„Vielen Dank, dass es euch gibt!“
Dankeschön-Abend für die Mobilen Retter
- a. „Vielen Dank, dass es euch gibt!“ – Dankeschön-Abend für die Mobilen Retter im Landkreis Harburg in der Burg Seevetal (von links): Florian Fietz (Leiter Rettungsleitstelle Landkreis Harburg, Mobiler Retter Niklas Lübbe, Burkhard Giese (Disponent Rettungsleitstelle Landkreis Harburg), Landrat Rainer Rempe, Knud Gaedcke, Silke Gaedcke, Gabriele Bandow, Mobiler Retter André Schrader, Kurt Bandow, Mobiler Retter Laszlo Przybylski und Daniel Rupp (Leiter Abteilung Rettungsdienst, Brand- und Katastrophenschutz Landkreis Harburg).
- Foto: Landkreis Harburg
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Es war ein ganz normaler Sonntag bei Kurt und Gabriele Bandow in Hanstedt. Sie bügelte Wäsche, er sollte nebenan in der Küche Kartoffeln schälen. Dann hörte Gabriele Bandow plötzlich einen Knall. Ihr Mann lag am Boden, blutete und war bereits blau angelaufen. „Ich dachte: Das ist das Ende“, erinnerte sie sich. Sie wählte den Notruf: „Ich hatte das Telefon noch in der Hand, da traf bereits der erste Mobile Retter ein.“
Wenige Minuten später waren zahlreiche Helferinnen und Helfer vor Ort. Zwei Mobile Retter begannen mit der Wiederbelebung, ein von einem dritten Mobilen Retter herbeigeholter Defibrillator kam zum Einsatz. Rettungsdienst und Notarzt übernahmen nach ihrem Eintreffen und setzten die Versorgung gemeinsam mit den Ersthelfern fort. Kurt Bandow überlebte. „Ich bin sicher, ohne die Mobilen Retter würde mein Mann nicht mehr leben und neben mir sitzen“, sagte Gabriele Bandow. Ihr Fazit: „Die Mobilen Retter sind einfach Retter in der Not.“
Kurt und Gabriele Bandow gehörten zu den Ehrengästen beim gestrigen Dankeschön-Abend der Kreisverwaltung für die Mobilen Retter im Landkreis Harburg in der Burg Seevetal. Der große Saal „der Burg“ war voll besetzt, als der Landkreis die ehrenamtlichen Ersthelferinnen und Ersthelfer und die Menschen würdigte, die gemeinsam mit ihnen die Rettungskette bilden. Auch Knud und Silke Gaedcke aus Meckelfeld, die nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand von Knud Gaedcke im September 2025 Ähnliches erlebt hatten, berichteten gemeinsam mit ihren Helfern von den dramatischen Minuten, in denen schnelle Hilfe über Leben und Tod entscheiden kann.
