"A20-nie" verweist auf Bundesrechnungshof
21 Brücken zwischen Oste und Elbe über die geplante A20
- Mit Bannern weist die Initiative A20-nie auf die vielen geplanten Brückenbauwerke hin
- Foto: Karin Wortmann
- hochgeladen von Stephanie Bargmann
Der geplante Bau der Autobahn A20 polarisiert: Befürworter sehen in der neuen Ost-West-Verbindung eine dringend benötigte Entlastung für den Verkehr und einen wirtschaftlichen Impuls für Norddeutschland. Kritiker hingegen warnen vor ökologischen Schäden, hohen Kosten und technischen Herausforderungen. So betrifft ein zentraler Kritikpunkt der Initiative "A20-nie" die zahlreichen Brückenbauwerke, die im Zuge des Autobahnprojekts errichtet werden sollen.
21 Brücken auf 18,6 Kilometern
Allein auf dem 18,6 Kilometer langen Abschnitt zwischen dem geplanten Kehdinger Kreuz und Behrste an der Oste sind 21 Brücken vorgesehen. Diese sollen die bestehende Infrastruktur über die A20 hinweg verbinden und würden etwa acht Meter über die flache Landschaft hinausragen. Die Initiative "A20-nie" kritisiert, dass diese Bauwerke nicht nur das Landschaftsbild erheblich verändern würden, sondern auch erhebliche Mengen an Beton und Sand erfordern, was zusätzliche Umweltbelastungen mit sich bringt.
Komplexe Baugrundverhältnisse: Das Beispiel Hechthausen
„Die Erfahrungen mit dem schleppenden und von Pannen begleiteten Bau der neuen B73-Ostebrücke bei Hechthausen zeigt, wie schwierig die Gründung in unsicherem Gelände ist“, sagt Renate Matthes, Sprecherin der örtliche A20-nie Initiative. Hier verzögert sich der Ersatzneubau aufgrund geologischer Herausforderungen erheblich. Der Baugrund besteht aus bis zu 20 Meter mächtigen Moorschichten, die eine aufwendige Baugrundverbesserung erforderlich machen. Geplant war der Einbau von 6.800 geotextilummantelten Sandsäulen, um die notwendige Stabilität zu gewährleisten. Allerdings stellte sich heraus, dass zusätzliche Vorbohrungen notwendig sind, um die Säulen passgenau zu versenken. Dies führt zu erheblichem Bodenaushub, der aufgrund gesetzlicher Vorgaben nicht wiederverwendet werden darf, sobald er das Baufeld verlässt. Die Folge: Die Baustelle ruht derzeit, und es erfolgen keine weiteren Arbeiten oder Messungen zur Stabilität des Untergrunds.
Bundesrechnungshof empfiehlt: Sanierung wichtiger als Neubau
Angesichts solcher Herausforderungen und eines allgemeinen Sanierungsstaus bei der bestehenden Infrastruktur empfiehlt der Bundesrechnungshof, Neubau- und Ausbauprojekte wie die A20 zurückzustellen. Stattdessen sollten personelle und finanzielle Ressourcen vorrangig für die Modernisierung bestehender Brücken eingesetzt werden. Diese Empfehlung ist im Sonderbericht „Schleppende Modernisierung maroder Brücken an Bundesfernstraßen“ vom 29. April 2025 nachzulesen (https://www.bundesrechnungshof.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/DE/2025/brueckenmodernisierung/kurzmeldung.html).
Alternative zur A20: Modernisierung der Elbfähre
Die Initiative "A20-nie" schlägt als Alternative zur festen Elbquerung der A20 eine Modernisierung der bestehenden Fährverbindung zwischen Wischhafen und Glückstadt vor. Die FRS Elbfähre plant ein umfassendes Konzept zur Steigerung der Kapazität und zur Reduzierung der Überfahrzeit. Durch den Bau von bis zu sechs neuen Elektrofähren soll die Transportkapazität um 600 Prozent erhöht werden. Die Überfahrzeit könne dank verbesserter Anlegestellen und optimierter Abläufe von 20 bis 25 auf 14 Minuten verkürzt werden. Durch den Einsatz von Doppelanlegern und eine höhere Frequenz sollen stundenlange Rückstaus der Vergangenheit angehören. Und: Die neuen Fähren sollen vollständig elektrisch betrieben werden, was zu einem relativ CO₂-neutralen Fährverkehr führt.
Die Umsetzung dieses Konzepts erfordert jedoch politische Unterstützung und Investitionssicherheit, insbesondere im Hinblick auf die geplante A20-Elbquerung, die die Existenz der Fährlinie gefährden könnte.
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