Grünendeich reagiert auf WOCHENBLATT-Bericht
Wohnmobil-Frust am Lühe-Anleger: Gemeinde entfernt Verbotsschilder
- Das Verbotsschild für Wohnmobile wurde abmontiert und landete auf dem Pritschenwagen des Bauhofes
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Verwaltungen genießen nicht unbedingt den Ruf, Missstände im Eiltempo aus der Welt zu schaffen. In Grünendeich war das diesmal anders. Erfrischend anders sogar. Nachdem das WOCHENBLATT auf den Parkplatz-Frust für Wohnmobilisten am Lühe-Anleger hingewiesen hatte, reagierte die Gemeinde erstaunlich flott: Gleich am Montagmorgen verschwanden zwei Schilder, die Wohnmobilen das Parken auf zwei günstigen Ausweichparkplätzen bislang ausdrücklich verboten hatten.
Die neue Woche beginnt gerade: Es ist Montag, kurz nach 7 Uhr, am Parkplatz am Grünendeicher Hafen. Zwei Mitarbeiter des Bauhofs stehen vor einem Schild, das in den vergangenen Tagen eine gewisse lokale Berühmtheit erlangt hat. „Keine Wohnmobile“ lautet die unmissverständliche Botschaft. Noch. Dann surrt der Akkuschrauber. Schraube raus, Schild runter, ab auf die Pritsche. Ein paar Minuten später ist die Sache erledigt. Auch ein Stück weiter an der Fährstraße verschwindet der Hinweis, der Wohnmobile bislang vom Parken ausschloss.
- Ein Bauhofmitarbeiter machte sich daran, das entsprechende Verbotsschild auf dem Parkplatz am Grünendeicher Hafen abzumontieren
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Behauptung des Bürgermeisters traf nicht zu
In der vergangenen Samstags-Ausgabe des WOCHENBLATT war ein Artikel über den Wohnmobil-Frust am Lühe-Anleger erschienen (direkter Link zum Artikel: bitte hier klicken). Darin wurde auf einen kleinen, aber entscheidenden Widerspruch aufmerksam gemacht: Grünendeichs Bürgermeister Nikolai Müller hatte auf Nachfrage der Redaktion erklärt, dass Wohnmobilisten auf die Parkplätze an der Fährstraße oder am Grünendeicher Hafen ausweichen sollten, wenn sie den Lühe-Anleger nur für eine Portion Pommes oder einen Becher Kaffee aufsuchen wollen. Dort könnten sie zum üblichen Pkw-Tarif parken: 1,20 Euro je angefangene halbe Stunde.
Eine durchaus vernünftige Regelung. Müllers Hinweis hatte lediglich einen kleinen Schönheitsfehler: Wohnmobile durften dort gar nicht parken. Das jedenfalls verkündeten bis dato die Schilder, die vom WOCHENBLATT bei der Recherche vor Ort fotografiert wurden. Offenbar hat nach dem publizistischen Wink mit dem Zaunpfahl auch die Gemeindeverwaltung hingeschaut – vielleicht ja sogar der Bürgermeister persönlich – und für schnelle Abhilfe gesorgt.
- Auch am Parkplatz Fährstraße wurde das Verbotsschild für Wohnmobile entfernt (Fotomontage)
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Tarif-Frust eines Wohnmobilisten
Auslöser der Geschichte war der Ärger eines Wohnmobilisten. Andreas B. hatte sein Gefährt kürzlich ordentlich auf der dafür vorgesehenen Fläche direkt am Wasser abgestellt. Er wollte lediglich einen kurzen Abstecher zum Lühe-Anleger machen. Nach ungefähr einer halben Stunde kam beim Bezahlen die Überraschung: 18 Euro. Der Grund: Auf dem Wohnmobilstellplatz gibt es keinen Kurzzeittarif. Wer dort steht, zahlt den Tagestarif – egal, ob er eine Nacht bleibt oder nur für ein Fischbrötchen vorbeischaut. Das kann man durchaus so regeln. Schließlich ist der Wohnmobilplatz quasi ein Logenplatz direkt an der Elbe. Solche Premiumlagen sind für Wo-Mo-Reisende bestimmt, die länger bleiben möchten.
- Am Lühe-Anleger weisen Schilder auf die alternative Parkmöglichkeit hin
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Dumm nur, dass die vom Bürgermeister genannte Alternative für WoMo-Kurzzeitbesucher keine war – bis jetzt. Zufällig war am Montagmorgen das WOCHENBLATT vor Ort, als dem Schilder-Unfug der Garaus gemacht wurde. Der Redakteur wollte morgens auf dem Weg in die Redaktion am Lühe-Anleger noch schnell ein paar Fotos vom Containerriesen „CMA CGM GRAND PALAIS“ schießen. Doch an diesem Morgen weckte etwas anderes sein journalistisches Interesse: zwei Bauhofmitarbeiter mit Akkuschrauber.
Also kurz hingelaufen und zugeschaut. Große Zeremonien gab es nicht. Keine Pressekonferenz, kein symbolischer erster Schraubendreher, kein rotes Band. Ratzfatz waren die Schilder abmontiert und landeten auf der Ladefläche des Bauhof-Pritschenwagens. Ein ganz kurzer Schnack mit dem Zeitungsmenschen, dann ging es für die Bauhofmänner sofort weiter. Die nächste Aufgabe wartete bereits: Eine kaputte Sitzbank musste repariert werden.
- Der Containerriese „CMA CGM GRAND PALAIS“ passierte am Montagmorgen den Lühe-Anleger
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Hier können Wohnmobile jetzt auch zu Kurzzeittarifen parken:
- Das Luftbild zeigt die Parkplatzsituation am Lühe-Anleger: Neben dem Wo-Mo-Platz direkt am Wasser (orange, Tagestarif 18 Euro) gibt es zwei weitere Parkplätze (gelb umrandet), auf denen Wohnmobile günstiger geparkt werden können
- Foto: Martin Elsen/nord-luftbilder.de
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Günstig parken und drei Minuten laufen
Mit dem Abbau der Schilder funktioniert nun auch der Tipp von Bürgermeister Müller: Wohnmobilfahrer, die nur kurz zum Lühe-Anleger möchten, können ihr Fahrzeug auf den Parkplätzen Grünendeicher Hafen oder Fährstraße abstellen und dort den normalen Pkw-Tarif bezahlen. Der Fußmarsch zum Anleger hält sich in Grenzen. Vom Grünendeicher Hafen sind es rund 200 Meter bis zu den Imbissbuden, von der Fährstraße etwa 300 Meter. Macht ungefähr drei beziehungsweise vier Minuten zu Fuß – zuzüglich einer kurzen Wartezeit an der Ampel. Das dürfte selbst bei akutem Fischbrötchenhunger zumutbar sein.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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