Ferienwohnungen neben dem Freibad
Investor statt Steuergelder: Die kühne Vision des Lühe-Rathauschefs für Hollern-Twielenfleth
- Das Freibad Hollen-Twielenfleth: Im Bereich der jetzigen Liegewiese soll das Gebäude mit den Ferienwohnungen entstehen (oranger Pfeil)
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Hollern-Twielenfleth hat eines der schönsten Freibäder der Region. Allein die Lage unmittelbar an der Elbe macht einen Besuch lohnenswert. Mehr als 35 000 Badegäste lockt das Freibad in einer guten Saison. Doch die idyllische Kulisse ist trügerisch. Das 1974 errichtete Freibad muss dringend saniert und der Funktionstrakt durch einen Neubau ersetzt werden. Jetzt präsentiert Lühe-Samtgemeindebürgermeister Timo Gerke eine ungewöhnliche Idee, wie diese Freizeitattraktion direkt am Deich langfristig erhalten werden könnte: Statt neu zu bauen, soll ein Investor ein Gebäude mit Ferienwohnungen errichten, in dem gleichzeitig die gesamte Infrastruktur des Freibades untergebracht wird.
Millioneninvestition wäre kaum sinnvoll
"Hier im Freibad besteht ein Sanierungsstau", sagt Gerke. Technik, Rohrleitungen und Filteranlagen seien teilweise rund 50 Jahre alt und gelten inzwischen als stark sanierungsbedürftig. Hinzu komme, dass sich das Schwimmbecken auf einer Seite bereits um rund acht Zentimeter abgesenkt habe. Ein Gutachter soll nun untersuchen, welche Maßnahmen notwendig sind, um das Becken dauerhaft zu sichern. Für den bisherigen Funktionstrakt mit Kasse, Umkleiden, Sanitäranlagen und Technik wäre ein Neubau erforderlich. Die Kosten dafür würden nach Gerkes Einschätzung bei rund zwei Millionen Euro liegen. „Doch woher soll ich das Geld nehmen?“, fragt der Rathauschef mit Blick auf die angespannte Haushaltslage seiner Kommune.
- Lühe-Rathauschef setzt auf ein ganz besonderes Konzept zum Erhalt des Freibades: Ein Investor soll den Großteil der Kosten für den Neubau übernehmen
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Deicherhöhung verändert die Ausgangslage
Hinzu kommt ein weiteres Problem, das die Zukunft des Freibades infrage stellt: Im Zuge des Küstenschutzes muss der Elbdeich um bis zu zwei Meter erhöht werden. Dadurch wird der gesamte Deichkörper breiter. Das wiederum bedeutet: Am jetzigen Standort wäre ein Neubau des Gebäuderiegels mit Kasse, Umkleiden usw. ohnehin unsinnig, wenn dieser womöglich in zehn Jahren im Zuge der Deicherhöhung abgerissen werden müsste. Bereits vor längerer Zeit hatte Gerke deshalb den Kontakt zum Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) gesucht. Gegenüber dem NLWKN machte Gerke sein Dilemma deutlich: Die dringend notwendige Sanierung des Freibades könne nicht bis zum Abschluss der Deichplanungen aufgeschoben werden, weil sich der bauliche Zustand weiter verschlechtere.
Unten Freibadinfrastruktur – oben Ferienwohnungen
In einem Schreiben an den Deichverband der I. Meile Altenlandes, dieser ist Eigentümer des Freibadgrundstückes, wirbt Gerke deshalb für eine Lösung, die sowohl den langfristigen Betrieb des Freibades als auch die spätere Deicherhöhung berücksichtigt. Diese Lösung besteht in einem neuen Gebäudekonzept. Geplant ist ein dreigeschossiges Gebäude an einem anderen Standort innerhalb des Freibadgeländes – im Bereich der jetzigen Liegewiese. Im Erdgeschoss sollen dann sämtliche Einrichtungen untergebracht werden, die für den Freibadbetrieb benötigt werden – darunter Technik, Umkleiden, Duschen und Personalräume.
In den oberen Etagen sollen Ferienwohnungen entstehen. Nach Gerkes Vorstellungen könnte sich das Gebäude hinsichtlich der Größe am benachbarten Twielenflether Fährhaus orientieren. Den entscheidenden Vorteil seines Konzeptes für die Samtgemeinde sieht der Bürgermeister darin, dass ein Investor die kompletten Baukosten übernimmt. Aber auch der Investor würde profitieren: Er könnte Ferienwohnungen in attraktiver Lage mit Blick auf die Elbe anbieten. Im Sommer hätten die Apartmentgäste das Freibad praktisch direkt vor der Haustür. Außerhalb der Freibadsaison könnte das Einschwimmbecken winterfest abgeteilt und sozusagen als Hotelpool genutzt werden. Ergänzend wäre auch ein Wellnessbereich mit Sauna denkbar.
Erste Signale stimmen optimistisch
Er habe bereits erste Gespräche mit potenziellen Investoren geführt, so Gerke. „Hier gibt es Signale, die mir Mut machen“, sagt Gerke. Von Interessenten habe er bereits die Rückmeldung erhalten, dass sie sich an einer Ausschreibung beteiligen würden. Auch der Deichverband soll den Plänen positiv gegenüberstehen. Letztlich geht aber nichts ohne die Baugenehmigung des Landkreises. Wie dessen Sprecher Daniel Beneke auf WOCHENBLATT-Nachfrage erklärt, sei der Landkreis grundsätzlich offen für Gespräche, sofern NLWKN und Deichverband den Plänen zustimmen. Für konkrete Aussagen sei es allerdings noch zu früh, da zunächst belastbare Planungen vorliegen müssten.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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