Trauriges Ende einer Freundschaft

Zwischen Kamerun-Schaf "Lüchen" und Doris Taube war eine Freundschaft entstanden
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as. Tötensen. „Das war Lüchens Schlafplatz, und hier habe ich meine Kleine immer gefüttert“, sagt Doris Taube. Sie zeigt traurig auf einen Baumstumpf, auf dem noch Haferreste liegen. „Lüchen“, so hat sie das kleine braune Schaf genannt, das allein in Tötensen in einem Waldstück zwischen Autobahn und Kreisstraße lebte. Jetzt ist „Lüchen“ tot. Ein Bein und der Pansen ist alles, was von „Lüchen“ übrig ist.
Als sie im Juni das Schaf beim Spazierengehen zum ersten Mal sah, konnte sie es nicht glauben. Was macht ein Schaf allein im Wald? Kurzerhand nahm sie Kontakt zum Schäfer Günter Garbers auf, der in Seevetal den „Lebenshof am Mühlenbach“ betreibt, einen über Spenden finanzierten Gnadenhof für Nutztiere. Der Plan der beiden: Erst einmal das Vertrauen des Tieres gewinnen, um es dann zu fangen und an einen Ort zu bringen, an dem es geschützt in Ruhe altern kann. „Dass ein Tier, das eigentlich als Nutztier gehalten wird und in Herden lebt, allein in der Wildnis den Winter überstehen muss, hat mir Sorgen gemacht“, sagt Doris Taube. „Bei dem Tier handelte es sich um ein Kamerun-Schaf. Sie werden vor allem zur Fleischerzeugung gehalten und müssen nicht geschoren werden“, weiß Günter Garbers. Doris Taube kamen Gerüchte zu Ohren, dass vor einigen Jahren Kamerun-Schafe in der Nähe gezüchtet wurden - ein paar Tiere sollen ausgebüxt sein.
Kamerun-Schafe sind extrem scheu, nur mit viel Zuwendung werden die Tiere zahm. Ein halbes Jahr lang fuhr Doris Taube deshalb jeden Tag mit Futter zum Waldstück und besuchte ihr „Lüchen“. Hafer, rohe Kartoffeln, Himbeeren, getrocknetes Brot - immer hatte sie einen kleinen Leckerbissen dabei, um das Schaf anzulocken. Zunächst war bei ihren Besuchen nichts von „Lüchen“ zu sehen, aber das Futter war beim nächsten Besuch weg. Dann tauchte das Schaf in sicherer Entfernung hinter ein paar Bäumen auf und beobachtete die Tierfreundin. Schließlich fasste „Lüchen“ Vertrauen zu Doris Taube, hörte auf ihr Rufen. „Zum Schluss hat Lüchen mich schon erkannt und kam von sich aus freudig angaloppiert, teilweise hat sie auch schon auf mich gewartet. Sie wurde immer zutraulicher“, berichtet Doris Taube. Mitte November gelang es Doris Taube sogar, „Lüchen“ das erste Mal zu berühren.
Es ist das letzte Mal, dass sie „Lüchen“ lebend sah. Als sie das Schaf zwei Tage später füttern will, bleibt „Lüchen“ verschwunden. Doris Taube füllt das Futter auf, nimmt an, dass ihre „Kleine“ unterwegs ist. Auch am nächsten Tag noch keine Spur von „Lüchen“. Das Futter vom Vortag ist noch da. Doris Taube bekommt ein ungutes Gefühl, besorgt macht sie sich mit ihrem Hund auf die Suche nach dem Schaf. Sie findet zunächst einen Pansen, Taube hofft noch, dass er von einem anderen Tier stammt. Dann entdeckt sie an einem Waldweg Reifenspuren - und ein braunes Bein. Damit ist klar: „Lüchen“ ist tot. „Das Vorderbein wurde sauber abgetrennt“, erklärt Günter Garbers. Der Tierschützer und Doris Taube vermuten deshalb, dass ein Mensch „Lüchen“ getötet hat. Vielleicht habe der Täter das Tier an Ort und Stelle zerlegen wollen, dann aber befürchtet, geschnappt zu werden und deshalb das Tier mitgenommen. Sie wollen herausfinden, was mit „Lüchen“ geschah. Garbers lässt das Bein im Institut für Pathologie der Tierärztliche Hochschule Hannover untersuchen. Eine eindeutige Todesursache lässt sich aber nicht mehr feststellen.
Rolf Bellmann, Revierinhaber und Leiter des Hegeringes Hittfeld, vermutet, dass ein Fuchs der Täter ist. Die Jäger kennen das Schaf. Da das Tier nicht in den Wald gehört, wurden die Jäger vom Kreis beauftragt, das Schaf zu schießen. „Das Schaf war aber so scheu, dass es bislang keinem Jäger gelungen ist“, so Bellmann. Ein Jäger hätte laut Bellmann zudem das ganze Tier mitgenommen, um es zu entsorgen. Dass ein anderer Mensch das Tier erlegt hat, hält er für wenig wahrscheinlich. „Das wäre dann auch Wilderei“, erklärt er.
Taube und Garbers wollen dennoch herausfinden, wie „Lüchen“ gestorben ist. „Vielleicht hat ja jemand etwas Verdächtiges gesehen“, hoffen die beiden. • Hinweise unter Tel. 0160 - 91355112.

Autor:

Anke Settekorn aus Jesteburg

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