Von der utopischen Vision zum musterhaften Bau
Sonderausstellung „100 Jahre Kunsttempel“ in der Kunststätte Bossard
- Ausstellungseröffnung im Neuen Atelier des Museums mit Dr. Hans-Heinrich Aldag (v. li.), Katharina Groth und Regine Kracht (kuratorische Assistenz)
- Foto: Museum Kunststätte Bossard
- hochgeladen von Heidi Goch-Lange
Mit auffälligen, dreieckigen Dachgauben, polychrom gefassten Fensterscheiben und Kleinplastiken an der Fassade hat der Künstler Johann Michael Bossard ein höchst ungewöhnliches Bauwerk geschaffen. Sein Kunsttempel bildet den Mittelpunkt des von ihm geschaffenen Gesamtkunstwerks. Für das 1926 errichtete expressive Bauwerk setzte der Künstler gezielt Backstein zur Fassadengestaltung ein. Für eine belebte Oberfläche nutzte er insbesondere fehlgebrannte, verformte Klinker-Steine. Die neue Sonderausstellung „100 Jahre Kunsttempel“ im Neuen Atelier des Museums Kunststätte Bossard zeigt nun den Entstehungsweg dieses Bauwerks: von der verworfenen Idee bis zu dem tatsächlich umgesetzten Bau und der damit zusammenhängenden sozial-utopischen Vorstellung.
„Bereits seit 1907 entwickelte Johann Michael Bossard Gedanken zu visionärer „Tempelkunst“ als gesamtkünstlerisches Werk. In den folgenden Jahren skizziert er erste Tempelbauten, auch für die Schweiz. Ab 1923 konkretisierte sich sein Bauvorhaben - nun auf seinem eigenen Grundstück in der Nordheide. Erstmals beleuchtet unsere Ausstellung nicht nur den tatsächlich realisierten Kunsttempel, sondern auch die verworfenen Tempelgedanken. Außerdem ordnen wir Bossards Kunsttempel in den Kontext der zahlreichen visionären, zumeist jedoch nicht umgesetzten Bau- und Tempelideen seiner Zeitgenossen ein“, so Katharina Groth, künstlerische Leiterin des Museums und Kuratorin der Ausstellung.
Die mit von Dr. Hans-Heinrich Aldag als Mitglied des Stiftungsrates der Stiftung Kunststätte Johann und Jutta Bossard eröffnete Sonderausstellung wird bis zum 8. November 2026 täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr gezeigt und rekonstruiert den Weg von der ersten Idee über Skizzen und verworfene Pläne bis zur tatsächlichen Umsetzung ab 1926. Ausgestellt werden gezeichnete Entwürfe sowie reale Baupläne und historische Fotos u. a. aus der Bauzeit. Die Ausstellung bietet darüber hinaus Einblicke in die künstlerische Gestaltung sowohl der Außenfassade wie auch des Innenraums mit seinen drei Tempelzyklen. Neben Entwürfen aller drei Tempelzyklen werden aus dem Dritten Tempelzyklus großformatige Originalbilder präsentiert.
Mit der Ausstellung beteiligt sich das Museum am Hamburger Architektur Sommer 2026 und leitet eine Reihe besonderer Veranstaltungen im Kunsttempel ein, z. B. das Museumsfest am Sonntag, dem 21. Juni 2026, mit dem Festakt „100 Jahre Kunsttempel“. Weitere Informationen zur Ausstellung und den Veranstaltungen unter www.bossard.de
Redakteur:Heidi Goch-Lange aus Buchholz |
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