Happy-End für "Kringel"

"Auch Nutztiere haben ein Recht auf Leben", sagt Günter Garbers
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Günter Garbers bewahrt Schafbock vor dem Einschläfern und besorgt ihm eine Prothese

as. Glüsingen. Die Kälte macht Kringel nichts aus: Eingehüllt in sein dickes, flauschiges Fell steht der schwarze Schafbock auf einer Weide auf dem "Lebenshof am Mühlenbach". Auf den ersten Blick sieht man, woher das Schaf seinen Namen hat: Seine Hörner sind zu runden Kringeln gebogen. Neugierig beobachtet er mit seinen braunen Kulleraugen die Umgebung, zupft hier und da ein wenig Gras, stapft gemächlich über die Wiese. Würde an seinem Bein nicht eine rote Plastikschiene leuchten, käme niemand auf die Idee, dass Kringel eine Prothese trägt.
Im Juni entdeckte der selbsternannte "Gnadenschäfer" Günter Garbers auf seinem Lebenshof in Glüsingen am Pferch ein verletztes Schaf - Kringel. Die etwa anderthalb Jahre alte Skudde, eine alte Wildschafrasse, war in einem bedauernswerten Zustand: das linke Hinterbein war unterhalb des Kniegelenks bis zum Huf entzündet, die Wunden stark verkrustet. "Das Schaf machte einen jämmerlichen Eindruck. Es muss wahnsinnige Schmerzen gehabt haben", erinnert sich Garbers. Eine Ohrmarke, mit der das Tier und der Halter identifiziert werden können, fehlte. Garbers ist überzeugt: "Das Tier wurde bei mir absichtlich abgelegt, wohlwissend, dass ich mich darum kümmern werde."
Garbers übernahm die medizinische Erstversorgung des Schafes, päppelte den geschwächten Kringel auf. Dann der Schock: Der Tierarzt diagnostizierte Knochenfraß, eine schmerzhafte Krankheit, die oft tödlich endet. Garbers fuhr mit Kringel zur Tierärztlichen Hochschule nach Hannover, wo die Diagnose bestätigt wurde. Normalerweise wäre Kringel jetzt eingeschläfert worden - doch nicht bei Günter Garbers. Er kämpfte für den kleinen Bock und überzeugte die Mediziner, Kringel am Leben zu lassen. Das kranke Bein wurde unterhalb des Kniegelenks amputiert und Garbers machte sich auf die Suche nach einem Prothesenbauer, der ein Ersatzbein für das Schaf anfertigen kann. "Bei Haustieren wie Hunden oder Katzen wird alles daran gesetzt, das Leben des Tiers zu erhalten - aber Nutztiere wie Schafe, Kühe oder Schweine werden einfach getötet. Tiere wie Kringel haben keine Lobby, deshalb setze ich mich für sie ein. Sie haben ebenso ein Recht auf Leben, wie wir Menschen oder unsere Haustiere", erklärt Garbers.
Quer durch die Republik fuhr Garbers, um einen Prothesenbauer zu finden. Währenddessen musste das tapfere Schaf zunächst auf drei Beinen klarkommen. Nicht ganz ungefährlich, denn durch die Amputation verlagerte sich beim Laufen und stehen das Gewicht auf das verbliebene Hinterbein - Eile war geboten, damit Kringel keine bleibenden Haltungsschäden davon trägt.
Schließlich wurde Garbers fündig. Der Prothesenbauer hatte bereits Prothesen für Menschen und auch für Hunde hergestellt - eine Prothese für ein Schaf allerdings noch nicht. Doch Garbers ließ nicht locker. 1.000 Euro kostet das Ersatzbein, Geld, dass der über Spenden finanzierte Lebenshof erst einmal auftreiben musste.
Mittlerweile sind Garbers und Kringel ein eingespieltes Team. Ein gutes Zeichen: Kringel lässt sich das Ersatzbein von dem erfahrenen Schäfer problemlos anziehen. Jeden Morgen legt Garbers dem Tier die Prothese an, abends wird das Bein wieder abgebaut. "Kringel hat sich mit damit gut arrangiert", ist Garbers überzeugt. "Er benutzt die Prothese, läuft und steht darauf und legt sich sogar damit hin", sagt der Tierrechtler stolz.
"Tiere empfinden Schmerz und Freude wie wir Menschen, dem müssen wir endlich Rechnung tragen", mahnt der Veganer. Das Ziel von Garbers: Er möchte das Bewusstsein für die Rechte von Tieren, insbesondere Nutztieren, schärfen.
Ein Kamerateam hat Kringels Rettung begleitet. Zu sehen sind Kringel und Günter Garbers am Freitag, 28. Dezember, um 18 Uhr im NDR. Der Lebenshof am Mühlenbach wird über Spenden finanziert und ist auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Wer Kringel und Co. helfen möchte, spendet an den Lebenshof unter IBAN: DE 10 240 603 00 4902020 000; BIC: GENO DE F1 NBU; Volksbank Lüneburger Heide. Auch bei der Pflege der Tiere kann der Gnadenhof tatkräftige Hilfe gebrauchen. Infos unter www.lebenshof-am-muehlenbach.de oder auf www.facebook.com/guentergarbers. Lebenshof am Mühlenbach

Autor:

Anke Settekorn aus Jesteburg

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