"Bei uns werden keine Flüchtlinge misshandelt!"

Integration statt Überwachung, Freundschaft statt Ressentiments: Mitglieder der evangelischen Jugend Tostedt treffen sich mit Flüchtlingen
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Schockbilder entfachen Debatte über Flüchtlingsheime - aber: Im Landkreis Harburg gibt es keine Bedenken.

(mum). Ein schwarz gekleideter Sicherheitsmann, der seinen Schuh auf einen mit Handschellen gefesselten am Boden liegenden Flüchtling stemmt - dieses Foto entsetzt und empört die Menschen. Es ist ein Bild der Demütigung, aufgenommen in einem Flüchtlingsheim in Burbach (Nordrhein-Westfalen). Ein anderes Foto zeigt einen jungen Mann auf einer Matratze, die mit Erbrochenem verschmutzt ist.
Das zuständige Unternehmen „European Homecare“ betreibt im Auftrag der Landes sechs Flüchtlingsunterkünfte in Nordrhein-Westfalen und betont laut Medienberichten nun, der Sicherheitsdienst in Burbach sei ein privater Subunternehmer. In der Unterkunft in der ehemaligen Kaserne leben derzeit etwa 700 Menschen. Sie werden von dort auf die einzelnen Gemeinden im Land verteilt.
Die Bilder aus dem Heim werden zu einer Zeit öffentlich, in der fast täglich über die Ankunft neuer Flüchtlinge in Deutschland berichtet wird. Da die Kommunen überfordert sind, werden oft private Firmen beauftragt, die Einrichtungen zu betreiben - inklusive privater Sicherheitsfirmen. Kann so etwas wie in Nordrhein-Westfalen auch in den Unterkünften im Landkreis Harburg geschehen?
„Ich bin davon überzeugt, dass solche Vorkommnisse bei uns ausgeschlossen sind“, sagt Landkreis-Sprecher Johannes Freudewald. Bei dem Heim in Burbach handele es sich um eine Durchgangsunterkunft, von wo aus die Flüchtlinge auf die Kommunen verteilt werden. „Solche Einrichtungen gibt es im Landkreis Harburg nicht“, so Freudewald. „Davon abgesehen setzen wir auf Betreuung und Integration und nicht auf Überwachung.“ Sicherheitsfirmen seinen bislang noch nicht eingesetzt worden.
Ab einer Personenzahl zwischen 20 und 30 Personen würde der Landkreis einen Betreiber mit der Leitung der Unterkunft beauftragen. Dies sei in der Regel das Unternehmen „Human Care“, das laut eigenen Angaben 42 Gemeinschaftsunterkünfte im gesamten Bundesgebiet betreibt.
„Diese Unterkünfte haben jeweils einen festen Ansprechpartner. Zudem sind Sozialarbeiter im Einsatz“, erklärt Freudewald. „Wir sind davon überzeugt, dass Human Care einen hohen Qualitätsstandard hat.“ Unter anderem müssten die Mitarbeiter polizeiliche Führungszeugnisse vorlegen. Noch wichtiger sei Freudewald, dass sich in vielen Gemeinden zudem Bürger ehrenamtlich engagieren, um den Flüchtlingen die Integration zu erleichtern.
• Zuletzt hatte der Landkreis davor gewarnt, Sporthallen und andere öffentliche Gebäude als Flüchtlingsheime nutzen zu müssen, da die Kapazitäten erschöpft waren. „Inzwischen hat sich die Situation etwas entspannt“, so Freudewald. Dem Landkreis stehen in Neu Wulmstorf und Seevetal zwei Einrichtungen mit jeweils mehr als 100 Plätzen zur Verfügung. „In diesen großen Einrichtungen wird es dann auch eine 24-Stunden-Betreuung geben“, so Freudewald.
Dennoch: Der Landkreis ist weiterhin auf der Suche nach Unterbringungsmöglichkeiten. „Derzeit werden 50 Adressen geprüft“, so Freudewald. Aus Erfahrung wisse man aber, dass sich mehr als die Hälfte nicht eignen werde.

Autor:

Sascha Mummenhoff aus Jesteburg

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