Weisser Ring
Stalking im digitalen Zeitalter - Warnung vor unsichtbarer Überwachung
- Ein Stalker spioniert eine Frau aus, hier noch ganz analog - Symbolbild
- Foto: Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes
- hochgeladen von Bianca Marquardt
Immer mehr Täter nutzen moderne Technik zur Kontrolle ihrer Opfer – Betroffene sollten frühzeitig Hilfe suchen.
Stalking ist längst nicht mehr auf unerwünschte Anrufe, Briefe oder persönliche Begegnungen beschränkt. Täter nutzen heute zunehmend digitale Möglichkeiten, um ihre Opfer zu überwachen, zu kontrollieren und psychisch unter Druck zu setzen. Darauf weisen die Opferhilfeorganisation "Weisser Ring", Außenstelle Landkreis Harburg, hin.
Die Zahl der registrierten Stalking-Fälle in Niedersachsen ist im Jahr 2025 zwar leicht auf 2.354 Fälle zurückgegangen (2024: 2.389). Mit einer Aufklärungsquote von 93,2 Prozent bleibt die Zahl der aufgeklärten Fälle erfreulich hoch. Besorgniserregend ist jedoch die zunehmende Technisierung der Nachstellungen. So kommen immer häufiger soziale Netzwerke, kompromittierte Online-Konten, heimliche Überwachungsprogramme oder Standort-Tracker zum Einsatz.
„Viele Menschen denken bei Stalking zunächst an den Ex-Partner, der vor der Haustür wartet oder ständig Nachrichten verschickt. Tatsächlich findet Stalking heute häufig unsichtbar statt – über Smartphones, soziale Medien und digitale Konten. Gerade diese Form der Überwachung ist für Betroffene besonders belastend, weil sie oftmals das Gefühl vermittelt, nirgendwo mehr sicher zu sein“, erklärt Vera Theelen, Leiterin der Außenstelle des "Weissen Rings" im Landkreis Harburg.
Digitale Kontrolle kann den gesamten Alltag betreffen
Moderne Täter gehen häufig strategisch vor. Sie sammeln zunächst Informationen über soziale Netzwerke oder öffentlich zugängliche Daten. Anschließend verschaffen sie sich Zugang zu Smartphones oder Online-Konten ihrer Opfer und bauen eine dauerhafte Überwachung auf. Nicht selten folgen Drohungen, die Veröffentlichung persönlicher Daten oder die Verbreitung manipulierten Bildmaterials.
„Stalking bedeutet für viele Betroffene den Verlust von Sicherheit und Selbstbestimmung. Sie verändern ihren Alltag, meiden bestimmte Orte und leben in der ständigen Sorge, beobachtet zu werden. Die psychischen Folgen reichen häufig weit über die eigentliche Tat hinaus“, so Vera Theelen.
Auch im Landkreis Harburg suchen Betroffene Hilfe
Die Entwicklung spiegelt sich auch in der Arbeit des "Weissen Rings" im Landkreis Harburg wider. Im Jahr 2025 baten 13 Betroffene von Stalking die Außenstelle um Unterstützung. Im laufenden Jahr 2026 haben sich bislang bereits fünf Betroffene an die Opferhilfeorganisation gewandt.
Die Erfahrungen der ehrenamtlichen Mitarbeiter zeigen, dass viele Betroffene erst spät Hilfe suchen. Dabei ist eine frühzeitige Unterstützung häufig entscheidend, um weitere Übergriffe zu verhindern und Beweise zu sichern.
„Niemand sollte aus Scham oder Unsicherheit zu lange warten, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Stalking ist kein Beziehungsproblem und keine private Angelegenheit, sondern eine Straftat. Betroffene haben ein Recht auf Schutz und Unterstützung“, betont Vera Theelen.
Besonnen handeln und Beweise sichern
Wer den Verdacht hat, Opfer von Stalking oder digitaler Überwachung geworden zu sein, sollte keine vorschnellen technischen Veränderungen vornehmen. Das unmittelbare Löschen verdächtiger Programme oder ein unüberlegtes Ändern von Passwörtern kann wichtige digitale Beweise vernichten. Zudem werden Täter teilweise darüber informiert, wenn Überwachungsprogramme entfernt werden.
Der "Weisse Ring" empfiehlt deshalb, möglichst frühzeitig die Polizei einzuschalten und professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen. Hilfreich ist zudem die Dokumentation aller Vorfälle in einem Stalking-Tagebuch.
„Für Betroffene ist es wichtig zu wissen, dass sie nicht allein sind. Der 'Weisse Ring' begleitet Menschen nach einer Straftat auf ihrem Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben – unabhängig davon, wie lange die Tat zurückliegt. Gerade bei Stalking ist es wichtig, sich frühzeitig Unterstützung zu holen“, sagt Vera Theelen.
Weitere Informationen zum Thema Stalking finden Interessierte bei der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes unter www.polizei-beratung.de/infos-fuer-betroffene/stalking/ sowie auf der Internetseite des WEISSEN RINGS unter www.weisser-ring.de/tipps-gegen-stalking. Dort steht auch ein Stalking-Tagebuch zum Download bereit.
Präventionshinweise
- Nehmen Sie Stalking und digitale Überwachung immer ernst.
- Erstatten Sie möglichst frühzeitig Anzeige bei der Polizei.
- Dokumentieren Sie sämtliche Vorfälle und sichern Sie Nachrichten sowie Screenshots.
- Löschen Sie verdächtige Programme nicht vorschnell.
- Ändern Sie Passwörter erst nach einer fachlichen Beratung möglichst über ein neutrales Gerät.
- Aktivieren Sie die Zwei-Faktor-Authentisierung für wichtige Online-Konten.
- Überprüfen Sie regelmäßig die Sicherheit Ihrer Smartphones, Tablets, Computer und anderer internetfähiger Geräte.
- Deaktivieren Sie unnötige Standortfreigaben und beschränken Sie die Sichtbarkeit persönlicher Informationen in sozialen Netzwerken.
- Nutzen Sie vorhandene Schutzfunktionen zur Erkennung unbekannter Tracker.
- Suchen Sie frühzeitig Unterstützung bei der Polizei sowie bei Beratungs- und Opferschutzorganisationen.
Kontakt und Hilfe
Opfer-Telefon: 116 006 (kostenfrei)
Lokale Hilfe des WEISSEM RINGS im Landkreis Harburg:
Tel.: 0151 551 647 33 oder 04181-201 89 20
E-Mail: harburg-kreis@mail.weisser-ring.de
Website: www.harburg-kreis-niedersachsen.weisser-ring.de/
Redakteur:Bianca Marquardt aus Tostedt |
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