DLRG des Landkreises Harburg probte im Tostedter Freibad die Personenrettung aus eiskaltem Wasser

Mit vollem Körpereinsatz hackte Moritz Schlichting Löcher in das Eis im Becken des Tostedter Freibade
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bim. Tostedt. Sonntagmorgen, vier Grad Außentemperatur: Rund 40 Kräfte des Wasserrettungszugs der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), Landkreis Harburg, treffen nach und nach am Tostedter Freibad ein. Sie wurden um 8.56 Uhr zur Personenrettung aus dem drei Grad kalten Eiswasser alarmiert. Glücklicherweise ist dies kein Ernstfall. Die DLRG-Mitglieder aus Buchholz, Seevetal, Tostedt und Winsen trainieren mit Unterstützung der DLRG Elbmarsch die Rettung einer ins Eis eingebrochenen Person, u.a. mit Eisschlitten und -Brett. Im tieferen Wasser wird die Übungspuppe "Knut" versenkt. Mit ihr wird eine im Eis eingebrochene und untergegangene Person simuliert, die von den Buchholzer DLRG-Einsatztauchern geborgen werden muss.
"Viele Möglichkeiten zum Eistauchen gibt es nicht, weil zum Beispiel im Bad Buchholz im Winter der Wasserspiegel stark abgesenkt wird", berichtet Margret Holste, Pressesprecherin des Wasserrettungszuges. Im Tostedter Freibad wird das Wasser jedoch erst zum Saisonbeginn zur Reinigung abgelassen, da sonst das Becken Schaden nehmen könnte. Somit bietet das Bad eine hervorragende Kulisse für das Übungsszenario.
Immer wieder begibt sich Timo Matthies in seinem Strömungsretteranzug in das eisige Wasser, um sich von den verschiedenen Mitgliedern "retten" zu lassen. Wie im Ernstfall werden die richtige Ansprache des "Verunglückten" und das schnelle wie vorsichtige An-Land-ziehen geübt. "Bei Unterkühlung zentralisiert sich der Körper und schaltet in den Sparmodus, nur noch Kopf und Rumpf werden erwärmt. Deshalb dürfen unterkühlte Personen keiner Bewegung ausgesetzt werden", erläutert Ulf Matthies, Gruppenführer der DLRG-Ortsgruppe Elbmarsch. Denn sonst könne das kältere Blut in den Gliedern sich mit dem noch wärmeren in der Körpermitte vermischen, was zu einer schlagartigen Abkühlung und schlimmstenfalls zum Kreislaufstillstand führen kann.
"Außerdem muss man ständig das Gespräch mit dem Unterkühlten suchen und regelrecht auf ihn einreden. Dann bleibt er bei Bewusstsein und vergisst die Schmerzen", so Matthies. Am Freibadrand wird Timo dann von weiteren Rettern in eine Rettungsdecke gewickelt, um den Wärmehaushalt zu regulieren.
"Bricht ein Mensch im Eis ein, geht es nach einer Stunde nur noch ums Bergen der Leiche", macht Ulf Matthies klar. Fast unmöglich sei auch die Rettung aus Fließgewässern mit starker Strömung wie der Elbe. "Wenn dort jemand ins Eis einbricht, wird er gleich weggespült. Bis die Rettungskräfte eintreffen, ist die Person schon zu weit abgetrieben", so Matthies. Zudem betrage die Sicht im Eiswasser maximal 50 Zentimeter.
Beim Bergen von "Knut" sind die Taucher mit einer Sprechgarnitur ausgestattet. "Das ist wie eine Art Telefon, über das sich der Taucher mit dem Leinenführer an Land verständigen kann", erklärt Taucheinsatzleiter Werner Weber. Ebenso verläuft die Verständigung über abgesprochene Seilzug-Zeichen. Abgesucht wird im Radius von maximal 25 Metern um das Einbruchsloch. Am Beckenrand wartet ein Reservetaucher, falls dem anderen Taucher etwas passiert, er abgelöst werden muss oder bei der Bergung Hilfe braucht.
Nach rund zwei Stunden war die Übung beendet, mit deren Verlauf Einsatzleiter, Zugführer Dirk Westermann, zufrieden war.

Vorsicht auf zu dünnem Eis

Die DLRG leistet bundesweit im Winter 150.000 Stunden Dienst, um die Gewässer zu bewachen. Die Gefahr, sich auf zu dünnes Eis zu begeben, wird teilweise unterschätzt. Die DLRG gibt folgende Tipps:
Allgemeines Verhalten auf dem Eis
• Informieren Sie sich beim zuständigen Amt über die Eisdicke
• Bei stehenden Gewässern sollte das Eis mindestens 15 Zentimeter dick sein, bei Bächen und Flüssen 20 Zentimeter.
• Grundsätzlich sollten sich Winter-Fans nur an bewachten Gewässern und nie allein aufs Eis wagen.
• Dunkle Stellen verraten, dass das Eis noch viel zu dünn ist. Dort heißt es: Betreten verboten!
• Besondere Vorsicht ist auf verschneiten Eisflächen und an bewachsenen Uferzonen geboten.
• Seen, die von Bächen oder Flüssen durchzogen sind, stellen eine besondere Gefahr dar. An den Ein- oder Ausflüssen kann innerhalb weniger Meter das Eis deutlich dünner und die Eisqualität völlig anders sein als auf dem Rest des Sees.
Selbstrettung bei Eisunfällen
• Wenn das Eis knistert und knackt, am besten flach hinlegen, um das Gewicht zu verteilen, und in Bauchlage in Richtung Ufer bewegen.
• Versuchen Sie, sich mit ausgebreiteten Armen vor- oder rückwärts zum Ufer hin zu bewegen.
Fremdrettung bei Eisunfällen
• Holen Sie unter Tel. 112 Hilfe und suchen Sie sich möglichst andere Menschen vor Ort, die Sie unterstützen.
• Denken Sie an die Eigensicherung und helfen Sie möglichst von Land aus, indem Sie Schlitten, Bretter oder lange Äste nutzen.
• Wenn Sie zur Personenrettung aufs Eis müssen, legen Sie sich hin und schieben Sie sich langsam in Richtung des Eingebrochenen.
• Nach der Rettung auf den Wärmeerhalt achten und den Geretteten mit Decken oder Ähnlichem wärmen. Wichtig ist, dass die Person liegend gelagert wird und sich nicht viel bewegt.

Autor:

Bianca Marquardt aus Tostedt

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