„Ganz entscheidend sind dabei am Ende die Menschen, die bereit sind, im Ernstfall tatsächlich loszufahren oder loszulaufen“, hob Landrat Rainer Rempe in seiner Ansprache hervor. Die Mobilen Retter seien mittlerweile ein etablierter und fest in die Abläufe eingebundener Bestandteil der Rettungskette im Landkreis Harburg. Was 2023 mit 220 Aktiven begann, ist inzwischen auf 965 Mobile Retterinnen und Retter angewachsen. „Sie leisten mit ihrer Bereitschaft, im entscheidenden Moment schnell und beherzt medizinische Ersthilfe zu leisten, einen wichtigen und mittlerweile unverzichtbaren Beitrag zur Rettung von Menschenleben“, so Rempe. „Mein großer Dank gilt deshalb allen ehrenamtlichen Mobilen Retterinnen und Rettern, sowie allen, die dazu beitragen und ohne die auch die Mobilen Retter undenkbar wären: den Mitarbeitern unserer Rettungsleitstelle, dem DRK und den Johannitern sowie unserer Kreisrettungsdienstgesellschaft, der DLRG und dem THW sowie unseren Notärzten, den Freiwilligen Feuerwehren, der Polizei, den Kommunen sowie unseren Krankenhäusern in Buchholz und Winsen.“
Dass der Beitrag der Mobilen Retter immer wirkungsvoller wird, machte Dr. Thies Kahnenbley von der Johanniter-Unfall-Hilfe deutlich, der das Mobile-Retter-System für den Landkreis Harburg gemeinsam mit Andreas Klask vom DRK koordiniert. Genauso wie Landrat Rempe zeigte er sich zuversichtlich, dass noch in diesem Jahr das Etappenziel von 1.000 Mobilen Retterinnen und Rettern erreicht werden kann. Besonders erfreulich sei, dass die durchschnittlichen Eintreffzeiten der Mobilen Retter deutlich reduziert werden konnten. „Jede Minute schneller bedeutet zehn Prozent mehr Überlebenswahrscheinlichkeit“, erläutert Kahnenbley. In rund 60 Prozent der Einsätze seien Mobile Retter vor dem Rettungsdienst am Einsatzort gewesen. Insgesamt wurden seit dem Start des Systems 530 Alarmierungen ausgelöst, 388 davon konnten durch Mobile Retter besetzt werden. In den vergangenen zwölf Monaten lag die Quote bei 77 Prozent.
Was diese Zahlen im echten Leben bedeuten, zeigte der Einsatz bei Familie Bandow. Einer der alarmierten Helfer war André Schrader aus Hanstedt. Der ausgebildete Rettungssanitäter ist seit April 2025 Mobiler Retter und war an diesem Tag gerade mit seinem neuen E-Bike unterwegs, als seine Smartwatch vibrierte. Er nahm den Einsatz an und erhielt den Auftrag, einen öffentlich zugänglichen Defibrillator aus der nahegelegenen Sparkasse zu holen. Mit dem Defibrillator in einer Hand und auf dem E-Bike im „Turbo“-Modus machte er sich auf den Weg zu den Bandows. Dort waren Niklas und Laura Lübbe bereits eingetroffen und hatten erste Maßnahmen eingeleitet. Das Ehepaar war mit seinem damals noch nicht ganz einjährigen Sohn im Auto durch Hanstedt unterwegs, als die Alarmierung einging. Beide sind Mobile Retter. „Wir haben uns zunächst gefragt: Können wir das leisten mit unserem Kind dabei?“, berichtete Niklas Lübbe. Laura Lübbe eilte schließlich zum Patienten, während ihr Mann sich zunächst um den Sohn kümmerte und anschließend ebenfalls half. „Wahrscheinlich hat unser Sohn auch etwas beigetragen, indem er die aufgelöste Frau Bandow abgelenkt hat“, erzählte Lübbe.
Am Ende waren inklusive Rettungswagenbesatzung und Notarzt-Team zwölf Helferinnen und Helfer und ein Baby vor Ort, darunter sechs Mobile Retter. Das ist so nicht der Regel- sondern ein glücklicher Zufall. Und was zunächst nach einer unübersichtlichen Situation klingt, hat Gabriele Bandow ganz anders erlebt: „Jeder hatte seine Aufgabe.“ Auch sie selbst wurde einbezogen, suchte Rasierer, Müllbeutel, Medikamentenpläne und medizinische Unterlagen ihres Mannes heraus. „Man ist einfach froh und dankbar, dass jemand da ist, und hilft“, sagte sie.
Auch Knud und Silke Gaedcke wissen, was schnelle Hilfe im Notfall bedeutet. Als Silke Gaedcke ihren Mann am 10. September 2025 leblos im Bett fand, leitete Mitarbeiter Burkhard Giese von der Rettungsleitstelle der Kreisverwaltung sie nach dem Notruf telefonisch bei der Herzdruckmassage an. Gleichzeitig wurde der damals 18-jährige Mobile Retter Laszlo Przybylski alarmiert. Er war damals noch Schüler und wartete auf den Beginn seines Politikunterrichts am Gymnasium Meckelfeld. „Das ist keine Übung – was mache ich jetzt?“, erinnerte er sich an den Moment, in dem das Mobile-Retter-Symbol auf dem Display seines Handys erschien. Er schnappte sich den Defibrillator aus dem Schulsekretariat und machte sich auf den Weg.
