Wer Grünschnitt entsorgt, muss erst eine Treppe erklimmen

Der Weg zur Grünschnittabgabe beim neuen AWZ in Ardestorf führt über eine hohe Treppe
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bim. Ardestorf. "Wenn man über eine Million Euro verbuddelt, muss man doch ein Konzept haben", echauffiert sich ein Neu Wulmstorfer über die neue Wertstoffannahmestelle des Landkreises Harburg in Ardestorf. Die wurde gerade erst in Betrieb genommen und sorgt schon für reichlich Unmut: Statt den Grünschnitt - wie auf der bestehenden Anlage des Landkreises Stade nebenan - ebenerdig abkippen zu können, müssen die Anlieferer nun Metalltreppen zu den Containern erklimmen, um u.a. ihren Grünabfall loszuwerden. Für viele ältere oder mobilitätseingeschränkte Menschen eine Zumutung und auch für diejenigen, die größere Mengen entsorgen wollen.
Er habe ein älteres Ehepaar beobachtet, das einen Maurerkübel voll Grünschnitt mühsam die Treppe hochgeschleppt und dann über die etwa bauchhohe Kante gewuchtet hätte. "Was ist denn, wenn man mit einem Hänger voll Grünschnitt kommt?", habe er einen der beiden Mitarbeiter gefragt, berichtet der Neu Wulmstorfer. Zur Antwort habe er bekommen, er solle zum Kompostplatz nach Todtglüsingen fahren. "Das sind hin und zurück rund 50 Kilometer", schimpft er. Sein Fazit: "Wenn man den Menschen die Grünschnitt- und Abfallentsorgung derart erschwert, muss man sich nicht wundern, wenn der Müll im Wald und in der freien Landschaft landet." Der Mann kann auch nicht nachvollziehen, weshalb sich die beiden Landkreise nicht gleich zusammengetan und eine gemeinsame Lösung im Sinne der Bürger gefunden haben.
In neue Annahme
1,1 Millionen Euro investiert

Der Landkreis Harburg feierte sich kürzlich selbst mit der Aussage: "Landkreis optimiert seine Abfallentsorgung" bei der Einweihung der neuen Wertstoffannahmestelle in Ardestorf, in die der Landkreis 1,1 Millionen Euro investierte. Was bei aller Euphorie außer der mühsamen Entsorgung verschwiegen wurde: Für diese nicht bürgerfreundliche Lösung hatte sich der Landkreis seit Ende 2016 Zeit gelassen. Denn seitdem bemühte sich der Landkreis Harburg darum, für die Grünschnitt-Anlieferung der Bürger aus Neu Wulmstorf und Hollenstedt eine Alternative zu finden, nachdem der Landkreis Stade die Zweckvereinbarung über die Annahme von Grünabfällen mit dem Landkreis Harburg für das Abfallwirtschaftszentrum (AWZ) Buxtehude-Ardestorf aufgrund des hohen Aufkommens kündigen wollte. Stade gewährte dem Landkreis Harburg immer wieder Aufschub. Eine Lösung glaubte der Landkreis Harburg Ende 2018 mit einem Unternehmen im kleinen Appel-Grauen (Samtgemeinde Hollenstedt) gefunden zu haben, doch dort hätte dafür der Bebauungsplan geändert werden müssen, und das Vorhaben stieß auf heftige Bürgerkritik.
Kunden aus dem Kreis Harburg dürfen
nicht mehr aufs Nachbargelände

Das Kuriose an der jetzigen Lösung: Die Stader Anlage steht teilweise auf Land des Kreises Harburg und die Annahmestelle des Kreises Harburg auf Stader Grund und Boden. Dennoch dürfen Kunden des Landkreises Harburg nicht mehr die Anlage des Landkreises Stade nutzen und umgekehrt. "Das hat gebührenrechtliche Gründe", erläutert Kreissprecher Andres Wulfes. Auch beim Landkreis Harburg sind bereits Beschwerden eingegangen. "Die nehmen wir sehr ernst", sagt er. Dem Kreis ist bewusst, dass die Annahme über Container mit Treppen nicht komfortabel ist. Doch für einen Kompostplatz wie auf der Anlage nebenan oder zum Beispiel in Todtglüsingen seien u.a. wegen der Geruchsemissionen und des Sickerwassers entsprechende Genehmigungen erforderlich. Auch gebe es für Menschen mit Gehbehinderung einen Grünabfallcontainer mit einer Rampe.
Der Landkreis wolle aber nun schnellstmöglich zwei Container aufstellen, die seitlich geöffnet und damit besser zugänglich sind. Dafür muss noch eine Radladerschaufel angeschafft werden, die den abgeladenen Grünschnitt dann verteilt.

SPD beantragt Überprüfung der Barrierefreiheit

Tobias Handtke und Christa Beyer haben nun für die SPD im Landkreis Harburg den Antrag gestellt, die Abfallwirtschaftszentren im Landkreis Harburg auf Barrierefreiheit zu überprüfen und bei der Anlage in Ardestorf eine ebenerdige Abgabe für den Grünabfall zu ermöglichen, zumindest aber Unterstützung durch Mitarbeiter anzubieten.
"Mit der Eröffnung des neuen AWZ in Ardestorf ist eine verbesserte Abgabemöglichkeit von verschiedenen Müllsorten erreicht worden", heißt es. Auf der benachbarten Anlage des Landkreises Stade seien es die Bürgerinnen und Bürger gewohnt gewesen, den Grünabfall ebenerdig abzuladen. "Die Abgabe war somit auch gerade für ältere Menschen möglich und wurde bisher auch rege genutzt", erklärt Handtke. In der neuen Anlage seien nun aber Container aufgestellt worden, die nur über eine relativ hohe Treppe zum Einwerfen erreichbar seien.
Grundsätzlich sei es wichtig, dass das Abladen des Grünschnitts zügig erfolgen kann, um bei größerem Andrang einen Rückstau zu vermeiden.

Der Weg zur Grünschnittabgabe beim neuen AWZ in Ardestorf führt über eine hohe Treppe
Für die Entsorgung stehen ausschließlich Container zur Verfügung
Autor:

Bianca Marquardt aus Tostedt

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