Paul Niedermeyer spielte Klavier-Konzert bei Bossard
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Nicht jede bemerkenswerte musikalische Leistung findet auf einer großen Bühne statt.
Als sich Paul Niedermeyer im vergangenen Jahr mit einer kurzen E-Mail bei unserem Projekt „Talentschuppen Jesteburg” bewarb, war noch nicht absehbar, was daraus werden würde. Es folgten Interviews, Gespräche, Begegnungen – und die Gewissheit, dass hier ein außergewöhnliches Talent heranwächst. Nicht in Hamburg, Berlin oder München, sondern bei uns in Jesteburg. Am Sonntagabend konnte ich erleben, wie sich das bestätigte.
Kurz vor Konzertbeginn stand ich im Kunsttempel der Kunststätte Bossard. Die Stuhlreihen waren noch leer, das Licht fiel gedämpft durch die hohen Fenster. Am Klavier saß Paul Niedermeyer und spielte sich ein – noch ohne Publikum, ohne Applaus, er hatte mich zunächst nicht mal bemerkt.
Ich habe diesen Moment in einer kurzen Videoaufnahme festgehalten. Während die ersten Töne durch den leeren Raum schwebten, wurde mir etwas bewusst, woran man im Kulturbetrieb selten denkt: Bevor ein Talent sichtbar wird, bevor Förderung, Anerkennung und Auftritte folgen, steht für den Künstler oft ein solcher stiller Moment am Anfang. Dann füllte sich der Tempel, und Paul begann sein Konzert.
Was viele Besucher an diesem Abend vermutlich nicht wussten: Seine musikalische Geschichte reicht weit zurück. Er wurde im Januar 2010 in Hamburg in eine musikalische Familie hineingeboren – der Großvater Pianist, der Bruder komponiert, die Mutter singt. Als Kind lebte er mehrere Jahre mit seiner Familie in Moskau und konnte dort an der Musikschule des legendären Pianisten Emil Gilels lernen.
Heute lebt Paul wieder in Jesteburg und ist Schüler an der Horizonta. So wirkt sein Auftritt im Kunsttempel auf mich wie die Fortsetzung einer Geschichte, die schon viel früher begann. Das Programm war anspruchsvoll: Bach, Rachmaninoff, Chopin und Liszt – Stücke, an denen auch erfahrene Pianisten wachsen.
Beeindruckt hat mich an diesem Abend aber nicht nur die technische Qualität seines Spiels, sondern seine Konzentration, seine Ernsthaftigkeit und die Selbstverständlichkeit, mit der er die Musik sprechen ließ. Paul spielte das gesamte Konzert auswendig: über eine Stunde lang, kein einziges Notenblatt – von Bachs klarer Architektur über Chopins romantische Klangwelten bis zur virtuosen Ungarischen Rhapsodie Nr. 2 von Franz Liszt. Wer selbst musiziert, weiß, welche Leistung hinter dieser scheinbaren Leichtigkeit steckt. Am Ende gab es hochverdienten Applaus und ich glaube, auch das Publikum war sich sicher: Von Paul werden wir noch viel hören.
Bemerkenswert war aber auch das (nicht musikalische) Zusammenspiel aller Beteiligten: Die Kunststätte Bossard stellte mit ihrem Kunsttempel dem jungen Künstler einen außergewöhnlichen Rahmen zur Verfügung. Die Horizonta begleitet Paul auf seinem schulischen Weg und sorgte an diesem Abend sogar für das Instrument. Besonders gefreut hat mich, dass wir Paul im Verlauf des Projekts an die Musikstiftung Entrée vermitteln konnten. Sie wurde von Jean-Jacques Kravetz gegründet, einem prägenden deutschen Rock- und Jazzmusiker, bekannt durch Frumpy, Atlantis und seine langjährige Zusammenarbeit mit Udo Lindenberg. Durch die Förderung erhält Paul für zwei Semester professionellen Klavierunterricht und zusätzliche Unterstützung auf seinem weiteren Weg. Gerade für junge Künstler können solche Begegnungen entscheidende Türen öffnen.
Und wir von der Naturbühne Jesteburg konnten ein kleines Stück dazu beitragen, dass aus einer Bewerbung ein Konzert wurde, das in Erinnerung bleibt.
Ein besonderer Dank geht an unseren Sponsor „Sparkasse Harburg”, ohne dessen Unterstützung das Projekt „Talentschuppen” gar nicht hätte realisiert werden können.
Michael Ortmueller
2. Vorsitzender
Naturbühne Jesteburg e.V.
Leserreporter:Naturbühne Jesteburg e.V. aus Jesteburg |
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