Wahlkampf in Jesteburg
Fragen an die Samtgemeinde-BürgermeisterkandidatInnen
- Samtgemeinde-Bürgermeisterkandidatin Julia Reese (parteilos)
- Foto: Hauke Gilbert
- hochgeladen von Gabriele Poepleu
In der Samtgemeinde Jesteburg kandidieren mit Julia Reese und Christoph Kröger zwei Bewerber für das Amt der Samtgemeinde-Bürgermeisterin bzw. des Samtgemeinde-Bürgermeisters. Das WOCHENBLATT befragte beide zu ihrer Haltung gegenüber relevanten Punkten im Vorfeld der Wahl am 13. September 2026.
Frage 1: Themen wie der Neubau bzw. die Sanierung der Grundschule oder die Gewerbegebietserweiterung haben in den vergangenen Legislaturen aufgezeigt, wie sehr Verwaltung und Politik bzw. die Fraktionen einander misstrauen. Wie sähe Ihr Beitrag aus, Kräfte zu bündeln, um die Samtgemeinde konstruktiver voranzubringen?
Julia Reese (parteilos): "Grundsätzlich kann ich nicht bestätigen, dass ein generelles Misstrauen zwischen Politik und Verwaltung vorhanden ist. Hier kommt es auf den Einzelfall an. Zu einem eventuell bestehenden Misstrauen der Fraktionen untereinander kann ich Ihnen keine Rückmeldung geben.
Es hat sich jedoch gezeigt, dass vereinzeltes fehlendes Vertrauen zwischen Verwaltung und Politik Entscheidungen erschwert und Zeit kostet. Mein Ziel ist es, dieses Miteinander wieder zu stärken.
Dafür braucht es aus meiner Sicht vor allem Transparenz, einen frühzeitigen Austausch untereinander und eine klare Rollenverteilung. Die Verwaltung sollte die Politik frühzeitig und umfassend informieren, während die Fraktionen ihre unterschiedlichen Positionen offen und sachlich einbringen. Kritik gehört zur politischen Arbeit – sie sollte jedoch lösungsorientiert und respektvoll erfolgen.
Ich möchte dazu beitragen, dass wir uns stärker auf gemeinsame Ziele konzentrieren statt auf gegenseitige Vorbehalte. Am Ende erwarten die Bürgerinnen und Bürger zu Recht, dass Entscheidungen getroffen werden, die unsere Samtgemeinde sowie die Mitgliedgemeinden voranbringen. Das gelingt nur, wenn Verwaltung und Politik sich als Partner verstehen und gemeinsam Verantwortung übernehmen."
Christoph Kröger (parteilos): "Vertrauen entsteht nicht durch große Worte, sondern durch verlässliches Handeln. Als Samtgemeindebürgermeister kann ich meine Erfahrung als Ratsmitglied und meine berufliche Erfahrung in der Führung von Teams und komplexen Projekten einbringen. Ich kenne beide Seiten des Tisches und weiß, wie wichtig es ist, unterschiedliche Interessen zusammenzubringen, komplexe Themen verständlich aufzubereiten und Entscheidungen transparent vorzubereiten.
Die Aufgabe eines Samtgemeindebürgermeisters ist es, Menschen zusammenzubringen, gute Entscheidungen zu ermöglichen und die Verwaltung gut zu führen. Dafür braucht es Führungsstärke, Kommunikationsfähigkeit und den Willen, Verantwortung zu übernehmen - diese Eigenschaften bringe ich mit.
Mir ist aber noch etwas anderes wichtig: Wir brauchen ein gemeinsames Bild davon, wie sich unsere Samtgemeinde in den nächsten Jahren entwickeln soll. Daraus ergeben sich klare Ziele und Prioritäten. Wenn wir wissen, wohin wir wollen, fallen Entscheidungen leichter und Projekte können frühzeitig vorbereitet werden. Ich vergleiche das gerne mit einer Reise: Wenn alle das Ziel kennen, finden wir auch einen anderen Weg, wenn eine Straße einmal gesperrt ist."
2. Angesichts der nach wie vor angespannten Haushaltslage: Welche Ideen haben Sie bezüglich der drängenden Infrastrukturprobleme wie etwa marode Straßen?
Julia Reese (parteilos): "Die Haushaltslage wird auch in den kommenden Jahren angespannt bleiben, solange Bund und Land ihrer Verantwortung im Sinne des Konnexitätsprinzips nicht konsequent nachkommen. Wer den Kommunen zusätzliche Aufgaben überträgt, muss diese auch auskömmlich finanzieren. Solange dies nicht geschieht, fehlt den Gemeinden der notwendige finanzielle Spielräum, um dringend erforderliche Investitionen – etwa in die Sanierung von Straßen und weiterer Infrastruktur – in dem erforderlichen Umfang umzusetzen.
Die vorhandenen Mittel sollten gezielt eingesetzt und Investitionen nach Dringlichkeit priorisiert werden, damit die dringendsten Maßnahmen, trotz der schwierigen Haushaltslage, umgesetzt werden können.
Mittel- und langfristig kann die gezielte Ausweisung neuer Wohnbauflächen sowie die Schaffung weiterer Gewerbeflächen die finanzielle Lage der Gemeinden verbessern."
Christoph Kröger (parteilos): "Wir werden nicht alle Probleme gleichzeitig lösen können. Deshalb brauchen wir eine klare Priorisierung nach Dringlichkeit und Nutzen.
Öffentliche Gebäude wie z. B. unsere Schulen, Straßen, Laternen und Brücken müssen regelmäßig überprüft werden, damit Schäden früh erkannt und teure Folgekosten vermieden werden. Gleichzeitig müssen wir Fördermittel konsequent nutzen und Investitionen langfristig planen, statt nur auf akute Probleme zu reagieren. Eine solide Finanzpolitik bedeutet für mich, notwendige Infrastruktur zu erhalten und verantwortungsvoll mit dem Geld der Bürgerinnen und Bürger umzugehen.
Die schwierige Haushaltslage lösen wir allerdings nicht mit einer einzelnen Maßnahme. Es braucht ein Gesamtpaket: Fördermittel besser ausschöpfen, Kosten im Blick behalten, Verwaltungsabläufe effizient gestalten und darauf bestehen, dass Bund und Land die Aufgaben, die sie den Kommunen übertragen, auch ausreichend finanzieren.
Gleichzeitig sollten wir offen für neue Ideen sein. Es lohnt sich, regelmäßig zu prüfen, welche neuen Möglichkeiten sich für Kommunen ergeben – sei es durch Kooperationen, innovative Projekte oder neue Finanzierungsmodelle. Wichtig ist, dass wir jede Idee nach ihrem Nutzen für unsere Samtgemeinde bewerten und nicht vorschnell ausschließen."
Redakteur:Heidi Goch-Lange aus Buchholz |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.