Jesteburger Grüne: Für mehr Artenvielfalt
Landwirt Hartmann erklärt, wie's geht
- Landwirt Jochen Hartmann (Mi.) berichtete von seinen Erfahrungen, Petra Finnern und Christoph Kröger (beide Grüne) moderierten
- Foto: Karl-Heinz Glaeser
- hochgeladen von Gabriele Poepleu
Er berichtete vor allem von eigenen Erfahrungen - das kam beim Jesteburger Publikum gut an: Auf Einladung der Jesteburger Grünen erklärte Landwirt Jochen Hartmann aus Rettmer, wie man „Schritt für Schritt zu mehr Biodiversität“ in der Landwirtschaft gelangen kann - Inspirationen, die teilweise auch im Garten umgesetzt werden können. Das Thema scheint zu interessieren: Das Publikum im gut besuchten Heimathaus war nicht nur aus Jesteburg angereist.
Als überzeugter "Agroforstpionier" berichtete Hartmann zum Beispiel, wie er seinen Hühnern durch in Reihen gepflanzte Weiden und Pappeln einen lichten Schatten bietet. Gleichzeitig erhöht er damit das Blühangebot für Insekten. Seitdem habe deutlich weniger Verluste im Hühnerbestand durch Hitze, berichtet Hartmann. Denn die können Hühner nicht gut vertragen. Das gelte übrigens auch für Kartoffeln: Deren Blätter litten unter den immer stärker werdenden UV-Strahlen und kämen im lichten Pappelschatten gut klar.
Nützlinge wie Florfliegen und Marienkäfer freuen sich auf Jochen Hartmanns Hof über achtjährige Blühflächen. Er wies darauf hin, dass es viele Vorteile hat, diese Blühstreifen nicht jährlich umzupflügen, sondern längerfristig als Dammkulturen wachsen lassen. "Diese Anbaumethode ist zwar alt, aber bestens geeignet, die Bodenbelüftung zu verbessern und effizient Unkraut zu regulieren", so Hartmann. Durch den Kapillareffekt - das Wasser wird durch feinste Zwischenräume nach oben gesogen - trocknet der Damm nicht aus und die Pflanzen wachsen auch bei starkem Regen in „trockener“ Umgebung.
Doch es war von Hartmann auch Kritik zu hören: Der bürokratische Aufwand für die Maßnahmen sei hoch, nehme viel Zeit in Anspruch und fehle damit für die eigentliche landwirtschaftliche Arbeit. Er wünscht sich den "Vertragsnaturschutz" mit guter Beratung und kreativen Ansätzen zurück. Gut funktioniere dagegen die Beratung beim Gewässerschutz.
„Wir würden uns freuen, wenn einige der Ideen auch hier bei uns aufgegriffen werden, einfach, weil es überzeugt hat“, hofft Petra Finnern. „Herr Hartmann verkauft keine Ideologien, sondern erfreut sich daran, wenn er seine positiven Erfahrungen teilen kann – das war ein toller Abend“, sagte Christoph Kröger. Beim Publikum traf die Botschaft auf offene Ohren: Ein kräftiger Applaus bestätigte das. Wer nicht dabei sein konnte oder sich Hartmanns Ideen noch einmal vergegenwärtigen möchte, kann alle Vortragsfolien auf www.gruene-jesteburg.de nachlesen.
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