Neue Autohof-Pläne an der Autobahn 7

Der Entwurf zeigt das Hauptgebäude auf dem Areal des Auto-Reise-Centers (ARC)
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  • Der Entwurf zeigt das Hauptgebäude auf dem Areal des Auto-Reise-Centers (ARC)
  • Foto: Nanz-Gruppe
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Nanz-Gruppe plant Auto-Reise-Center mit bis zu 80-Zimmer-Hotel.

(mum). Dem kleinen Egestorfer Ortsteil Döhle (knapp 350 Einwohner) in der Samtgemeinde Hanstedt steht ein großes Projekt bevor: Die Nanz-Gruppe aus Stuttgart möchte auf einer 143.000 Quadratmeter großen Fläche direkt an der Autobahn-7-Abfahrt Evendorf ein Auto-Reise-Center (ARC) bauen. Bis zu 20 Millionen Euro sollen investiert werden und 80 Arbeitsplätze entstehen. "Unter anderem ist ein Hotel mit bis zu 80 Betten geplant", sagt Helmut Demmer von "DemmerConsult". Auch die Ansiedlung von Gewerbe sei denkbar. Laut eigenen Angaben ist Demmer als freier Berater für die Nanz-Gruppe tätig und damit beauftragt, an mehreren Standorten in Deutschland so genannte ARC-Anlagen umzusetzen. Im Zuge eines Scoping-Termins sollen am heutigen Mittwoch Gemeinde, Samtgemeinde und Landkreis über die konkreten Pläne informiert werden. Bürger, die sich über das Projekt informieren möchten, haben dazu im Zuge der Bauausschuss-Sitzung Gelegenheit. Sie beginnt am Mittwochabend, 20. Februar, um 20 Uhr im Hotel "Hof Sudermühlen" (Sudermühlen 1).
Wer nun das Gefühl eines Déjà-vus hat, irrt nicht. Bereits vor gut zehn Jahren gab es Pläne, auf dem Areal einen riesigen Autohof anzusiedeln. Der Gemeinderat stimmte dem Projekt zu, das von der WLH (Wirtschaftsförderung im Landkreis Harburg GmbH) vermittelt worden war. Ein noch immer rechtskräftiger B-Plan wurde verabschiedet.
Damals formierte sich massiver Bürgerprotest gegen die Pläne des damaligen Eigentümers, den US-amerikanische Mineralölkonzern "Flying J". Der Streit endete im Sommer 2010 vor dem Oberverwaltungsgericht in Lüneburg. Das Gericht ließ damals keine Zweifel daran, dass es die Fläche für ein solches Bauvorhaben für ideal hält. Gegen den Bau des Autohofs geklagt hatten Anwohner aus Döhle und Evendorf. Unter anderem monierten sie den Bebauungsplan sowie die Baugenehmigung, die der Landkreis Harburg erteilt hatte.
Doch trotz des positiven Urteils rückten die Bagger nicht an, da das US-Unternehmen seine Europa-Pläne stoppte und sich nur noch auf den US-Markt konzentrierte. Ende 2018 erwarb laut Demmer die Nanz-Gruppe unter anderem fünf Flächen, auf denen nun überarbeitete Autohof-Pläne realisiert werden sollen.

"Raststätte der Zukunft"

