so lustig. Wie steht es da mit Datenschutz?"

• Als "beschämend und dumm" bezeichnet Silke Rudelsberger die Antwort des Post-Pressesprechers: "Dienstleistung sieht für mich anders aus. Und ja, auch unsere Erwartungshaltung gegenüber der Post ist hoch. Denn jeder, der Post in einen Briefkasten wirft, sollte lesen und abgleichen können." Sie berichtet ebenfalls von einem laschen Umgang der Post mit sensiblen Schreiben: "Auch wir hatten jetzt zwei nicht an uns adressierte Briefe im Briefkasten. In einem der Umschläge befand sich eine Karte von der Sparkasse. Da wir unsere Nachbarschaft gut kennen, haben wir die Briefe an den Adressaten weiter geleitet und somit Missbrauch verhindert."

Nur einmal gibt es Lob

Und zu guter Letzt: Bei allen negativen Rückmeldungen soll sie nicht verheimlicht werden - die einzige Zuschrift, in der über positive Erfahrungen mit Post berichtet wird: "Wir können nur ein Lob aussprechen", schreibt Heike Brümmer: "Unser Briefträger ist engagiert und höflich. Wir merken ihm an, dass er Spaß an seinem Beruf hat. Hoffentlich bleibt er uns noch lange erhalten."