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Messer-Überfälle auf Liebesdamen

Mit Sportklamotten erschien der Angeklagte am Mittwoch zum Prozessauftakt im Landgericht Stade. Mit dabei: sein Verteidiger Fritz Falk (Foto: bc)

Gefahr in Love-Mobilen: Mann aus Buchholz ist der schweren räuberischen Erpressung angeklagt

bc. Stade/Buchholz. Dass Prostituierte einen sehr gefährlichen Job haben, hat sich mal wieder in dieser Woche vor dem Landgericht Stade gezeigt. Ein Portugiese (41) aus Buchholz ist vor der Ersten Großen Strafkammer der besonders schweren räuberischen Erpressung angeklagt. Er soll zwischen Oktober 2017 und Februar 2018 drei Überfälle auf Prostituierte begangen haben, die ihre Liebesdienste in sogenannten Love-Mobilen anboten.
Dabei soll er die Frauen jedes Mal mit einem Messer bedroht haben. Zweimal konnte er laut Anklage der Staatsanwaltschaft jeweils 30 Euro erbeuten. Ein drittes Mal schlug ihn die Liebesdame in die Flucht. Für den Mann steht viel auf dem Spiel. Je nachdem, wie schwerwiegend das Schöffengericht um den Vorsitzenden Richter Rolf Armbrecht die mutmaßliche Tat einstuft, droht dem Mann eine mehrjährige Haftstrafe.
Eine Prostituierte aus Rumänien belastet ihn schwer. Sie soll der Portugiese am 25. Februar in Neu Wulmstorf ausgeraubt haben. "Ich zittere noch heute, wenn mich ein Freier in meinem Bus besucht. Ich kann nicht mehr bis spätabends arbeiten", sagte sie aufgeregt vor Gericht. Der Mann habe ihr ein Messer an die Kehle gehalten. "Ich habe ihn dann gefragt, was das soll. Ich habe doch auch kein Geld. Er sah verzweifelt aus, meinte, er hätte Probleme", so die Frau aus Bukarest. Kurz nach dem Überfall habe sie sofort ihren Mann angerufen und die anderen Prostituierten in den Love-Mobilen per Handy gewarnt.
Sie und ihr Mann hätten dann die Verfolgung aufgenommen und den Angeklagten in der Nähe eines anderen Liebes-Wohnwagens gestellt und "geschlagen". "Die 30 Euro habe ich mir dann zurückgeholt", erzählte die Rumänin. Wenig später sei die Polizei gekommen und hätte den Mann festgenommen. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft in Bremervörde.
Wie der Kammer erst später bekannt wurde, soll der Mann schon im vergangenen Jahr ähnliche Taten verübt haben. Am 30. Oktober 2017 soll der Beschuldigte ähnlich wie im Februar einer Prostituierten in Wenzendorf ein Messer an den Hals gedrückt haben - in diesem Fall soll es laut Staatsanwaltschaft ein Messer mit einer Klingenlänge von 25 Zentimetern gewesen sein. Danach soll er die Frau gefesselt haben und mit 30 Euro geflüchtet sein. Nur gut eine halbe Stunde später soll er in Buchholz ein weiteres Love-Mobil aufgesucht und die gleiche Masche versucht haben. Die Dame attackierte ihn allerdings, so dass er ohne Beute Reißaus nahm.
Angesichts der schwerwiegenden Vorwürfe und der unklaren Sachlage sagte Richter Armbrecht zum Prozessauftakt in Richtung des Angeklagten: "Falls sie jetzt gestehen sollten, kann ich ihnen nicht seriös zusagen, dass am Ende ein minder schwerer Fall herauskommt."
Der Portugiese ließ sich dann am zweiten Verhandlungstag teilweise zu den Anschuldigungen ein. Er habe die Frau am 25. Februar überfallen, aber er habe ihr das Messer nicht an die Kehle gehalten, sondern es nur auf "Hüfthöhe gezeigt". Nach lediglich 30 Sekunden sei er wieder mit den geklauten 30 Euro zu seinem geparkten Fahrzeug gegangen und weggefahren. Weil er sich mal "erleichtern wollte", hielt er an. Dann sei er zusammengeschlagen worden und habe das Geld zurückgegeben.
Wieso er überhaupt auf die Idee kam, Prostituierte in Love-Mobilen zu überfallen, blieb bislang unklar. Sein Verteidiger in einem ersten Statement: "Es habe einen finanziellen Bedarf gegeben."
Der Prozess wird nächste Woche fortgesetzt.