Helmut Demmer von "DemmerConsult" sieht sich in einer komfortablen Situation. "Es besteht ein gültiger B-Plan für einen Autohof. Den könnten wir jederzeit umsetzen", so Demmer. Als freier Berater soll er im Namen der Nanz-Gruppe aus Stuttgart ein Auto-Reise-Center (ARC) an der Autobahn-7-Abfahrt Evendorf (Samtgemeinde Hanstedt) realisieren. "Doch das wollen wir nicht." Sein Auftraggeber plane eine "Anlage der Zukunft". Dafür allerdings benötigt er die Zustimmung der Gemeinde. Und die steckt nun in der Zwickmühle.
Der Gemeinderat hatte vor gut zehn Jahren keine Bedenken, einem Mega-Autohof (unter anderem ein Gebäudekomplex mit 1.900 Quadratmetern, 204 kostenpflichtige Lkw-Stellplätze, 160 Pkw- und Wohnmobilstellplätze sowie eine Tankstelle mit jeweils zwölf Lkw-Tankspuren und Pkw-Zapfsäulen sowie einer Spielhalle) zuzustimmen. Nach dem Rückzug des US-Konzern "Flying J" aus dem europäischen Markt geschah auf dem Areal zwar nichts mehr. Doch das Unternehmen beantragte 2013 und 2016 die Verlängerung der Baugenehmigung beim Landkreis - mit Erfolg. "Wir haben es versäumt, hier tätig zu werden", räumt Marco Schreiber, Bürgermeister der Gemeinde Egestorf, ein. Allerdings habe es auch seitens der damals sehr aktiven Bürgerinitiative keine Hinweise gegeben. "Als Gemeinde hätten wir den B-Plan, der sieben Jahre nicht umgesetzt wurde, abändern können", so Schreiber. Das bedeutet, dass Egestorf seit 2015 die Möglichkeit gehabt hatte, jederzeit einen Aufstellungsbeschluss zur B-Plan-Änderung zu beschließen. "Dies ist nicht erfolgt. Sicherlich nicht, weil wir es nicht wollten, sondern weil den ehrenamtlichen Ratsfrauen und -herren dieser Umstand einfach nicht präsent war", so Schreiber ehrlich.
Theoretisch könnten schon morgen die Bagger anrollen, wenn der neue Investor das alte Konzept umsetzen würde. "Doch das ist nicht der Fall", so Demmer. "In Döhle soll kein normaler Autohof entstehen." An insgesamt fünf Standorten laufen derzeit die Planungen für die Auto-Reise-Center. Für ein ähnliches Projekt an der Autobahn-7-Abfahrt Bockenem erteilte der zuständige Rat im April 2018 die Genehmigung. Besonder auffällig sei ein "als futuristischer Baukörper" erscheinendes zweigeschossiges Hotel mit bis zu 80 Zimmern. Wie viele Pkw- und Lkw-Plätze entstehen sollen, möchte Demmer erst am heutigen Mittwoch offiziell mitteilen. Zum Vergleich: Laut Medienberichten sollen es in Bockenem 230 Pkw- und 130 Lkw-Stellplätze sein. In Döhle kämen Gastronomie, eine Tankstelle für Pkw und Lkw sowie ein Tankstellen-Shop hinzu.
Aus der Sicht von Demmer handelt es sich bei dem Projekt um eine Anlage der Zukunft. "Es wird eine Photovoltaikanlage geben, ebenso Ladestation für E-Fahrzeuge." Er könne sich zudem vorstellen, dass auch Gewerbe angesiedelt wird. "Die uns zur Verfügung stehende Fläche reicht dafür aus", so Demmer.
Bürgermeister Marco Schreiber möchte zuerst die Präsentation abwarten. "Ich hätte mir gewünscht, dass das Unternehmen eher auf uns zukommt. Wir hätten dann die Bürger rechtzeitig und besser informieren können." In den vergangenen Jahren habe es zwar Interessenten für das Areal gegeben, "aber es wurde nie konkret". Schreiber betont, dass er den vor fast zehn Jahren beschlossenen B-Plan heute nicht mehr unterstützen würde. "In der vergangenen Jahren hat sich in unserer Gemeinde viel getan." Unter anderem sei das Gewerbegebiet am Rande Egestorfs nahezu komplett verkauft, ein zweites Gewerbegebiet nahe der Autobahn sei in Planung. So sehen es auch Christian Sauer (UWE) und Ingo Rieckmann (Bündnis 90/Die Grünen), die mit ihrem Antrag im Bauausschuss eine Veränderungssperre erreichen wollen. "Ideen und teilweise auch schon Umsetzungen gehen alle in Richtung Tourismusförderung beziehungsweise Verschönerung der Dörfer unserer Gemeinde. Somit passt das Sondergebiet nicht mehr zum Gesicht der Gemeinde." Für Schreiber könnte allerdings eine Kombination aus Hotel, Autohof und Gewerbeansiedlung interessant sein. "Ich denke, wir müssen uns darüber im klaren sein, dass die Fläche kein Acker bleiben wird", so der Bürgermeister.

Nanz-Gruppe Stuttgart
Die Nanz-Gruppe Stuttgart hat über ihre Immobiliengesellschaft ARC-Deutschland GmbH von der  amerikanischen Gesellschaft "Flying J" Anfang Dezember 2018 die drei Autohof-  Projektentwicklungen BAB A 2 (Bornstedt), BAB A7 (Evendorf) und BAB A 9 (Naumburg- Unterkaka) mit einer Grundstücksfläche von insgesamt 335.104 Quadratmetern erworben. Mit dem Erwerb der Liegenschaften und der anstehenden ARC-Autohof- Projektentwicklung sei die Nanz-Gruppe bereit, nachhaltig in die jeweiligen Gemeinden zu investieren, um mit ihren Vertragspartnern für wirtschaftlichen Erfolg zu sorgen und um gesicherte Arbeitsplätze zu schaffen, teilt Helmut Demmer mit.

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