Zu blöd für den "Gelben Sack"?

Stefanie Tschauder brachte den Stein in Rollen. Sie kritisierte die Qualität der „Gelben Säcke“
  • Stefanie Tschauder brachte den Stein in Rollen. Sie kritisierte die Qualität der „Gelben Säcke“
  • hochgeladen von Sascha Mummenhoff

Ihren Ärger über die Qualität der „Gelben Säcke“ brachten zahlreiche Leser im WOCHENBLATT zum Ausdruck. Landrat Rainer Rempe nahm das zum Anlass, um den zuständigen Entsorgungsbetrieb auf die Kritik hinzuweisen. Jetzt liegt die Antwort vor: Offensichtlich scheinen nur die Nordheider mit der Qualität ein Problem zu haben. „Aus Lüneburg und anderen Kreisen gibt es kaum Beschwerden“, teilte die Willi Damm GmbH mit.

(mum). Es war vermutlich der Aufreger im Sommer! Unzählige E-Mails und jede Menge Zuschriften via Facebook hatten das WOCHENBLATT nach dem Bericht über Stefanie Tschauder (70) erreicht. Die Rentnerin aus Asendorf (Samtgemeinde Hanstedt) hatte mit ihrer Kritik an den „Gelben Säcken“ offensichtlich einen wunden Punkt getroffen. Das Material sei inzwischen so dünn, dass die Gelben Säcke bereits beim Befüllen reißen. „Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Säcke mir allein schon beim Trennen von der Rolle kaputt gingen“, so die Rentnerin damals. Schließlich nahm auch Landrat Rainer Rempe die Kritik ernst. Schriftlich informierte er den verantwortlichen Entsorgungsbetrieb - die Willi Damm GmbH - über die massive Kritik. „Da der Ärger an der Qualität der ‚Gelben Säcke‘ nicht zum ersten Mal auftritt, bitte ich Sie dringend, diese Beschwerden - auch im eigenen Interesse - ernst zu nehmen und die Qualität der aktuellen Charge zu überprüfen.“
Kürzlich flatterte die Antwort ins Haus. Das Schreiben im Wortlaut:
„Sehr geehrter Herr Landrat, für ihren Ärger haben wir absolut Verständnis, wenn wir die Angelegenheit von Ihrem Standort aus betrachten. Wir möchten Ihnen aber kurz unsere Sichtweise erläutern.
Als zuständiges Entsorgungsunternehmen haben wir uns im Rahmen einer Ausschreibung der Dualen Systeme vertraglich verpflichtet, die Einwohner mit den notwendigen Sammelsäcken für die Entsorgung der Verpackungsabfälle zu versorgen.
Das Fassungsvermögen und die Beschaffenheit der ‚Gelben Säcke‘ sind vertraglich vorgegeben. Je nach Folienart ist eine Stärke von 15 beziehungsweise 22 Mikrometer (1/1.000 Millimeter) vorgegeben. Zudem muss das Sackmaterial im Zugversuch nach DIN EN ISO 527 bei zehn Prozent Dehnung in beiden Orientierungsrichtungen sowie senkrecht zu den Schweißnähten einer Zugkraft von mindestens 0,15 Newton Meter Probenbreite standhalten. Diese Vorgaben erfüllen die im Landkreis Harburg zur Verfügung gestellten ‚Gelben Säcke‘. Die Prüfprotokolle der letzten Lieferungen können jederzeit bei uns eingesehen werden.
Die Qualität der Sammelsäcke wird nicht vom Entsorgungsunternehmen bestimmt. Unser Auftraggeber, die Dualen Systeme, schreiben in Absprache mit den Abfallbehörden des Landkreises die Sammelsysteme im Rahmen einer Ausschreibung vor. Die Vorgaben der aktuellen Verträge zur Einsammlung der ‚Gelben Säcke‘ besagen, dass im Landkreis Harburg eine Sacksammlung durchzuführen ist, deren Qualität, wie bereits zuvor erwähnt, vorgegeben ist. Eine Änderung dieser Ausschreibungsbestimmungen kann nur unser Auftraggeber (die Dualen Systeme) in Abstimmung mit dem Landkreis vornehmen.
Es sei der Hinweis gestattet, dass die ‚Gelben Säcke‘ auch in den Kreisen Herzogtum Lauenburg und Stormarn und der Stadt Lüneburg ausgegeben werden. Hier erhalten wir von den Bürgern nur vereinzelt Beschwerden.“

Kommentar

Der Landkreis hat es in der Hand
15 beziehungsweise 22 Mikrometer und 0,15 Newton Meter - kurz: ganz viel „Blabla“. Die Antwort der Willi Damm GmbH war offensichtlich. Natürlich halte man sich dort an die vertraglich vereinbarten Bestimmungen. Kaum vorstellbar, dass das Unternehmen von sich aus einräumt, dass die „Gelben Säcke“ in den Müll gehören. Immerhin zeigt der Entsorger aber den Weg aus der Krise: Bei der nächsten Ausschreibung muss Landrat Rempe handeln und eine bessere Qualität fordern. Oder die Konsequenzen ziehen. Die Alternative zu den Säcken sind Tonnen. In Hamburg werden sie bereits erfolgreich eingesetzt. Das dies hier noch nicht der Fall ist, wurde dem Landkreis bereits in den 1990er Jahren vom Dualen System aufgezwungen. Hoffentlich lernt man aus diesem Fehler.
Sascha Mummenhoff

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Autor:

Sascha Mummenhoff aus Jesteburg

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