Nach nur dreieinhalb Minuten traf Przybylski bei den Gaedckes ein. Gemeinsam mit Silke Gaedcke hob er ihren Mann aus dem Bett und setzte den Defibrillator ein. „Oh Gott sei Dank ist jemand da“, waren die Worte, mit denen sie den jungen Ersthelfer empfing. Für Przybylski war es der erste Einsatz als Mobiler Retter.
Für Kahnenbley sind gerade solche persönlichen Begegnungen zwischen Geretteten und Rettern wie beim Dankes-Abend wichtig: „Die heutige Anwesenheit der Geretteten, der Familien Bandow und Gaedcke, ist das, was uns motiviert und antreibt.“ Der Dank der beiden Familien galt an diesem Abend ausdrücklich nicht nur den Menschen, die unmittelbar an ihren eigenen Rettungen beteiligt waren, sondern allen, die Teil der Rettungskette im Landkreis Harburg sind – von der Rettungsleitstelle über die Mobilen Retter bis zu Rettungsdienst und Notarzt. Kurt Bandow brachte es zum Abschluss auf den Punkt: „Ich möchte mich recht herzlich für alles bedanken. Bei allen, die heute hier sind, bei allen, die draußen helfen. Vielen Dank, dass es euch gibt!“ Knud Gaedcke schloss sich an: „Danke an alle Mobilen Retter, vor allem an Laszlo, der mir höchstwahrscheinlich das Leben gerettet hat.“
Hintergrund:
Die Mobilen Retterinnen und Retter im Landkreis Harburg leisten seit Mitte 2023 einen ganz entscheidenden Beitrag zur Rettung von Menschenleben. Mittlerweile stehen 965 dieser ehrenamtlichen Lebensretter bereit. Sie werden gemeinsam mit dem Rettungsdienst per App alarmiert, wenn sie sich in der Nähe des Notfalls befinden. Möglich machen das die beiden koordinierenden Hilfsorganisationen DRK und JUH, die Notärzte im Kreis, die Freiwilligen Feuerwehren, die Kreisrettungsdienstgesellschaft, die DLRG und das THW sowie die beiden kreiseigenen Krankenhäuser Winsen und Buchholz, die das Projekt „Mobile Retter“ im Landkreis Harburg mit Unterstützung der Kreisverwaltung aktiv tragen. Ziel des Landkreises und der Mobile-Retter-Familie ist es, bis Jahresende auf 1.000 ehrenamtliche Lebensretterinnen und Lebensretter zurückgreifen zu können.
Wer sich selber ehrenamtlich als Mobiler Retter oder Retterin engagieren möchte, bringt im Idealfall medizinische Vorkenntnisse mit. Grundsätzlich können alle Erwachsenen mit der Mindest-Qualifikation betriebliche Ersthelferin beziehungsweise betrieblicher Ersthelfer und selbstverständlich Angehörige weiterer medizinischer Berufe Mobile Retterin oder Retter werden. Interessierte werden mit einer dreistündigen theoretischen und praktischen Ausbildung, die regelmäßig aufgefrischt werden muss, auf den Einsatz vorbereitet.
Als Ansprechpartner für „Mobile Retter“ im Landkreis Harburg steht Florian Fietz, stellvertretender Leiter der Feuerwehr- und Rettungsleitstelle der Kreisverwaltung, sehr gerne zur Verfügung (E-Mail: mobileretter@lkharburg.de). Mehr Informationen zum Projekt Mobile Retter finden sich unter https://portal.mobile-retter.org/regionen/landkreis-harburg.
Redakteur:Christoph Ehlermann aus Salzhausen |

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